Hatschepsuts treuer Gehilfe

Beamter mit Sonderrechten

In unmittelbarer Nachbarschaft von Hatschepsuts Tempelanlage sind Gräber in den Hügel gehauen. Im Schutt fanden sich die Fragmente eines wertvollen Sarkophags, wahrscheinlich in der königlichen Werkstatt geschaffen. Der Sarkophag war in 1200 Teile zerschlagen. Hergestellt wurde er einst für den Beamten Senenmut.

Spärliche Reste

Vor einer verwüsteten Grabkultkapelle lagen Mauerziegel. Ihre Stempel tragen Senenmuts unzählige Ehrentitel, so als Vermögensverwalter Hatschepsuts und ihr Kabinettschef. Ein so genannter "magischer Stein" trägt eine Inschrift mit einer Beschwörungsformel. Er spricht von den geheimnisvollen Mysterien, die der Vorsteher der Priesterschaft namens Senenmut, für den obersten Gott Amun vollzogen hat.


In der Grabkultkapelle sind alle Hinweise auf ihren Erbauer ausgelöscht. Nur noch spärliche Reste der ursprünglichen Ausschmückung sind an schwer zugänglichen Stellen erkennbar. Diejenigen, die die Anlage verwüsteten, haben ganze Arbeit geleistet. Die Namenskartuschen wurden hier ebenso säuberlich ausgemeißelt wie in Hatschepsuts Totentempel. Senenmuts Andenken sollte für die Nachwelt nicht erhalten bleiben.

An der Kapellenrückwand, dort, wo traditionell das Totenopfer für den Verstorbenen dargebracht wurde, klafft im Fels ein Loch. Die hier eingefügte Scheintür aus Quarzit befindet sich heute in Berlin. Ein Relief auf dieser Tür zeigt Senenmut zwischen seinen Eltern sitzend. Der Vater umarmt ihn und die Mutter reicht dem Sohn eine Lotusblüte. Nie hat er seine einfache Herkunft verleugnet, als er vom Priesterschüler unaufhaltsam zu den höchsten Staatsämtern aufsteigt. Aber wie kein Beamter zuvor rühmt er sich auf vielen Statuen seiner Leistung.

Verwitterte Reste

Über dem Tempelareal von Deir el-Bahari wollen Archäologen die verwitterten Reste einer Riesenstatue erkennen - in Form eines der von Senenmut erfundenen Würfelhocker. Zweifelsohne ein Sakrileg. Bei den Rekonstruktionsarbeiten stießen die Archäologen überall im inneren Tempelbereich auf Darstellungen von Senenmut. Sie waren an unzugänglichen Stellen geradezu versteckt. Trotzdem sind sie fast restlos zerstört worden. Hatte Senenmut sich hier heimlich verewigt - wie vielfach angenommen wird?

Am Rande des Totentempels lässt Senenmut einen langen Schacht in den Untergrund graben - der Zugang zu einem neuen Grab für sich. Der Weg führt weit unter den Tempelbereich. Damit schleicht sich der Emporkömmling unberechtigt in den Heiligen Bezirk ein. Musste dafür Entmachtung und Hinrichtung zwangsläufig die Strafe sein? Die Grabkammer überrascht mit einer Ausstattung, wie sie an diesem Platz nur einem Pharaonen zusteht - in ihrer künstlerischen Pracht ist sie selbst für einen verdienten Staatsdiener höchst ungewöhnlich. Überall ist die tiefe Verehrung für Hatschepsut sichtbar: Senenmut opfert ihrem Namen und lässt sie auch im Jenseits regieren. Von Senenmuts Mumie fehlt auch in diesem Grab jede Spur.

Astronomische Darstellung

Die Decke der Grabkammer schmückt eine so noch nie zuvor gesehene astronomische Darstellung. Es ist die älteste bekannte Illustration eines Kalenders der Mondmonate. Das Beispiel macht Schule: Viele Pharaonen werden ihre Gräber mit einem solchen Sternenhimmel schmücken. Die Planeten Venus, Jupiter und Saturn erscheinen als göttliche Wesen in Tiergestalt. Bis heute vertraute Sternsymbole tauchen auf: Stier, Skorpion und Schütze.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet