Heilkraft im Labor

Forschen mit Hindernissen

Pflanzen, die den Biologen und Botaniker Michael Heinrich interessieren, will und darf er nicht ohne Genehmigung zu Untersuchungszwecken in sein Labor nach London schicken. Die Ursprungsländer und vor allem Umweltorganisationen fürchten Biopiraterie, die Ausbeutung ihrer Ressourcen.

Sie haben die - nicht unberechtigte - Sorge, dass große Pharmaunternehmen aus ihren Pflanzen Wirkstoffe isolieren und aus den Schätzen ihrer Artenvielfalt Profit schlagen.

Schwierige Situation

Viele Länder verfügen nicht über genügend Kapital und Personal zur Analyse ihrer zigtausend einheimischen Heilpflanzen, und wer hat Anspruch auf das Patent? Die indigenen Gruppen, die Heiler, die Staaten? Oder sollte derartiges Wissen nicht universeller Besitz aller Menschen sein?

Prozess für De Landa

Unter Einhaltung der Auflagen hat Heinrich einige Pflanzen, phytochemisch-pharmakologisch auf ihre Inhaltsstoffe hin untersucht. Das Ergebnis: Viele der Heilpflanzen aus Mexiko beinhalten Wirkstoffe, die die von den Einheimischen erwarteten Wirkungen auslösen. Antibakterielle und antientzündliche Wirkstoffe sind im Labor isoliert worden. Die Früchte der Kaulotte helfen sogar gegen Cholera und die Nanche wirkt deutlich entzündungshemmend: sanfte Medizin. Aber es gibt auch Heilpflanzen vor denen gewarnt werden muss. Es kommt immer auf die Dosierung an. Einige der Pflanzen können schon bei geringster Überdosierung den Tod bringen.


Auch ohne Hightech kannten die Maya vermutlich schon vor Jahrhunderten die erstaunliche Heilwirkung mancher Pflanze. Sie wussten das grüne Gold ihres Regenwaldes zu schätzen, anders als die Europäer. Wenn es schriftliche Überlieferungen gab, dann sind sie in De Landas Feuer von Mani oder an anderen Orten verbrannt. Eine Schandtat, die schon im 16. Jahrhundert erkannt wurde. De Landa wurde angeklagt. Man rief ihn nach Spanien zurück. Während er auf seinen Prozess wartete, wurde ihm klar, dass er wertvolles Wissen vernichtet hatte. Zu seiner Verteidigung schrieb er einen Bericht. Über Jahrhunderte blieben auch diese Aufzeichnungen verschollen.

Erst 1862 wird in Madrid eine Abschrift wieder entdeckt. Darin finden sich zwar Hinweise auf das Heilwissen der Maya. Doch die Pflanzen sind nicht wissenschaftlich korrekt gezeichnet. In anderen Regionen Mexikos waren Mönche sorgfältiger bemüht, das Wissen der indianischen Völker zu bewahren. Sie zeichneten schon im 16. Jahrhundert genaue farbige Pflanzendarstellungen.

Erste Ergebnisse

Informationen über 900 gebräuchliche Heilpflanzen haben Michael Heinrich und seine Mitarbeiter in Mexiko bisher erfassen können. Nach und nach sind sie dabei, die Pflanzen zu analysieren. Es wird noch viele Anstrengungen der Forscher kosten, bis alle auf ihre Wirksamkeit hin untersucht sind. Erste Ergebnisse beweisen, dass die Heilkunst der Maya der Überprüfung durch wissenschaftliche Methoden standhält.

Die Heilkraft der Nanche lässt sich im Labor belegen. Vieles spricht dafür, dass sie eine jener Pflanzen ist, die von den Ärzten der Maya-Könige eingesetzt wurden. Erstaunlicherweise kannten sie nicht nur die Maya, sondern auch andere frühe Kulturen Mittelamerikas. Wie wendeten die Maya und andere Völker ihr Arzneipflanzen an? Das ist nur eine der vielen Fragen, welche die Mayaforscher zu beantworten haben. Noch liegt das verschollene Heilwissen der Maya weitgehend im Verborgenen.


Die Priesterärzte der Gottkönige wussten ihre Dschungelapotheke zu nutzen. Heilwissen, das Jahrhunderte verschollen war. Heute versuchen Forscher das verlorene Wissen wieder zu rekonstruieren. Es ist noch ein langer Weg von der Analyse zum für uns alle verfügbaren Medikament.

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