Hauptstadt des Verbrechens

Mord und Totschlag an der Tagesordnung

Im 2. Jahrhundert nach Christus war das Römische Imperium auf dem Höhepunkt seiner Macht - und Rom die erste Millionenstadt der Welt. Kriminalität und Gewalt waren die Kehrseite einer ungeheuren Prachtentfaltung.

Die Hauptstadt des Reiches war auch die Hauptstadt des Verbrechens. Betrug, Mord und Totschlag waren an der Tagesordnung. Stadtkohorten sicherten die Straßen Roms und fahndeten nach Mördern, Einbrechern, Glückspielern und Wucherern - vor allem im Vergnügungsviertel von Rom.

Soziale Brennpunkte

Viele, die dort arbeiteten, wohnten im Armenviertel, einem der zahlreichen sozialen Brennpunkte. In der Nachbarschaft des lauten Unterhaltungszentrums gab es keine Paläste und Villen. Hier waren die Quartiere, aber auch weitere Arbeitsplätze der Armen Roms. In den Wirtschaftsgebäuden schufteten Hunderte von Sklaven und Arbeiter für wenige Reiche.

Wie stark Roms Geschichte mit dem Verbrechen verwoben ist, zeigt der Gründungsmythos: Am Tiber soll die Stadt laut der Legende 753 vor Christus gegründet worden sein. Zwei Nachkommen des Trojanerhelden Aeneas gelten als "Väter der Stadt": die Zwillinge Romulus und Remus. Sie waren im Säuglingsalter ausgesetzt und von einer Wölfin aufgezogen worden. Im Streit um den Bau der neuen Stadt erschlug Romulus seinen Bruder Remus - und gab der jungen Siedlung seinen Namen: Rom. Die Geschichte Roms begann also "ganz offiziell" mit einem Kapitalverbrechen.

Etruskisches Bauerndorf

Tatsächlich begann Rom als etruskisches Bauerndorf. Aus dem Dorf wurde eine Stadt, aus der Stadt die Hauptstadt eines riesigen Imperiums. Die Provinzen reichten von Brittannien bis Nordafrika, vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer. Überall, wo die Legionen ihren Fuß hinsetzten, errichteten römischen Baumeister prächtige Städte. Römischer Lebensstil wurde in alle Teile des Reiches exportiert. Und die Provinzen hielten mit ihren Tributzahlungen Rom am Leben.

Wie abhängig die Metropole von ihren Provinzen war, zeigen Grabungen, die seit mehr als zehn Jahren von Professor José Remesal von der Universität Barcelona auf dem Monte Testaccio durchgeführt werden. Der Monte Testaccio, der achte Hügel Roms, ist nichts anderes als ein gewaltiger Müllhaufen. Wo immer die Archäologen in die Tiefe graben, finden sie Scherben von Amphoren.

Forschen im Großstadtmüll

Schon in der Antike sorgten Einweg-Verpackungen für Probleme. Auf eine Höhe von insgesamt 45 Metern stapeln sich Millionen von Amphoren. Über mehrere Jahrhunderte wurden hier die Abfälle einer Konsumgesellschaft deponiert. Lange Zeit blieb der Großstadtmüll von der Forschung unbeachtet. Erst Remesal und seine Kollegen erkannten, welche wichtigen Informationen der Scherbenhaufen für das Verständnis der Milionenstadt Rom liefern kann.




Jetzt gilt es vor allem die Amphoren zusammen zu setzen und zu katalogisieren. Form der Gefäße und ihre Beschriftung verraten Remesal, wie viele Importe die Stadt zu einer bestimmten Zeit erreichten. Die meisten Amphoren enthielten Olivenöl aus der Provinz Hispania-Baetica, dem heutigen Andalusien.

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