Hauptstadt am Abgrund

Ein tragisches Missverständnis löst die Katastrophe aus

Alarich und sein Schwager Athaulf waren auf dem Weg nach Ravenna, um mit Honorius den verabredeten Friedensvertrag zu schließen. Doch kurz vor der kaiserlichen Residenzstadt gerieten die Goten in einen Hinterhalt.

Rom wird geplündert (Spielszene) Quelle: ZDF

Initiator des heimtückischen Überfalls war General Sarus, ein Gote in weströmischen Diensten, der mit Alarich noch eine Rechnung offen hatte. Beide Männer entstammten rivalisierenden Familien des gotischen Adels. Sarus warf Alarich vor, ihn um seine Königswürde gebracht und seine Familie getötet zu haben.

Folgenreiches Scharmützel

Ohne Wissen von Kaiser Honorius wollte Sarus einen Friedensvertrag zwischen Römern und Goten verhindern, denn er ahnte: Bei einem neuen Bündnis der beiden Parteien würde er wegen seines alten Rivalen Macht einbüßen. Den mit äußerster Härte geführten Kampf konnte Alarich zwar für sich entscheiden und Sarus in die Flucht schlagen. Doch Sarus hatte zumindest einen Teil seiner Absichten realisiert.


Zutiefst getroffen durch den vermeintlichen Verrat des Kaisers, zog Alarich die falschen Schlüsse. Am 24. August des Jahres 410 ließ der Gotenkönig Rom einnehmen und gab es zur Plünderung frei. Angeblich hatten Bürger den Kämpfern ein Tor geöffnet haben - aus Furcht vor erneuter Belagerung und Hungersnot. So bekam das militärisch belanglose Scharmützel zwischen Sarus und Alarich weitreichende Folgen.

Fernes Ziel

Drei Tage lang hielten sich die Goten an allem schadlos, was nicht niet- und nagelfest war. Dabei kam es auch zu Morden und Vergewaltigungen. Galla Placidia, die Schwester von Kaiser Honorius hatte jedoch Glück. Dank Alarichs Schwager Athaulf blieb sie unangetastet. Tatsächlich nahm Athaulf die wertvolle Geisel persönlich förmlich in Gewahrsam. Für seine Krieger war dies ein erfolgreicher Feldzug, bei dem sie reichlich Beute machten. Alarich jedoch sah das anders.

Gotische Soldaten verlassen Rom (Spielszene) Quelle: ZDF

Das Ziel des Gotenkönigs war es gewesen, Sicherheit und Siedlungsland für sein Volk zu erlangen. Dies war nun in weite Ferne gerückt. Alarich wollte nun nach Nordafrika. In der fruchtbaren Provinz hoffte er, eine bessere Zukunft zu finden. So führte er die Goten nach Süditalien, doch Afrika blieb für sie unerreichbar. Nur vier Monate nach der Plünderung Roms starb der König. Der Sage nach wurde er im Bett des Busento bestattet, eines Flusses in Kalabrien, der eigens für die Zeit der Beisetzung umgeleitet worden sein soll. Bis heute ist Alarichs Grab nicht gefunden worden.

Athaulf und Galla (Spielszene) Quelle: ZDF

Untergang Westroms

Athaulf wurde neuer König der Goten. Er heiratete Galla Placidia und führte sein Volk schließlich nach Gallien. Dort fand es das sichere Siedlungsland, das Alarich so sehnlich gesucht hatte. Honorius blieb noch 13 Jahre lang weströmischer Kaiser. Er trat nie aus dem Schatten seiner Berater und Generäle und starb kinderlos im Jahr 423.

53 Jahre später setzte der germanische Heerführer Odoaker den letzten weströmischen Kaiser - Romulus Augustulus - ab und sandte dessen Machtinsignien dem oströmischen Kaiser nach Konstantinopel. Damit war das weströmische Reich untergegangen. Auf seinem Territorium entstanden mehrere Germanenreiche, deren wechselvolle Zukunft zum Teil im Reich Karls des Großen mündete, auf das sich die heutigen westeuropäischen Einigungspolitiker immer wieder berufen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet