Heinrich als Oberhaupt der englischen Kirche

Lordkanzler Morus lehnt ab und wird hingerichtet

Anne Boleyn wird bald ein Kind zur Welt bringen. Damit es rechtmäßiger Thronfolger werden kann, muss Heinrichs Ehe mit Anne legalisiert werden.

Das geht nur durch eine Trennung von Rom und die Verabschiedung von Gesetzen, die Heinrich zum Oberhaupt der Kirche Englands und zum obersten Richter machen.

Den Papst entmachtet

Eine unabhängige Staatskirche Englands wäre eine Revolution. Die Mitglieder des Rats sind besorgt: Sollen sie einem Gesetz zustimmen, das dem König in jedem Verfahren das letzte Wort lässt? Sich mit den englischen Geistlichen anlegen, mit dem Papst und Kaiser Karl, der schon mit Kriegsabsichten Richtung England blickt? Heinrich duldet keinen Widerspruch. Die Gesetze werden verabschiedet. Der Papst ist entmachtet. Jetzt ist Heinrich Oberhaupt der Kirche in England - und damit Begründer der anglikanischen Kirche. Endlich kann die Ehe mit Katharina annulliert und Anne zur Königin gekrönt werden.

Mit einem aber hat Heinrich nicht gerechnet: Dass Morus es wagen würde, sich ihm entgegenzustellen. Er weigert sich, Heinrich als Oberhaupt der Kirche anzuerkennen und tritt von seinem Amt zurück: "Es gibt Fälle, in denen ich nicht dem König Gehorsam schulde, sondern Gott."

Wieder kein Sohn

Im November 1533 richtet sich alle Aufmerksamkeit auf die Vorgänge im königlichen Palast: Die Königin hat ein gesundes Kind zur Welt gebracht. Allerdings ist es wieder kein Junge, sondern ein Mädchen. Anne ist verzweifelt. Sie kann nicht ahnen, dass ihre Tochter Elisabeth einst die größte Königin Englands sein wird. Wie so oft ist Heinrich auf der Jagd, als ihn die Nachricht erreicht, dass seine Frau niedergekommen ist. Er lässt die Jagd abbrechen. Er kann es nicht erwarten, seinen Thronfolger in Augenschein zu nehmen.
Jahrelang hatte er für die Legitimität seiner neuen Ehe gekämpft; Krieg, Exkommunikation und den Unwillen seines Volkes riskiert, einzig und allein, um einen Sohn als rechtmäßigen Thronfolger zu zeugen. Doch was erwartet ihn: eine Tochter. Er kann seine Enttäuschung nicht verbergen. Seinen Feinden wird die Geburt einer Tochter als Gottesurteil gegen seine Politik der letzten Jahre gelten. Was für eine Schmach! Er bringt es nicht einmal über sich, zur Taufe seiner Tochter zu erscheinen.

Schwur auf Königin und Oberhaupt

Wie sehr man davon überzeugt war, dass ein Prinz geboren würde, zeigt ein Rundschreiben, das anlässlich der Geburt vorbereitet worden war. Das genaue Datum des Ereignisses ist noch offen gelassen. Dass ein Sohn erwartet wurde, stand allerdings fest - denn hinter dem Wort "Prinz" war keine Lücke gelassen für das "s", das man nachträglich einfügen musste - denn das Kind war nun mal kein Prinz, sondern eine Prinzessin.
In Rom wird die Akte Heinrich nach sieben Jahren geschlossen. Das endgültige Urteil des päpstlichen Gerichts: Die Ehe des englischen Königs mit Katharina bleibt gültig. Ein Sieg für den Papst und Katharina. Doch für Heinrich gibt es kein Zurück mehr: Anne bleibt seine Königin und er wird Oberhaupt der englischen Kirche. Darauf lässt er jeden über vierzehn einen Schwur leisten: den Suprematseid. Morus lehnt diesen aber ab, wird daraufhin zum Hochverräter erklärt und im Tower eingekerkert.

Enteignung der Kirchen und Klöster

Obwohl er seine Frau und vier Kinder in großer Unsicherheit zurücklässt - entschließt sich Morus, seinem Gewissen zu folgen, das es ihm als Katholiken unmöglich macht, Heinrich über den Papst zu stellen. Mehrfach wird er von seiner Familie und den Richtern gedrängt, doch noch den Schwur zu leisten, der ihm das Leben retten könnte. Noch in vollem Bewusstsein, als Märtyrer für seinen Glauben zu sterben, erwartet Morus sein Ende. "Ich habe mehr Angst vor Schmerz und Tod, als es sich für einen gläubigen Christen gehört", schreibt er aus seiner Gefängniszelle.
Nach einem Jahr Haft im Tower wird Thomas Morus am 6. Juli 1535 zu seiner Hinrichtung abgeholt: Sein Kopf wird auf einem Pfahl auf der London Bridge ausgestellt. Die Hinrichtung von Morus ist erst der Auftakt zu der radikalsten Maßnahme Heinrichs VIII.: der Enteignung der Kirchen und Klöster. Über Jahrhunderte hatten sie unermessliche Reichtümer angehäuft und immer mehr Grund und Boden erworben. Als Oberhaupt der anglikanischen Kirche beschließt Heinrich nun, ihre Besitztümer zu konfiszieren. Damit will er seine Staatskasse sanieren und sich durch großzügige Geschenke die Treue des Adels erkaufen. Alle Klöster werden aufgelöst, Mönche und Nonnen vertrieben.

Die Zerstörung der Klöster zieht sich über Jahre hin. Dabei kommt es zu schrecklichen Exzessen. 1540 ist das letzte Ordenshaus Englands geschlossen. Die größte Eigentumsverschiebung der englischen Neuzeit war beendet. Doch nichts konnte die jahrhundertealte Architektur und die Kunstschätze ersetzen, die zerstört waren - aus einem kurzfristigen finanziellen Gewinn für den König und den Adel wurde ein bleibender Verlust für das Land.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet