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Hawaii: Feuerland im Nirgendwo

Tropisches Inselparadies voller Überraschungen

Rund 3700 Kilometer vom nächsten Festland entfernt liegen sie wie an einer Schnur aufgereihte Perlen mitten im Pazifik: die Hawaii-Inseln, geboren aus dem Feuer unterseeischer Vulkane. Dank ihrer klimatischen Besonderheiten bieten sie unzähligen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. Und auch wenn man es kaum glauben mag: Der höchste Berg der Erde erhebt sich auf Hawaii – wenn man der Sache auf den Grund geht.

Das gewaltige Felsmassiv des Mauna Kea ist der höchste Berg der Hawaii-Inseln. Seine wahre Größe erkennt man aber erst, wenn man sich das Wasser wegdenkt: Vom Meeresboden aus gemessen, ragt der Koloss über 9000 Meter in die Höhe. Damit ist der Mauna Kea höher als der Mount Everest. Auf dem Gipfel zeugen mehrere Schlackenkegel von der feurigen Vergangenheit des heute schlafenden Vulkans.

Vulkaninseln im Pazifik

Glühende Lava des Vulkans Kilauea fließt ins Meer
Lavastrom des Kilauea

Hawaii besteht aus rund 140 Inseln und Atollen, die ganz unterschiedliche Gesichter zeigen. Diese Vielfalt hat die Tier- und Pflanzenwelt geprägt. Die acht Hauptinseln – sechs davon erschlossen und besiedelt – ballen sich am Südende einer insgesamt 2500 Kilometer langen Kette. Wie sind sie entstanden, mitten im Pazifik, fernab von allen Kontinenten? Ein hawaiianischer Mythos beschreibt es so: Einst kam die Vulkangöttin Pele von weither übers Meer, um ihr Feuer auf der nördlichsten Hauptinsel zu entzünden. Aber ihre missgünstige Schwester, die Göttin des Meeres, löschte die Flammen wieder. Pele türmte auf der nächsten Insel einen Feuerberg auf, doch wieder wurde die Glut von den Wellen erstickt, ebenso auf dem übernächsten Eiland. Schließlich erreichte sie die südlichste Insel. Hier, am Vulkan Kilauea, konnten die Wogen ihr Feuer nicht mehr erreichen. Und so kommt es, dass Pele bis zum heutigen Tag von dort ihre Lava herabschickt.

Magmakammer lässt eine Vulkankette entstehen (Animation)
Vulkane türmen sich auf und wandern mit der Pazifikplatte nach Nordwesten.

Der Mythos von der Vulkangöttin Pele ist gar nicht so weit entfernt von der naturwissenschaftlichen Theorie: Die rotglühende Lava, die auf Big Island ins Meer strömt, ist aufgrund ihrer besonderen Zusammensetzung sehr dünnflüssig. Sie enthält wenig Material aus der Erdkruste, aber viel mehr aus dem darunterliegenden Erdmantel – ein Hinweis auf einen Hotspot, eine riesige Magmakammer unter Hawaii. Wie ein Schneidbrenner hat dieser Hotspot die Pazifische Platte, auf der Hawaii liegt, aufgeschmolzen. Weil die Platte über den Hotspot hinwegdriftet, hat er dabei eine Brennspur hinterlassen. Dort stieg aus dem Erdmantel Magma nach oben, Vulkane türmten sich auf und wuchsen über die Meeresoberfläche hinaus. Sie wanderten mit der Pazifikplatte Richtung Nordwesten. Etwa eine Million Jahre später brachte der Hotspot eine neue Insel hervor. So wächst die Kette an ihrem Südende heute noch ständig weiter. Big Island mit seinen fünf Vulkanen – darunter der schlafende Mauna Kea und der aktive Kilauea, einer der aktivsten Vulkane der Welt – ist die südlichste und zugleich die jüngste Insel. Die alte Geschichte hat also einen wahren Kern: Pele thront über der südlichsten Spitze des Archipels.

Leben in elf Klimazonen

Der außergewöhnliche Artenreichtum des Archipels hängt mit seiner besonderen, isolierten Lage mitten im Pazifik zusammen: Die Hawaiianischen Inseln befinden sich in der Passatwindzone. Sie bilden für den Nordostpassat eine über 500 Kilometer breite Barriere. Der Passat weht Tausende von Kilometer über das offene Meer und nimmt dabei viel Feuchtigkeit auf. Auf den Inseln zwingen hohe Berge die feuchte Luft aufzusteigen. Der Wasserdampf kondensiert zu Tröpfchen, und die so entstandenen Wolken regnen auf der windzugewandten Seite ab. Die windabgewandte Seite bleibt trocken.

Aufgrund der großen Niederschlags- und Höhenunterschiede weisen die Inseln elf verschiedene Klimazonen auf. Es gibt feuchte bis hin zu wüstenhaften Regionen, und je nach Höhenlage können die Temperaturen tropisch oder auch frostig sein. Tiere und Pflanzen haben sich auf bestimmte Lebensräume spezialisiert. Deshalb ist Hawaiis Natur so artenreich.

Der üppige Regen speist zahlreiche Bäche und Flüsse. Obwohl das Lavagestein hart ist, fräsen sie sich allmählich immer tiefer in den Fels. Sie schleifen kühnste Formen aus dem Gestein und schneiden tiefe Täler hinein. In der Abgeschiedenheit dieser Täler haben sich endemische Arten entwickelt – Tiere, die es nur hier gibt und nirgendwo sonst. Forscher halten diese Täler – Inseln innerhalb der Inseln – für Keimzellen der Evolution. Das berühmteste Beispiel sind die Kleidervögel. Sie stammen von Finken ab, die vom Sturm nach Hawaii verfrachtet wurden. Aus einer einzigen Finkenart entwickelten sich 56 verschiedene: Die einen picken Insekten aus der Rinde, die anderen fressen Früchte, wieder andere trinken Nektar. Sie besitzen lange Schnäbel, um an den süßen Saft am Blütengrund zu gelangen. So hat jede Finkenart ihre ökologische Nische gefunden. Platz ist für sie alle auf den Vulkaninseln mitten im Pazifik.

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