Held der Stunde

Bensons Pipeline wird zum konkurrenzlosen Transportsystem für Erdöl

Bisher sind alle Pläne des Öl-Giganten John D. Rockefellers, die Pipeline seines Konkurrenten aufzuhalten, gescheitert. Byron Benson verschickt bereits Einladungen zur feierlichen Eröffnung. Doch Rockefeller bleibt gelassen. Er ist sich ganz sicher, Bensons Pipeline wird nicht zuverlässig funktionieren. Doch er sollte sich täuschen - und am Ende selbst Kapital daraus ziehen.

Arbeiter an der Pipeline
Arbeiter an der Pipeline Quelle: ZDF

Am 28. Mai 1879 ist der große Premieren-Tag gekommen. Aus dem ganzen Land reisen Schaulustige zur Pipeline, wollen bei dem Weltereignis dabei sein. Pünktlich um 12 Uhr werden die Ventile geöffnet. Zwei Millionen Liter Rohöl fließen aus den Tanks in die Röhren. Alles scheint einwandfrei zu laufen. Doch plötzlich wird Alarm gegeben. Arbeiter suchen entlang der gesamten Pipeline nach der Störung, finden aber nichts. Immer weniger Öl läuft in die Pumpen, dennoch steigt der Druck. Verzweifelt suchen Bensons Männer weiter nach dem Fehler. Vergeblich. Der Druck steigt immer weiter an und droht die Maschine auseinander zu reißen. Die Pumpen müssen abgestellt werden.

Heimtückischer Anschlag

Nach einigen Stunden finden Bensons Männer den Grund für den unerklärlichen Druckanstieg: Sabotage. Die Pipeline wurde an einer Stelle mit einem Tau und Steinen verstopf. Der heimtückische Anschlag macht Benson die Schwachstelle seiner Pipeline deutlich. Die Rohrleitung braucht dringend ein Überwachungssystem. Sei es wegen technischer Defekte oder um weitere Sabotageakte zu unterbinden. Sofort beauftragt er Ingenieure mit der Lösung dieser Aufgabe. Doch zunächst will er seinen Triumph feiern. Am 4. Juni, sieben Tage nach Inbetriebnahme, erreicht das Öl den höchsten Punkt des Gebirges und wird wenig später am Zielort aus der Pipeline sprudeln.

Schaulustige bei der Pipeline-Einweihung
Schaulustige bei der Pipeline-Einweihung Quelle: ZDF

Byron Benson hat eine bahnbrechende technische Errungenschaft in die Welt gebracht. In Williamsport kommen stündlich 250 Barrel Öl an und werden nach New York verfrachtet. Benson hat es geschafft und die Ölregion aus Rockefellers Würgegriff befreit. Die Nachricht löst Ende Mai in ganz Pennsylvania einen Freudentaumel aus. Feuerwerke werden gezündet. Tag und Nacht wird von Bensons Weltwunder gesprochen. Die Transportkosten sind nun viel niedriger als zuvor. Statt 85 Cent je Barrel, liegen die Kosten jetzt nur noch bei 17 Cent. Benson ist der Held der Stunde.

Mit eigenen Waffen geschlagen

Rockefeller erkennt die Vorteile des neuartigen Öl-Transportsystems und bietet Benson eine Zusammenarbeit an, doch der lehnt ab. Daraufhin lässt Rockefeller innerhalb nur weniger Monate eine parallele Pipeline über die Berge bauen und setzt die mit Benson kooperierenden Raffinerien unter Druck. Mit dieser Strategie bringt er die letzten unabhängigen Raffinerien unter seine Kontrolle. Um weiter autark arbeiten zu können, reagiert Benson 1880 mit der Gründung eines Multiunternehmens, in das sich Rockefeller jedoch heimlich einkauft. Es bleibt ihm nichts anderes übrig: 1883 verbündet sich schließlich Bensons Tidewater Company mit Rockefeller.

Musikkapelle mit Glühbirnen auf den Helmen
Musikkapelle mit Glühbirnen auf den Helmen Quelle: ZDF

Doch dann erreicht die Ölfirmen eine beunruhigende Nachricht. Eine neue Erfindung scheint sich durchzusetzen und stellt den Marktwert des Öls in Frage. Der Erfinder Thomas Edison präsentiert der Welt mit einer sensationellen Lichterparade seine Erfindung der Glühbirne. So wie früher Öl den Waltran ersetzt hatte, wird nun das Öl für die Beleuchtung überflüssig. Glühbirnen verwandeln in den Großstädten die Nacht zum Tag. Ölmagnat Rockefeller befürchtet einen rapiden Preisverfall.

Verbrennungsmotor als Rettung

Stadt voller Automobile
Stadt voller Automobile Quelle: ZDF

Rockefeller studiert täglich die neuesten Prognosen über das Ausmaß des Umsatzeinbruchs. Nur ein Wunder kann ihn und die übrige Ölindustrie in dieser Krise noch retten. Doch die Rettung ist in Sicht: Die Erfindung des Verbrennungsmotors und die Verbreitung des Automobils bringen den Einstieg in unser mobiles Zeitalter. Durch den Benzinverbrauch steigt die Nachfrage nach Öl sprunghaft wieder an und wird größer als je zuvor. Innerhalb weniger Jahre erobert ein Heer von Automobilen die Städte rund um den Globus. Rockefellers Ölimperium wächst unaufhaltsam. Systematisch weitet er mit allen Mitteln seinen Einfluss aus, kontrolliert schnell weite Teile der Ölproduktion. Der erste Großmonopolist der Weltgeschichte steht auf dem Höhepunkt seiner Macht. Doch Byron David Benson erlebt die Zeitenwende mit ihren neuen technischen Errungenschaften, die das Erdöl zur wichtigsten Energiequelle werden lassen, nicht mehr. Am 8. Februar 1888 stirbt er mit 85 Jahren in New York. Sein Rivale John D. Rockefeller überlebt ihn um fast ein halbes Jahrhundert. Am 23. Mai 1837 stirbt er 87-jährig als reichster Mann seiner Zeit in Florida.

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