Herr der Ringe gesucht

Ringe mit rätselhaften Tiermotiven entdeckt

Die südliche Grenze des Keltenreichs befindet sich an der Schweizer Alpennordseite. Dort liegt Erstfeld, das Tor zum Gotthardpass. Dort wurden unter einem Felsbrocken sieben mit rätselhaften Tiermotiven versehene Ringe gefunden.

Der Alpenhauptkamm mit Felsen, Eis und Schnee ist eine mächtige Barriere und versperrt den Weg nach Italien. Für die Menschen des ersten Jahrtausends vor Christus muss dies ein furchteinflößender Anblick gewesen sein.

Rätselhafte Fundstelle

Thomas Stöllner vom Deutschen Bergbau Museum Bochum und sein Schweizer Kollege Martin Guggisberg sind im Gotthard-Gebiet einer der rätselhaftesten Fundstellen der Kelten-Archäologie auf der Spur: Unter einem Felsbrocken lagen sieben verzierte Ringe, eine magische Zahl. Insgesamt 640 Gramm Gold, zweieinhalbtausend Jahre, ungeschützt. Kein Grabhügel, keine Holzkammer, nicht einmal richtig vergraben waren sie. Woher stammt der Schatz? Warum wurde er hier in dieser ungewöhnlichen Form deponiert?

In den Laboren des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich erhofft man sich Antworten. Zerstörungsfrei wird die metallurgische Zusammensetzung und der genaue Goldgehalt der Ringe bestimmt. Ein "Fingerabdruck" soll Aufschluss über die Herkunft dieser großen Goldmenge geben. Eine schwierige Aufgabe, denn Gold wurde auch früher schon immer wieder eingeschmolzen und vermischt, wertvolle Spuren damit vernichtet.

Das "Innenleben" der Ringe

Martin Guggisberg interessiert sich für das "Innenleben" der Ringe mit den seltsamen Tiermotiven. Die Röntgenbilder zeigen eine hohe Handwerkskunst: Die Fugen der zusammengelöteten Goldbleche sind kaum zu erkennen. Der Schweizer Forscher entdeckt etwas sehr Ungewöhnliches. Ein gerolltes Stück Goldblech steckt in einem Ring, als Gewicht. Sie sollten nicht nur identisch aussehen, sondern auch exakt gleich schwer sein. Für Guggisberg rundet sich das Bild ab.

Die Tierdarstellungen auf den sieben Ringen geben reichlich Gelegenheit zur Interpretation. Sollten die Mythenwesen den Übergang in den Süden, einen Keltenzug über die Alpen schützen? Waren die Ringe eine Opfergabe?

Weg zu den Römern und Griechen

Heute steht eindeutig fest, dass die Kelten den Gotthard als Pass, als Weg zu Römern und Griechen nutzten. Sahen die gefährlichen Pfade damals schon einen regelmäßigen Warenaustausch, in beiden Richtungen? Kam gar der Rohstoff für die Ringe aus dem Mittelmeerraum? Hatte der Keltenfürst vom Gotthard eine lukrative Monopolstellung am Alpenübergang und damit genügend Einnahmen die rätselhaften Ringe schmieden zu lassen? Als Dank an die Götter für gute Zoll-Geschäfte?

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