Heldenhafte Rettung

Eine der größten Bergungsaktionen seit Kriegsende

Der Aufprall kommt für die Passagiere völlig unerwartet. In Sekundenschnelle schießen Tonnen von Meerwasser ins Innere des italienischen Luxusliners. Zehn Meter tief bohrt sich der stählerne Bug in die Seitenwand und verwüstet zahlreiche Decks und Kabinen.

Die "Andrea Doria" schiebt sich noch zwei Seemeilen weiter, dann ist sie manövrierunfähig - aufgeschlitzt wie von einem Dosenöffner - der Anfang vom Ende.

Beängstigende Situation

Über eine Länge von 20 Meter klafft der breite Riss. Die "Andrea Doria" senkt sich allmählich zur Seite. Die elf wasserdichten Schotten sind schwer beschädigt und laufen voll. Durch den starken Wassereinbruch neigt sich das Schiff um immerhin 22 Grad. Für die Menschen an Bord eine beängstigende Situation.
Die "Andrea Doria" ist dem Untergang geweiht. 51 Menschen sterben. 46 auf dem italienischen Vergnügungsdampfer, fünf auf der "Stockholm". Hunderte werden verletzt. In der Touristenklasse tief im Rumpf ertrinken die meisten der Opfer. Die bedrohliche Schräglage der "Andrea Doria" macht es unmöglich, die Ballasttanks auf der anderen Seite zu fluten. Kapitän Calamai muss sich entscheiden.

Unbrauchbare Rettungsboote

Die Matrosen sollen sofort die 16 Rettungsboote zu Wasser lassen. Auf der Backbordseite jedoch können sie nicht mehr abgeseilt werden, weil der Luxusliner inzwischen zu tief im Wasser liegt. Eigentlich hätten die 1706 Menschen ausnahmslos von Bord gehen können. So aber ist die Hälfte der Boote unbrauchbar. An der extremen Krängung des Schiffs sind die fast leeren Treibstofftanks schuld, die sich fatal auf die Balance ausgewirkt haben.
Die legendäre "Ile de France" wird zur Rettungsinsel. Zwei Stunden braucht Kapitän Raoul de Beaudean, bis er die Unglücksstelle erreicht. Für seinen Reeder ein teurer Entschluss, denn der Dampfer war schon mitten auf dem Atlantik. Der SOS-Notruf erreicht noch zwei weitere Schiffe. Zu dritt suchen sie im dichten Nebel nach den Havaristen. Ein Wettlauf mit der Zeit.

2.30 Uhr - die ersehnte Lösung

Doch die Besatzung kann noch nicht mit der Evakuierung beginnen. Im Maschinenraum versuchen Matrosen, das Meerwasser aus den gefluteten Tanks zu pumpen, um ein weiteres Absinken der "Andrea Doria" zu verhindern. Ohne Erfolg. Unterdessen ist die "Cape Ann" vor Ort und lässt ihre einzigen beiden Rettungsboote zu Wasser.

Obwohl bei der "Stockholm" der Eisbrecherbug geborsten ist, schickt auch Kapitän Nordenson einige Boote. Für alle Passagiere reicht das aber immer noch nicht. Erst als die "Ile de France" um 2.30 Uhr eintrifft, kommt die ersehnte Erlösung. Nach sechs Stunden ist die größte Rettungsaktion in Friedenszeiten abgeschlossen. Die "Stockholm" bleibt seetüchtig und läuft aus eigener Kraft nach New York zurück - mit 500 Überlebenden an Bord.

Auf der "Andrea Doria" ringt Kapitän Calamai mit seinem Ehrgefühl. Er weigert sich das Schiff zu verlassen. Erst als die Crew droht auch an Bord der Andrea Doria zu bleiben, steigt er schließlich doch mit ins Rettungsboot. Um halb sechs Uhr morgens überlässt der italienische Kommandant sein stolzes Schiff den Wellen des Atlantik. Um 10.09 Uhr am 26. Juli 1956 versinkt die "Andrea Doria" - elf Stunden nach der Kollision im Nebel.

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