Hass auf "die Österreicherin"

Marie Antoinette als Hure, Wölfin und "neue Medici"

Nach der Festnahme in Varennes stehen König und Königin als Staatsfeinde in Paris nun wieder unter Hausarrest.

In ihrer Verzweifelung schreibt Marie Antoinette heimlich Briefe an ihren Freund und Vertrauten, Hans Axel Graf von Fersen. Ein gefährliches Unterfangen. Seit dem Fluchtversuch der königlichen Familie steht der Graf auf der Liste der meist gesuchten Männer in Frankreich.

Zensierte Abschriften

Lange Zeit bleiben die Briefe verschollen. Erst 1877 veröffentlicht ein Nachfahre des Grafen zensierte Abschriften der Korrespondenz und vernichtet die Originale. In London dagegen stehen im Jahre 1982 im Auktionshaus Christies vier erhaltene Briefe der letzten Königin von Frankreich zur Versteigerung. Ganze Passagen sind gestrichen. Der Adressat: Graf Axel von Fersen. Die vier Briefe werden vom Pariser Nationalarchiv ersteigert. Hinter drei Tresortüren werden sie heute aufbewahrt.


Welche Botschaften sollten für immer verborgen bleiben? Waren es Staatsgeheimnisse? Oder Geheimnisse einer verbotenen Liebe? Beides wird behauptet. Beides ist nicht belegt. Die Art der Streichungen macht vor allem eines deutlich: Hier wurde professionell gehandelt. Die Untersuchungen eines forensischen Labors liefern vorerst aber jedoch noch kein Ergebnis über den Inhalt der Briefe.

Radikaler Revolutionär



Nur wenige Tage nach der gescheiterten Flucht betritt in Paris einer der schärfsten Gegner Marie Antoinettes die Bühne. Der Journalist und radikale Revolutionär Jaques-René Hébert. Seine Zeitung "Le Père Duchesne" ist ein gefürchtetes Mittel zur Beeinflussung der Massen. In seinen Pamphleten und Hasstiraden an die "Frau des Königs" ist Marie Antoinette nur noch die "österreichische Hure, die Wölfin, die neue Medici".

Das Volk fühlt sich durch den Fluchtversuch "der Österreicherin" und des Königs verraten und getäuscht. Ein Aufruf zur endgültigen Niederschlagung der Monarchie und der Ruf nach einer Republik werden lauter! In der vorwärtsschreitenden Revolution zieht sich der Kreis der Bedrohung um Ludwig XVI. immer enger. Ungeachtet des Volkszorns verabschiedet die Mehrzahl der gemäßigten Abgeordneten die neue Verfassung zu einer konstitutionellen Monarchie, zu einem demokratisch verfassten Staatswesen mit Ludwig XVI. an der Spitze.

Monarch unter Zugzwang

Ein vom Volk eingesetzter König soll den Alleinherrscher von Gottesgnaden ersetzen. Ein Monarch unter Zugzwang. Nie zuvor hat ein König sich in einer solchen Situation befunden. Am 14. September 1791 erkennt Ludwig XVI. mit einem Eid die neue Verfassung des revolutionären Frankreichs an und besiegelt damit gleichzeitig das Ende der absolutistischen Herrschaft.

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