Hannibals Kraftakt

Überquerung der Alpen mit hohen Verlusten

In wenigen Jahren entwickelt sich Hannibal zum geachteten Kommandanten. Er tritt das Erbe der Barkas an und lenkt seine Kriegsmaschinerie in Richtung Rom. Ein besonnener Asket, der jene Disziplin vorlebt, die er von seinen Soldaten verlangt.

Im Kämpfen gegen spanische Widerstandstruppen drillt Hannibal eine Streitmacht ergebener Söldner, die das Kriegshandwerk meisterhaft verstehen.

Kein Zurück

Längst sind auch die Römer in Spanien einmarschiert. Aufgerüstet durch Allianzen mit einheimischen Armeen erwarten sie den Gegner in Sagunt. Doch das Bollwerk kann den Mann aus Karthago nicht stoppen. Trotz der spanischen Verstärkung haben die Römer gegen die Attacke kaum eine Chance. Der Sieg im Jahr 219 vor Christus markiert einen entscheidenden Punkt in Hannibals Leben: Von nun an gibt es für ihn kein Zurück mehr.


Die Zerstörung Sagunts ist eine unmissverständliche Provokation. Doch für den Angriff auf Rom benötigt Hannibal eine offizielle Kriegserklärung aus der Heimat. In Karthago steckt die Regierung nun in einem ernsten Dilemma: Mit den Kämpfen in Spanien ist der Waffenstillstand gebrochen. Die Karthager hassen Rom, noch mehr aber fürchten sie seine militärische Stärke. Nun erwartet der Senat den Besuch eines römisches Botschafters. Er stellt ein Ultimatum: Die Auslieferung Hannibals - oder Krieg. Karthago muss sich schnell entscheiden. Das Votum fällt eindeutig aus: Krieg!

Ausgeklügelte Feinplanung

In Spanien trifft Hannibal inzwischen die Vorbereitungen für einen historischen Coup. Seine Armee ist für den Kampf gegen den Erzfeind gerüstet. Doch die Invasion verlangt eine ausgeklügelte Feinplanung. Das Römische Reich erwartet seinen Angriff. Deshalb ersinnt er eine Strategie, mit der seine Gegner keinesfalls rechnen. Um den Feind zu überraschen wählt Hannibal den Weg über die Alpen. Auch die Elefanten sollen die strapaziöse Reise antreten.


Die Alpen sind das höchste Gebirge Europas. Unglücklicherweise erreicht der gewaltige Tross die ersten Ausläufer erst im Oktober des Jahres 218. Hannibal kennt Beschreibungen der Alpen, gesehen hat er sie nie. Weiß er um das Risiko der vor ihm liegenden Tortur? Um diese Jahreszeit birgt das unkalkulierbare Klima auf den Pässen große Gefahren. Schneestürme und Lawinen können den Marsch zu einem Todeskommando machen. Doch will er den Kontrahenten einen Schritt voraus sein, duldet der Gewaltmarsch keinen Aufschub mehr. Zudem sehnt Hannibal den Moment herbei, den Römern endlich auf ihrem eigenem Boden gegenüber zu treten.

Labyrinth aus Eis und Felsen



Noch ahnt keiner der Krieger, welche Prüfungen in den folgenden Wochen auf sie zukommen. Je höher sie in das Gebirgsmassiv vordringen, umso tückischer werden die Wetterbedingungen. 50.000 Soldaten und 40 Elefanten kämpfen sich Schritt für Schritt mühsam voran. Nach Ansicht heutiger Historiker müssen ihnen einige Bergvölker den Weg durch das Labyrinth aus Eis und Felsen gewiesen haben. Andere Alpenstämme zeigen sich weniger wohlgesonnen. Ob Römer oder Karthager, sie betrachten alle Fremden als Feinde und lohnende Opfer eines Überfalls. Die Angriffe aus dem Hinterhalt kosten viele Soldaten das Leben. Doch der beschwerliche Treck durch die Bergwelt ist nicht mehr aufzuhalten.

Der Seeweg wäre keine echte Alternative gewesen, denn das Meer wird von den Römern kontrolliert. Und so wartet Scipios Flotte vergeblich auf die Schiffe der Invasoren. Erst allmählich wird den Römern klar, dass Hannibal und seine Truppen eine andere Route nach Italien gewählt haben müssen. Nach neun Tagen erklimmt die karthagische Streitmacht in mehr als 2500 Metern den höchsten Pass der Alpen - die genaue Route ist bis heute nicht bekannt.

Bis zu 20.000 Opfer

Die Strapazen fordern ihren Tribut: Viele der Männer sind halb verhungert und am Ende ihrer Kräfte. Nach Einbruch der Dunkelheit muss ein gewaltiger Schneesturm Hannibals Camp überrascht haben. Tausende Soldaten sollen erfroren sein. Viele Jahre hat der Feldherr damit verbracht, die Streitmacht zusammen zu stellen. Nun sieht er seine Elite-Kämpfer im nächtlichen Eisbett sterben. Die meisten überlieferten Informationen zum Hannibal-Feldzug stammen aus römischen Quellen und lassen unterschiedliche Deutungen zu. Die Zahl der Alpen-Opfer wird mit bis zu 20.000 beziffert.




Gleichwohl entwickelt sich der lange Marsch für die Krieger Karthagos zu einem Kampf ums nackte Überleben, den viele von ihnen verlieren. Der Hunger und das ungewohnt strenge Klima strecken auch etliche Elefanten nieder. Die sensiblen Tiere verenden im Gebirge. Allein die legendäre Reise überhaupt bewältigt zu haben, begründet bis heute Hannibals heldenhaften Ruf. Gezeichnet von den Entbehrungen der Alpenüberquerung erreicht Hannibals Heer schließlich den Norden Italiens: Die Invasion des Römischen Reiches hat begonnen. Viel Zeit bleibt ihnen nicht, wieder zu Kräften zu kommen. Hannibal brennt darauf, das Schwert gegen die Römer zu erheben. Nur wenige Wochen nach der Ankunft soll sein Wunsch bereits in Erfüllung gehen.

Persönliche Mission

Römische Kavallerie kreuzt den Weg der Eindringlinge in der Nähe des Flusses Ticinus. Ihr Anführer ist Publius Cornelius Scipio. Ähnlich wie der Rivale aus Karthago sehnt er die Schlacht herbei, begreift den Kampf als persönliche Mission. Lange Zeit hat er auf diesen Moment gewartet. Die Römer verfügen über gut trainierte Fußtruppen, doch die Pferdestaffeln sind ihre Schwachstelle. Beinahe mühelos gelingt es Hannibals Männern, ihre Ordnung zu sprengen. Publius Cornelius Scipio wird in der Schlacht schwer verwundet. Nun fällt seinem Sohn die ehrenvolle Pflicht zu, den berühmtesten Krieger Nordafrikas zu stellen.




Von der römischen Niederlage geht eine verhängnisvolle Signalwirkung aus. In Scipios Lager meucheln Landsknechte nachts schlafende Soldaten. Sie hassen Rom für die Besetzung ihres Heimatlandes - und wittern die Chance auf blutige Rache. Scharenweise laufen die Einheimischen zu Hannibals Einheiten über. Wenn jemand den Römern Einhalt gebieten kann - dann der Mann aus Karthago. Kaum einen Monat weilt er in Italien, und schon zeigt sich, wie fragil die Supermacht ist.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet