Harte Bandagen beim antiken Faustkampf

Der vierte Wettkampf-Tag

Faustkämpfer-Legende Diagoras von Rhodos, der blaublütige Boxstar der Antike, ist mit seinen Söhnen Damagetos und Akusilaos angereist. Selbst nach zahlreichen Siegen im Ruhestand, hofft er, dass die Söhne in seine Fußstapfen treten. Der psychische Druck lastet schwer auf den beiden jungen Kampfsportlern.

Der vierte Tag der olympischen Agone beginnt früh morgens mit den Boxwettkämpfen. Die Kontrahenten treffen direkt vor der Schiedsrichter-Tribüne am Südrand der Stadionfläche aufeinander. Für Damagetos geht es um die persönliche und die Familienehre, vielleicht sogar um Leben und Tod.

Boxen brutal

Der Faustkampf zählt zu den ältesten Sportarten Griechenlands. Schon im 2. vorchristlichen Jahrtausend wurde in Mykene und auf Kreta geboxt. Die Schwerathleten schlagen sich nicht um Punkte, sondern um "Alles oder Nichts".




Harte Bandagen

Vor dem Kampf umwickeln die Boxer Mittelhand, Handwurzel und Unterarm mit Lederriemen. Die bis zu 3,70 Meter langen Bänder aus Ochsenhaut haben zweierlei Funktion: Sie sollen Handknochen und Gelenke vor Brüchen und Stauchungen schützen. Sie geben aber auch einen wirkungsvollen Schlagring ab. Später, in römischer Zeit, sind die Lederbandagen sogar mit Metallplättchen bestückt, um möglichst schwere Treffer landen zu können.

Ehe der Agon beginnen kann, muss der Schiedsrichter die Wicklungen begutachten und genehmigen. Dann fliegen die Fäuste. Damagetos und sein Gegenüber liefern sich einen ausgewogenen Schlagabtausch. Die beiden sind einander ebenbürtig - ein Glücksfall. Die alten Griechen kennen nämlich keine Gewichtsklassen. Das Los entscheidet und schickt oft sehr unterschiedliche Athleten in den Kampf.

Erzwungene Entscheidung

Die Boxschlacht dauert bereits mehrere Stunden - ununterbrochen. Runden mit kleinen Zwischenpausen gibt es nicht. Die Schiedsrichter wollen die Entscheidung endlich herbeiführen. Sie greifen zu einem damals üblichen Trick und grenzen den Aktionsradius der beiden Kämpfer ein. Helfer umringen das Duo mit Messlatten und Leitern und nehmen den Boxern so die Möglichkeit, in die Tiefe des Raumes auszuweichen.

Stolzer Vater

Die Maßnahme zeigt den gewünschten Erfolg. Damagetos gewinnt die Oberhand. Der Unterlegene lässt sich ausknocken. Aufgeben kommt nicht in Frage. Die Schande wäre zu groß. Immerhin hätte er die Möglichkeit, "apagoreuo!" (= ich ergebe mich) zu rufen oder den rechten Zeigefinger zum Zeichen der Kapitulation zu erheben. Doch so schmachvoll will er die Kampffläche nicht verlassen. Mit einem gezielten Kinnhaken beendet Damagetos den Agon.


Diagoras gratuliert seinem Sohn als erster. Der alte Boxchampion ist stolz, weil es Damagetos gelungen ist, durch flinke Beinarbeit und kluges Taktieren ohne nennenswerte Verletzungen aus dem harten Kampf als Gewinner hervorzugehen. Mit seinem Olympiasieg setzt der Sohn die schwerathletische Tradition der Familie fort.

Damagetos' Bruder Akusilaos hat die härteste Prüfung der gesamten 83. Olympien des Jahres 448 vor Christus noch vor sich. Er muss am letzten Tag der Spiele im Allkampf, dem Pankration, antreten.

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