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Hedonistisches Treiben in Florenz

Mit düsteren Prophezeiungen kämpft ein Mönch gegen den Werteverfall

Italien ist im 15. Jahrhundert ein zerrissenes Land. Fünf einflussreiche Stadtstaaten und zahllose kleine Herrscher liegen miteinander in ständiger Fehde. Wechselnde Bündnisse und unerbittlich geführter Krieg bestimmen die Zeit.

Savonarola erlebt den Aufstieg von Florenz in den Rang einer Großmacht. Vom Palazzo der Medici aus dirigiert ein mächtiger und kunstsinniger Familienclan den ersten modernen Staat der Welt.

Wiedergeburt der Antike

In Florenz geht die Herrschaft nicht mehr vom Adel, sondern vom Geld aus. Als Pate von Florenz unterwirft Lorenzo di Medici, genannt der Prächtige, die Stadt seinen Geschäften und seinem exquisiten Geschmack. Ihm dienen die größten Künstler der Welt: Michelangelo, Leonardo da Vinci und Botticelli. Sandro Botticellis berühmte "Geburt der Venus" ist ein unerreichtes Sinnbild für eine Welt, die wir bis heute Renaissance nennen - die Wiedergeburt der Antike. Das Gemälde zeigt einen individuellen Menschen, der Gott nicht fürchtet, sondern sein Ebenbild ist.

Schillernde Gestalt

Dieser frühlingshaften Leichtigkeit steht die schneidende Kälte von Savonarolas Klosterwelt unversöhnlich gegenüber. Im eisigen Winter des Jahres 1482 bricht Savonarola aus seinem Heimatkloster zu einer langen Reise auf. Sein Ziel ist Florenz. Er will die Missstände der Welt dort bekämpfen, wo er die Wurzel des Bösen erblickt. Ein einzelner Mönch tritt gegen eine ganze Ära an.


Der Historiker Siegfried Quandt untersucht den außergewöhnlichen Werdegang einer der faszinierendsten und schillerndsten Gestalten der Weltgeschichte.




Schreckliche Prophezeiung

Florenz ist berühmt und berüchtigt für den Karneval. Hier werden die Extreme der Zeit auf die Spitze getrieben. Sexorgien und Gewaltrausch - alles ist erlaubt. Weder Kirche noch Obrigkeit gebieten den Exzessen Einhalt. Savonarola wagt sich mitten hinein in die enthemmte Menschenmenge. Mit Worten wie Donnerschlägen droht er den Feiernden furchtbare Strafen an. Chaos und Kriege werden über Italien hereinbrechen, prophezeit er. Die Welt sieht er in den Abgrund taumeln.


Am härtesten werde es die Mächtigen treffen, die seine Warnungen in den Wind schlagen. Der Weltbrand steht für ihn unmittelbar bevor. Alle würden vom Unglück zermalmt. Der Dom von Florenz wird für Savonarola zur Bühne, von wo er dem unumschränkten Herrscher der Stadt ein schreckliches Ende prophezeit: "Bevor dieses Jahr zu Ende geht, wirst du, Lorenzo di Medici, der Florenz in ein Bordell verwandelt hast, vor Gottes Richterstuhl gerufen werden! Das prophezeie ich. Ich - Savonarola!"

In der Bibliothek von Siena findet die Historikerin Ludovica Sebregondi das verschollene Tagebuch eines Apothekers. Es handelt sich um den einzigen wahrheitsgetreuen Augenzeugenbericht der Ereignisse um Savonarola. Die akribisch verfasste Chronik beweist die ungeheure Präsenz des dämonischen Predigers.





Unglaubliche Nachricht

Am 5. April 1492 bricht in einer gespenstischen Vollmondnacht ein Gewitter über Florenz herein. In der Stadt verbreitet sich eine unglaubliche Nachricht: Lorenzo der Prächtige liegt im Sterben. In diesem Moment treffen Blitze die Kuppel des Doms. Das berühmteste Bauwerk der Renaissance brennt lichterloh. Savonarolas Prophezeiung ist Wirklichkeit geworden. Einen Tag später ist der Pate der Medici tot.


Der düstere Mönch wagt eine zweite Vorhersage: Noch in diesem Jahr werde auch der Papst sterben. Unheimlich, aber wahr: An einem brütend heißen Julitag, nur drei Monate später, stirbt in Rom der Papst.

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