Heilsbringer in Jerusalem

Der "Sohn Gottes" wirkt im römisch besetzten Palästina

Erst um das Jahr 28 lichtet sich das Dunkel um den Galiläer wieder. Mit seiner Taufe im Jordan durch Johannes setzen die Evangelisten die Heilsgeschichte fort. Fortan ist Jesus der auserwählte Sohn Gottes.

Um sich auf seine große Aufgabe vorzubereiten, zieht der Gesegnete für 40 Tage in die Wüste. Ein Ereignis mit weit reichenden Folgen. Es ist eine Zeit, in der Krisen und Terror das Land erschütterten.

Verfall der Sitten

Palästina stöhnte unter der Besatzung der Römer. Die griechisch-römische Zivilisation bestimmte den Alltag, die jüdischen Gesetze fanden kaum noch Beachtung. Die reiche Oberschicht übernahm die fremde Kultur. Der Marionettenkönig Herodes Antipas arrangierte sich mit den Machthabern vom Tiber und sah dem Verfall der Sitten tatenlos zu. In Jerusalem wurden Leute auf offener Straße erstochen. Es herrschte Chaos.

Streng gläubige Gruppen wie die Essener wanderten aus Protest gegen das schändliche Treiben in die Einöde und lebten dort in Abkehr von weltlichen Einflüssen. Unzählige selbsternannte Propheten pilgerten durch die Region und riefen zu Reue und Buße auf. Eindringlich warnten sie vor dem endzeitlichen Strafgericht Gottes.

Erster öffentlicher Auftritt

Die Menschen rechneten mit dem Schlimmsten. Sie warteten sehnlichst auf den Messias, den das Alte Testament versprach. Und genau in jenen unruhigen Tagen betritt Jesus die Bühne. Wissenschaftler vermuten, dass er im Alter von etwa zweiunddreißig Jahren zum ersten Mal am See Genezareth öffentlich auftrat. "Kehrt um, denn das Himmelreich ist nah," soll er verkündet haben. Besonders seine Predigten in der Synagoge von Kapernaum wühlen die Zuhörer auf. Denn er spricht so, als wisse er mehr als die Schriftgelehrten.

Jesus macht das Fischerdorf zum Stützpunkt für seine Mission und teilt das Leben der Armen. Die Grundrisse der Häuser belegen, die Menschen wohnten auf engstem Raum. Ein Dasein voller Arbeit und Entbehrungen. Wer die hohen Abgaben an den Tempel in Jerusalem, die lokalen Eliten und die Römer nicht bezahlen kann, gerät in Schuldsklaverei. Ein Kampf ums Überleben.

"Folget mir nach!"

Aus dieser Bevölkerungsschicht sucht sich Jesus seine Gefährten. "Folget mir nach!" sagt er. Und sie lassen alles stehen und liegen und gehen mit ihm. Die Familien bleiben zurück. Denn die Männer sind überzeugt, dass die neue Lichtgestalt ihrem Elend ein Ende setzen wird.

Die Notlage der Menschen - eine Voraussetzung für den Erfolg von Jesus. Durch Wundertaten untermauert er seinen göttlichen Auftrag. So verwandelt er Wasser in Wein, erweckt Lazarus und andere Tote zu neuem Leben und heilt Blinde, Lahme und Aussätzige. Er gebietet den Naturgewalten, indem er einen schweren Seesturm stillt. Und er vermag, übers Wasser zu wandeln.

Vermehrungswunder

Selbst Dämonen kann der Sohn Gottes austreiben. Maria Magdalena befreit er von sieben unreinen Geistern, schildert das Neue Testament. Zwei Fische und fünf Brote soll er am See Genezareth allein durch Gebete vermehrt haben. Die fünftausend Anhänger, die ihm gefolgt sind, werden ausnahmslos satt. Ein Vermehrungswunder, wie es nur Magiern zugesprochen wird.

Der Wanderprediger besaß sicher eine besondere Ausstrahlung. Nur so ist zu erklären, dass er so viele Menschen in knapp anderthalb Jahren begeistern konnte. Zum festen Kreis gehörten zwischen siebzig und hundert Männer und einige Frauen. Seine Ansprachen enthalten Sprengstoff. Jesus lehnt Besitz und Titel ab, rügt die Reichen und Priester, verheißt den Armen das Himmelreich und stellt die Nächstenliebe in den Mittelpunkt seiner Lehre.

Der Anfang vom Ende

In Jerusalem jagt er Händler und Geldwechsler aus dem Vorhof des Tempels. Eine Ungeheuerlichkeit, die Unruhe stiftet und die jüdische Elite ebenso provoziert wie die römischen Machthaber. Der Anfang vom Ende. Mit seinen zwölf Jüngern feiert er ein letztes gemeinsames Mahl. Kurz darauf wird er festgenommen. Und zwar wegen schwerwiegender politischer Vergehen. Die Anklage lautet auf Widerstand und Aufruhr gegen Rom. Ein Kapitalverbrechen, auf das die höchste Strafe der Antike stand: Tod durch Kreuzigung.

Die Darstellung in der Bibel, nach der die Juden selbst den Tod Jesu forderten, entspricht nicht den Tatsachen. Der römische Statthalter wusch seine Hände keineswegs in Unschuld. Vielmehr sind die Brutalität und der Antisemitismus des Pontius Pilatus historisch belegt. Wegen Grausamkeit im Dienst wird er im Jahr 36 strafversetzt. Das Urteil über Jesus hat er zu verantworten.

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