Heimat der Vulkane

Naturgewalten herrschen über die japanischen Inseln

Kein anderer Staat der Welt besitzt eine höhere Dichte an Vulkanen: In Japan gibt es 265 Feuerberge, von denen über 100 aktiv sind. Mehr als 6.800 Inseln haben ihre Existenz den Urkräften im Innern der Erde zu verdanken. Das Risiko eines verheerenden Ausbruchs ist hoch. Jederzeit kann in den zahlreichen Schloten glühende Lava aufsteigen und Leben vernichten. Nahezu täglich sind kleinere Erdbeben und vulkanische Eruptionen zu verzeichnen.

Vulkane unter Druck

Vulkankrater mit weißen Rauchschwaden
Vulkankrater mit weißen Rauchschwaden Quelle: ZDF

Der Mount Aso auf der südlichsten Hauptinsel Kyushu ist einer der aktivsten Vulkane Japans. Alle paar Jahre spuckt er Lava aus, aber auch zwischen diesen Ausbrüchen kommt er nie ganz zur Ruhe - ständig rumort und donnert es in seinem Inneren. Die Luft in seiner Umgebung enthält viel Schwefeldioxid. Wenn ein bestimmter Grenzwert überschritten wird, gibt es in der Vulkanregion Giftgasalarm. Dann ist in der Kraterregion eine Atemschutzmaske lebensnotwendig. Unter der Caldera des Aso befindet sich ein gewaltiges Magmasystem voll von geschmolzenem Gestein: Hier entsteht Druck, der normalerweise nach oben entweicht wie durch ein Ventil. Gefährlich wird es, wenn dieses "Vulkanventil" verstopft. Dann steigt der Druck so lange, bis irgendwann der ganze Berg explodiert.

    Von einer Caldera (spanisch für "Kessel") spricht man, wenn der Vulkan eine kesselförmige Struktur mit einem Durchmesser von mindestens 1,6 Kilometer besitzt. Sie kann auf zweierlei Arten entstehen: entweder wie ein Sprengtrichter durch eine explosive Eruption oder durch den Kollaps (Einsturz) oberflächennaher Magmakammern, die sich bei einem Ausbruch entleert haben.

Leben mit der Bedrohung

Genau das passierte 1990 ganz in der Nachbarschaft: Nach fast 200 Jahren Ruhe wurde der Berg Unzen durch einen Vulkanausbruch gesprengt.Tausende pyroklastischer Ströme - Lawinen aus heißer Asche und Luft - rasten mit Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometer die Hänge des Vulkans hinab. 41 Menschen kamen ums Leben.

Mit den Gefahren der Naturgewalten sind Japaner seit jeher vertraut. Sie beschwören mit traditionellen Ritualen die zerstörerischen Kräfte. Natürlich kommen auch moderne Methoden zum Einsatz: Dank eines funktionierenden Frühwarnsystems und mehrerer Katastrophenübungen im Jahr ist die Bevölkerung in der Lage, sich auf einen akuten oder bevorstehenden Ausbruch einzustellen. Inzwischen erkennen Forscher in den Eruptionen gewisse Muster. Das Ziel ist, aus dem Verhalten von Vulkanen auf ihr Innenleben zu schließen und Ausbrüche künftig vorauszusagen.

Japan verdankt seine Existenz dem Vulkanismus - er hob eine von Inselkette über 4.000 Kilometer Länge aus dem Meer, die sich von der kalt-gemäßigten Klimazone bis hinunter zum 20. Breitengrad, in die Subtropen, erstreckt. Dort, im Süden, haben karibische Bedingungen eine Landschaft mit Korallenriffen und Sandstränden entstehen lassen. Weiter nördlich sind die Berghänge von ausgedehnten Mischwäldern bedeckt.

Spezialisten für Kälte

Schneebedeckter Gebirgszug
Schneebedeckter Gebirgszug Quelle: ZDF

Die Inseln im Norden werden von langen, strengen Wintern bestimmt. Hier ist die Landschaft bis zu fünf Monate lang schneebedeckt, die Temperaturen sinken dann auf minus 15 Grad Celsius. Dieser Eiseskälte trotzen Bewohner, die man dort nicht erwarten würde: Makaken. Keine andere Primatenart, mit Ausnahme des Menschen, lebt so weit nördlich. Ihre Verwandten haben sich in viel wärmeren Gegenden ausgebreitet. Dass die Affen in der unwirtlichen Gegend so verbreitet sind, hat seinen Ursprung in der Eiszeit vor etwa 500.000 Jahren. Damals verband eine Landbrücke die koreanische Halbinsel mit der japanischen Insel Kyushu. Die Makaken nutzten diese Brücke und eroberten so neuen Lebensraum.

Ein Japanmakake sitzt auf einem Ast und frisst Rinde
Japanmakake mit Ast Quelle: ZDF

Im Lauf der Jahrtausende passten sich die Japanmakaken der Kälte in der neuen Heimat an. Von Generation zu Generation wurden sie größer und kompakter, ihr Fell wurde dichter. Von den einst langen Schwänzen blieb nur ein Stummel. So verlieren sie weniger Körperwärme. Und noch eine Veränderung war entscheidend: Die Japanmakaken haben ein viel breiteres Nahrungsspektrum als ihre Verwandten in wärmeren Regionen. Ihr Verdauungssystem kann fast alles verwerten, was die Natur ihnen bietet - die Voraussetzung, um mit einem ordentlichen Fettpolster in den nächsten Winter zu gehen. Denn in den Wintermonaten verlieren sie fast ein Fünftel ihres Gewichts.

Überwintern - aber clever

Um der Kälte zu trotzen, hat eine Sippe der Japanmakaken eine besondere Strategie entwickelt, die sich die Bedingungen der Umgebung zunutze macht. Es begann 1963, als das Affenweibchen Mukubili in einer heißen Quelle eine Sojabohne entdeckte. Diesen Snack wollte es sich nicht entgehen lassen und stieg in das 43 Grad heiße Wasser einer Quelle. Die anderen Tiere beobachteten das Weibchen, erkannten den Vorteil, der sich aus seinem Verhalten ergab, und imitierten es. Schließlich gaben sie das Erlernte an die folgende Generation weiter.

Japanmakaken beim Baden in der heißen Quelle
Japanmakaken baden in Pool Quelle: ZDF

Vorteile ihrer Umgebung erkennen, nutzen und weitergeben - diese Fähigkeiten zeichnen die außergewöhnlich intelligenten Japanmakaken aus. Kaum eine andere Art ist so anpassungsfähig. Die heißen Quellen sind inzwischen zum Treffpunkt der Makakensippe geworden. Schon in der siebten Generation kommen die Tiere hierher. Sie profitieren von dem vulkanischen Feuer, das den Pool ganzjährig heizt. Denn noch immer brodeln unter der Erdkruste die Urkräfte, die Japan geformt haben.

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