Heinrich Barth am Ziel

Abweisender Empfang in Timbuktu

Endlich erreicht Barth sein Ziel. Am 7. September 1853 zieht er in der einst so gerühmten "Goldenen Stadt" Timbuktu ein. Reichtümer im Überfluss soll sie beherbergen - ein Hort auch des Wissens und der Gelehrsamkeit.

Timbuktu ist ein idealer Ort für einen Mann der Forschung. Doch die Einwohner begegnen ihm abweisend. Man hat seine Verkleidung als islamischer Wunderheiler längst durchschaut. Nach Wochen des Wartens wird Barth als Gast in das Haus der einflussreichen Familie el-Bakay aufgenommen. Der erschöpfte Reisende hofft hier einen ruhigen Platz für Erholung und Studien gefunden zu haben.

Intirigen und Hass

In Timbuktu scheint ihn sein Schicksal zu ereilen. Der Deutsche ist zum Spielball politischer Parteienkämpfe geworden. Beim Gebet treffen sich die Gegner in der alten Moschee. Unter dem Vorwand religiöser Gebote spinnen sie Intrigen und Fanatiker schüren Hass. Barth flüchtet in seine Arbeit und erforscht die Geschichte der Stadt. Ihre Universität war einst Zentrum islamischer Kultur und Weisheit. Heute lagern die Schätze der glorreichen Vergangenheit in der Bibliothek Ahmed-Baba. Wertvolle Schriften, die im trockenen Klima von Timbuktu die Jahrhunderte glücklich überstanden haben, werden hier konserviert. Aus den alten Chroniken rekonstruierte Barth die historischen Fakten: Vor langer Zeit erlebte Timbuktu wirklich ein goldenes Zeitalter.

In der Bibliothek Ahmed-Baba, rund 150 Jahre später: Der Archivar begibt sich auf die Suche nach seinem ganzen Stolz: die Originalkorrespondenz zum Fall Barth. Aus Hamdallaye, der Hauptstadt des Nachbarlandes Massina, schickte ein radikaler Fulbe-Fürst Drohbriefe mit der Aufforderung, den Christen zu töten. Barths Gastgeber Scheich El-Bakay antwortete mit einem Aufruf zur islamischen Toleranz. Der anfangs so bedrohliche Konflikt endet schließlich mit einem Schriftwechsel zu philosophischen Fragen.

Letzte Chance zur Flucht

Doch Barths Situation verschlechtert sich. Er kann nicht abreisen, denn sein Karawanenführer hat die Reittiere verkauft. Er nutzt die Zeit für weitere Studien und Gespräche über Religion und Politik. Aber immer mehr zweifelt er daran, die Stadt jemals wieder lebend zu verlassen. Sein Schicksal ist ungewiss. Durch die Intrigen der religiösen Fanatiker wird der Aufenthalt für den geschwächten Barth endgültig zum Alptraum. Niemand stellt sich den fremdenfeindlichen Wüstenkriegern entgegen, die in der Stadt die Macht übernommen haben. Heinrich Barths Lage verbessert sich nach dem plötzlichen Tod eines mächtigen Widersachers. Die vielleicht letzte Chance zur Flucht. Dank der Fürsprache seines Freundes Achmed el-Bakay darf er Timbuktu endlich verlassen. Barth kehrt an den Tschadsee zurück, um von dort noch einmal die Sahara zu durchqueren.

Am 28. August 1855, nach einem Marsch von fünf Jahren und fünf Monaten durch eine der bedrohlichsten und zugleich faszinierendsten Landschaften dieser Erde, erreicht Barth wieder die Mittelmeerküste bei Tripolis. Er hat dafür gesorgt, dass die Sahara kein weißer Fleck auf der Landkarte blieb. Seine Forschungen haben den Nomadenvölkern ihre Vergangenheit zurückgegeben, seine Erkenntnisse erzählen die Geschichte vom verlorenen Paradies: dem Garten Eden in der Wüste.

Missgünstige Kollegen

Am 29. November 1865 stirbt Heinrich Barth im Alter von nur 44 Jahren an den Folgen eines Magenleidens. Die missgünstigen Kollegen ignorieren bis auf wenige Ausnahmen die Forschungsergebnisse des Wüstenforschers. Wahrscheinlich weil Heinrich Barth seine wissenschaftlichen Erfolge unter englischer Flagger erzielt hat.

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