Herausragende Stellung

Kandaken als selbständige Frauen mit eigenen Bedürfnissen

In der alten Stadt Naga - südlich der einstigen Regierungszentrale - forscht seit Jahrzehnten Dr. Karla Kroeper nach Überresten aus der Epoche der Kandaken. Die Archäologin vom Ägyptischen Museum Berlin versucht, ein Heiligtum aus der Spätzeit zu rekonstruieren. Es stellt sich als ein kompliziertes Puzzle heraus, zu dem noch viele Teile fehlen.

Kandake im Thronsaal Quelle: ZDF

Um die Zeitenwende machte Naga als prominenter Kultort von sich reden. Den höchsten Göttern des Landes waren dort imposante Tempel geweiht. Die Darstellung des Königspaares, das die Pylonen der größten Weihestätte schmückt, ist für die Wissenschaftler ein einzigartiges Dokument. Kandake Amanitore präsentiert sich dort in gleicher Größe und Siegerpose wie König Natakamani. Noch steht nicht fest, ob er ihr Bruder, Gemahl oder Sohn war. Das Bildprogramm ist ein Beleg dafür, dass Natakamani und Amanitore das Land als ebenbürtige Partner regierten. Sie war eine selbständige Frau mit eigenen Befugnissen.

Königspaar auf Pylonen in Naga Quelle: ZDF

Ungeklärtes Verhältnis

Auf den Darstellungen ist eine furchtlose Frau zu sehen, die den Feind erschlägt und einen Kampflöwen mit sich führt. Obwohl die Geschichte Ägyptens eine ähnliche Szene von Echnaton und Nofretete kennt, rätseln die Experten trotz neuer Quellen immer noch, in welchem Verwandtschaftsverhältnis das Paar von Naga stand. Amanitore könnte die Gemahlin, Mutter oder Schwester des Natakamani gewesen sein. Ebenso ist ungewiss, ob Aminatore die Tochter der Königin Amanishakheto war, wie viele Experten annehmen.

Wandmalerei furchtlose Frau Quelle: ZDF

Reichsgott Amun jedenfalls beweist mit der Berührung ihres Ellbogens, dass Amanitore eine Auserwählte ist. Ob sie jedoch das Innerste der Weihestätte betreten durfte, bleibt Spekulation. Der Vorstellung nach stand es allein Machthabern mit dem Titel "Qore" zu, Amun gegenüber zu treten. Die männlichen Herrscher nämlich verkörperten Horus, den himmlischen Sohn des obersten Schöpfers. Nur ihnen und den Priestern war es erlaubt, das Allerheiligste aufzusuchen. Der gottgleiche König musste täglich die rituellen Handlungen vollziehen - zum Erhalt der kosmischen Ordnung. Fraglich ist, welche Aufgaben die Kandake erfüllte.

Umstrittene Theorie

Der Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Piotr Scholz geht davon aus, dass die Kandake während der 25. Dynastie und danach, in der napatanischen Epoche, die eigentliche Herrscherin war. Die "Gottesgemahlin" und "Hand Gottes" übte die reale politische Macht im Reich aus. Sie führte die Regierungsgeschäfte, bestimmte die Außenpolitik und zog an der Spitze des Heeres in die Schlacht. Der König hingegen war als Sohn Gottes viel zu heilig, um die alltäglichen Staatspflichten zu übernehmen. Eine umstrittene Theorie. Einigkeit herrscht nur darüber, dass die herausragende Stellung der Frauen von Kusch afrikanischen Ursprungs ist.

Kuschitischer König mit seiner Mutter Quelle: ZDF

Eine Stele berichtet, wie ein kuschitischer König im Beisein von Mutter und Gattin Amun Gaben darbringt. Die Königin steht hinter ihrem Gemahl und zelebriert das Wasseropfer. Ein Ritual, das zumindest in Ägypten nur dem Pharao oblag. Auf der anderen Seite steht die Mutter hinter dem Regenten, die Kandake Pelcha. Die Inschrift nennt sie ehrfurchtsvoll "Herrscherin von Kusch". Eine Kandake namens Abale wohnte sogar der Krönung ihres Sohnes bei. Sie sei wie die Göttin Isis, heißt es, die ihren Sohn Horus auf dem Thron des himmlischen Vaters erblickt.

Die Kandake legitimierte also den König und schützte ihn dank ihrer Rolle als göttliche Mutter Isis.

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