Hafen aus der Bronzezeit

Such nach künstlichen Anlagen

Die Fahndung nach prähistorischen künstlichen Anlagen führt auf den Peloponnes in den kleinen Ort Pylos an der Westküste Griechenlands. Um 1200 vor Christus gehörte das Land zum mykenischen Reich. Nach dem antiken Palastbau forschte schon Heinrich Schliemann. Doch erst 1939 gelang es amerikanischen Archäologen, die Ruinen auszumachen.

In luxuriösem Ambiente residierte König Nestor, einer der führenden Staatsmänner seiner Zeit. Wie Homer erzählt, entsandte er mehr als neunzig Schiffe zur Unterstützung der Griechen im Krieg gegen Troja.

Schutz vor Naturgewalten

Wo lagen die stolzen Galeeren des mächtigen Herrschers? Die große Bucht von Navarino könnte als Ankerplatz gedient haben. Ein Ring aus Felsen bietet Schutz vor Naturgewalten und feindlichen Angriffen. Pylos jedoch glänzt mit einer besonderen Attraktion: Einem künstlichen Hafenbecken. Dort, wo heute Ähren wogen.

Laut dem deutschen Archäologen Eberhard Zangger verbirgt sich unweit des Palastes ein Hafen. Der älteste, der jemals in Europa von Menschen geschaffen wurde. Wasserbauten aus der Bronzezeit sind kaum erhalten und schwer zu finden. Wenn überhaupt, dann nur als mickrige Reste von Dämmen und Kanälen - Konturen in der Landschaft. Die überwucherte Böschung - vor 3000 Jahren die Kaimauer von Pylos. In der Ebene die Umrisse des verlandeten Binnenhafens - etwa so groß wie zehn Fußballfelder.

Technische Meisterleistung

Wichtigste Aufgabe war, sein Versanden zu verhindern. Die Ingenieure stauten einen Fluss zum See. Dieses Sediment-Becken funktionierte wie ein Klärwerk. Das Wasser kam zum Stillstand - die mitgeführten Schwebstoffe lagerten sich ab. Vermutlich über eine Schleuse gelangte das gereinigte Wasser ins Hafenbecken - durch einen schnurgeraden Kanal. Die Konstruktion künstlicher Wasserwege ist eine technische Meisterleistung. Sie zeugt von einem ausgeklügelten Know-how, das später nicht einmal die Römer beherrschten. Für Archäologen ist die Entdeckung eine Sensation.

Vom Hafenbecken erreichten die Schiffe über einen kleinen Fluss das Meer. Über Untiefen und bei Niedrigwasser haben die einfallsreichen Griechen ihre Boote am Ufer entlang gezogen. Das berichten die Quellen. An Arbeitskräften mangelte es nicht. Tausende von Sklaven hoben Kanäle aus, errichteten gewaltige Festungen und gigantische Paläste. Und das mit einfachen Hilfsmitteln.

Profunde Kenntnisse in Mathematik

Schon um 1500 vor Christus überlassen die Menschen nichts dem Zufall. Ihre profunden Kenntnisse in Mathematik - in Geometrie und Statik - befähigen sie, kühnste Planungen zu verwirklichen. Ihr Wissen schöpfen sie aus der genauen Beobachtung der Natur. Sie studieren den Lauf der Gestirne, die Meeresströmungen und das Zusammenspiel von Wind und Gezeiten. Und sie beherrschen auch die hohe Kunst des Schreibens.


Frühgeschichtliche Wasserbauten wie in Pylos belegen: Die Beschreibung des Hafens von Atlantis muss kein Hirngespinst sein. Genauso wie die Schilderung Platons, dass Schiffe kostbare Güter in die Stadt gebracht haben. Auch nach Troja, der mächtigsten Handelsmetropole im östlichen Mittelmeer, kamen Galeeren aus aller Welt.

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