Handel mit den Griechen

Suche nach Skythen-Spuren auf der Taman-Halbinsel

Die weitere Spurensuche führt auf die Taman-Halbinsel zwischen Schwarzem und Asowschem Meer, einst das Kernland des Bosporanischen Reichs, gegründet von griechischen Kolonisten. Hier trafen vor 2500 Jahren Griechen und Skythen aufeinander.

Forschungstaucher vor Phanagoria Quelle: ZDF

Was dabei geschah, will ein weiteres Team des Deutschen Archäologischen Instituts herausfinden. Dazu geht Udo Schlotzhauer mit seinen russischen Partnern einen ungewöhnlichen Weg. Er will wissen, wie die Landschaft zu der Zeit aussah, als Wildnis und Zivilisation sich begegneten, als die Barbarenstämme aus dem Osten auf wohlorganisierte griechische Städte stießen.

Bohrkern Quelle: ZDF

Erdschicht mit Muschelfragmenten

Über Bodenprofile lässt sich die antike Landschaft rekonstruieren. Wo heute Land ist, kann einst Wasser gewesen sein. In einer Erdschicht aus der Skythenzeit identifiziert der Forscher Muschelfragmente. Für ihn ist klar: Die heutige Halbinsel war in der Antike eine Insel. Strategisch günstig, da gut zu verteidigen.

Holzschnitzerei Quelle: ZDF

Den Geowissenschaftlern folgen die Archäologen mittels einer Grabung auf der verdächtigen Insel. Lebten hier Skythen oder Griechen? Udo Schlotzhauer hat den Henkel einer griechischen Amphore gefunden, sein russischer Kollege ein noch spannenderes Stück: eine Beinschnitzerei, die eine Lyra spielende Frau zeigt - typisch griechisch. Das nördliche Schwarzmeergebiet war eine der ersten griechischen Kolonien, die Kornkammer des Mutterlandes.





Griechische Propaganda?

Die Griechen kamen wegen Getreide, Pelzen und Sklaven. Und die Skythen? Überfielen die wilden Krieger brennend und raubend die Städte, wie die antike griechische Propaganda uns weismachen will?

Phanagoria war einst eine bedeutende griechische Handelsmetropole. Russische Forschungstaucher erkunden den Hafen der antiken Herrscherresidenz. Ein Drittel des früheren Stadtgebietes liegt heute unter Wasser. Die Sicht ist besser als im benachbarten Asowschen Meer. Die Taucher erkennen bewachsene Steinquader und Holzbohlen - die Quaimauer des Hafens.

Amphore unter Wasser Quelle: ZDF

Schatzkammer für Forschungstaucher

Hier legten die Trieren, die dreireihigen Ruderschiffe der Griechen an, um Getreide und Söldner nach Milet, Athen und Korinth zu bringen. Die Hölzer eignen sich ideal zur Datierung der Hafenanlage. Das Meer ist eine Schatzkammer für die Forschungstaucher. Sie entdecken noch eine Amphore und ein Inschriftenstein der antiken Stadt. Der Stein birgt eine Überraschung: Er berichtet von einem Krieg zwischen Griechen und Skythen.

Die Festland-Grabung von Phanagoria läuft parallel. Wie bedeutend der Ort war, zeigt allein schon das Ausmaß des Areals. Für die russischen Archäologen ist Phanagoria eine Schlüsselgrabung. Die Stadt hatte eine entscheidende Brückenfunktion zwischen Ost und West. Von hier aus wurden die Krimhalbinsel und die Küsten der Meere kontrolliert. Ihre Ziseleure und Juweliere waren hochgerühmt.

Eigenständiger Tierstil

Eine sonderbare Konstruktion mit einer Röhre, die zu einem sehr kleinen Ofen führt deutet Vladimir Kusnetzov als Schmelzofen eines griechischen Goldschmieds. Arbeiteten die hellenistischen Handwerker auch für die goldvernarrten Nomaden? In Sibirien hatten die Reiternomaden ihren ganz eigenständigen Tierstil. Klare Formen wie Pferd und Hirsch aus Tuva. Motive der griechischen Mythologie wurden für den offensichtlich skythischen Kunden umgemünzt: Denn in diesem Heldenkampf siegen die Skythen.

Ein Skythenmodell als Zierbeschlag eines Kästchen Quelle: ZDF

Phanagoria war eine reiche Stadt. Aber von Skythen gab es bisher keine Spur. Doch dann finden sich winzige Fragmente aus Tierknochen. Der Zierbeschlag eines Kästchens zeigt einen Skythen, eindeutig zu erkennen an der Mütze und seiner Tracht wie auf dem berühmten goldenen Becher aus der Eremitage. Die Skythen waren also auch in Phanagoria.

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