Hasans Todesboten

Gefürchtete Kämpfer aus dem Untergrund

Im fernen Samarra - nördlich von Bagdad - beeindruckt noch heute die Moschee der sunnitischen Kalifen aus der Abbasiden-Dynastie. Jenes Clans, der in den Augen Hasans für den Verfall des rechten Islam verantwortlich zeichnete. Und seine Gemeinschaft mit allen Mitteln zerschlagen wollte.

Die Machthaber frönten in ihren prächtigen Palästen dem Luxus. Vetternwirtschaft und Korruption waren an der Tagesordnung. Am Regierungssitz Bagdad hatten sie bedeutende Religionsschulen etabliert.

Feinde des Islam

In den heiligen Hallen lehrten weise Männer Theologie und Rechtskunde - nach den Vorgaben der herrschenden Partei. Dort entfaltete sich auch das sunnitische Dogma, in dem Schiiten, besonders aber Ismailis als Abtrünnige und Feinde des Islam dargestellt wurden. Millionen Bände füllten die riesigen Bibliotheken der Hauptstadt. Bücher über mathematische Fragen, literarische Werke aus unterschiedlichen Jahrhunderten und medizinische Abhandlungen gehörten zum festen Bestand der Ausbildungsstätten. Bagdad avancierte zum glanzvollen Zentrum der Wissenschaft.

Auch wenn der Kalif offiziell an der Spitze des Reiches stand, war er kaum mehr als eine willfährige Marionette in den Händen der Seldschuken, seiner engen Verbündeten. Das Turkvolk hatte um 1000 die Religion Mohammeds angenommen und innerhalb weniger Jahrzehnte weite Teile Persiens und Mesopotamiens besetzt. Nach und nach gewannen die Fremden an politischem und militärischem Einfluss. Als selbsternannte Beschützer des Kalifen machten sie sich unentbehrlich. Ihrem Anführer, dem Sultan, entging nicht, was sich unter Hasans Regie zusammenbraute. Schon bald rückte das Heer nach Alamut vor, um das Widerstandsnest auszuräuchern. Trotz Übermacht mussten die Belagerer jedoch erfolglos abziehen. Eine bittere Niederlage.

Tod dem Wesir

Hasan wollte Rache. Er wusste, dass hinter der Aktion sein Erzfeind, der Wesir des Sultans steckte. Am Abend versammelte der Da'i seine Getreuen um sich - die Fida'ii. Junge Männer, die ihm blind gehorchten, die bereit waren, ihr Leben für die Sache zu opfern. Tod dem Wesir - lautete der Auftrag. Hasans erstes Attentat im Namen der Religion. Am Morgen des 16. Oktober 1092, wartete in einem kleinen Ort in Persien der Todesbote aus Alamut auf seine Chance - verkleidet als Bettler.

Der 80jährige Nizam al-Mulk ahnte nichts von der Gefahr. Der hohe Staatsdiener kam gerade von einer wichtigen Unterredung. Ein berühmter Mann, der sich Zeit seines Lebens um das Land verdient gemacht hatte. Ungehindert näherte sich der Unbekannte - unter dem Vorwand, dem Wesir eine Bittschrift auszuhändigen. Auf den ersten Blick ein unverdächtiges Gesuch. Mit den Worten: "Im Namen Allahs, nimm den Gruß von Hasan-e Sabbah!" war die Tat vollbracht. Der Mord machte den Anführer der Ismailis mit einem Schlag berühmt und gefürchtet. Angeblich wurden die Namen von Täter und Opfer in eine Ehrentafel eingemeißelt. Hunderte sollen es geworden sein. Nachweisen lässt sich jedoch nicht einmal ein Zehntel.

Antwort aus Alamut

Im südlich gelegenen Isfahan lebte damals eine große ismailische Gemeinde. Vor allem die unteren Schichten wie Handwerker und Tagelöhner, fühlten sich in der Gemeinschaft geborgen. Denn die Dai's halfen in allen Lebenslagen und setzten sich für die Belange der Gläubigen ein. Immer wieder kam es zu Pogromen, zu Übergriffen durch die Soldaten des Sultans. Die Splittergruppe wurde wegen ihrer rebellischen Haltung gegenüber der Regierung und ihrer eigenwilligen Auslegung des Koran verfolgt. In jener Zeit gingen viele Schriften in Flammen auf, ein unwiederbringlicher Verlust. Die Antwort auf die brutalen Aktionen kam aus Alamut. Das Vorgehen folgte stets dem gleichen Muster. Hasan sendete einen Fida'ii aus. Auf eine Reise ohne Wiederkehr.

Ein beliebter Tatort jener Tage waren die religiösen Zentren, insbesondere während des Freitagsgebets. Historisch verbürgt ist das Attentat in der Jame-Moschee von Isfahan. Im Jahr 1101 trifft es dort den obersten Mufti der Stadt. Der Angreifer setzte den Dolchstoß immer von vorne und nannte dabei den Auftraggeber: Hasan-e Sabbah.

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