Heiligtum oder Observatorium

ZDF Expedition: Terra X - Babylon Tower

Schon in der Antike verkörperten große Bauwerke die Macht des jeweiligen Stadt- oder Reichsgottes. Nutzten Priester die Türme auch als Observatorien?

Die Zikkurrat von Babylon war der größte und jüngste, aber nicht der einzige Tempelturm in Mesopotamien. Wie Perlen an der Schnur reihten sich die heiligen Bauten entlang der beiden großen Ströme Euphrat und Tigris. Begonnen hatte diese Tradition im Süden des Landes - bei den Sumerern. Schon vor rund 7.000 Jahren legten sie in Eridu die erste, nur einen Meter hohe Terrasse an. Im Lauf der Zeit wurden die Türme immer höher.

König Urnammu zog etwa 2.000 vor Christus um seine Zikkurrat in Ur zum ersten Mal einen massiven Backsteinmantel und schmückte das Heiligtum mit einer monumentalen Freitreppenanlage. Urnammu erhob Bauen zum politischen Programm - eine Demonstration der Macht für den jeweiligen Stadt- oder Reichsgott und natürlich auch für den Herrscher.

Sitte der Heiligen Hochzeit

Welche Funktion eine Zikkurrat genau hatte, überliefern die Keilschrifttexte nicht. Aus einer späten babylonischen Quelle wissen wir, dass auf dem Dach den höchsten Göttern geopfert wurde. Nur noch der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet im 5. Jahrhundert vor Christus über den Tempel auf der Spitze: "Darin steht ein breites Ruhebett mit schönen Decken. Aber kein Götterbild ist dort errichtet, und kein Mensch verbringt dort eine Nacht, außer einer Frau aus Babylon. Sie hat sich der Gott vor allen auserwählt". Vermutlich spielt er damit auf die Sitte der Heiligen Hochzeit beim alljährlichen Neujahrsfest zu Ehren Marduks an - der Vereinigung des Königs mit einer Priesterin als Symbol für die Erneuerung der Natur.

Dass die Tempeltürme den Priestern auch als Observatorium dienten, daran glauben viele Forscher. Denn diese Bauten waren die höchsten Erhebungen in dem Land, das so eben wie eine Tischplatte ist.

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