Herrschen mit den Beherrschten

Indische Kolonie mit kluger Strategie fest in britischer Hand

In der britischen Kronkolonie Indien gibt es nur etwa 1000 britische Beamte, und etwa 70.000 Soldaten. Sie beherrschen und verwalten ein Land mit mehr als 250 Millionen Einwohnern. Modernste Verwaltung neben jahrtausende alter Tradition. Ein einfacher, aber äußerst wirkungsvoller Trick. Die Briten beherrschen das Land mit Hilfe der Beherrschten.

Britische Soldaten in einem Offiziersklub
Britische Soldaten in einem Offiziersklub Quelle: ZDF,Martin Papirowski

Bombay im Jahr 1700. In der Niederlassung der berühmten East India Company handeln britische Kaufleute mit den Reichtümern Indiens. Mehr als 7000 Kilometer von England entfernt, ist ihnen der hohe Gewinn ihrer Geschäfte jede Mühe wert. Kostbare Stoffe, Tee und Gewürze, das sind die Reichtümer Indiens. In Europa werden sie mit Gold aufgewogen. Auf der Suche nach den Schätzen Asiens hat längst ein Wettrennen der europäischen Mächte begonnen.

Hafen von Bombay
Hafen von Bombay Quelle: ZDF

Konkurrenz ausgeschaltet

200 Jahre zuvor haben die Portugiesen den Seeweg geöffnet, und seit 100 Jahren halten holländische Kaufleute das Handelsmonopol in diesen Breiten. In zahlreichen Gefechten zwischen 1661 und 1886 werden die Briten ihre Konkurrenten besiegen. Bald wird ihnen der ganze indische Subkontinent gehören - von der Küste bis an die schneebedeckten Hänge des Himalaja.

Mehr als 600 Fürstenstaaten bestehen in Indien unter britischer Herrschaft. Den Rajas, Nawabs und all den anderen Herrschern, die sie regieren, trägt das Bündnis mit den Briten sagenhaften Reichtum ein. Die Fürsten selbst aber haben keinen politischen Einfluss auf die Geschicke Indiens oder die eigenen Staaten. Der Prunk der Maharadschas ist nur noch Fassade einer längst ausgehöhlten Macht. Die Herrscher selbst sorgen aus Eigennutz dafür, dass die Macht der Briten über ihre Länder erhalten bleibt. Nur so können sie ihren Status und ihre Reichtümer bewahren.

Maharadscha wird durch die Stadt getragen
Maharadscha wird durch die Stadt getragen Quelle: ZDF

Furcht vor Aufständen

Die wahren Machthaber im Land sind die britischen Offiziere und Beamten. Sie lassen ihre indischen Untertanen gewähren, solange sie sich der britischen Herrschaft nicht widersetzen. Inder können zur Zeit der Königin Victoria wichtige Ämter einnehmen, aber die wesentlichen Entscheidungen werden im kleinen Kreis der Kolonialverwaltung entschieden. In der Hauptstadt Delhi baut sich die britische Verwaltung ein imposantes Regierungszentrum, scheinbar für die Ewigkeit. Aber auch dieses neue Rom ist gefährdet. Die Furcht, dass sich die Untertanen plötzlich gegen ihre Beherrscher erheben, zieht sich durch die ganze Regierungszeit von Queen Victoria.

Indien bleibt den Briten immer fremd, ein Rätsel. Hinter der scheinbaren Ruhe, hinter jahrtausende alten Traditionen, vermuten die Kolonialherren ein Pulverfass kurz vor der Explosion. 1857 erschüttert ein plötzlicher Aufstand die Kolonie. Indische Soldaten in britischen Diensten greifen die Kolonialherren an. Die blutigen Gefechte und Massaker halten ein Jahr an. Nur mit äußerster Gewalt können die Briten den Aufstand niederschlagen. Mit dem Ende des Sepoy-Aufstands endet auch die Herrschaft der Britischen Ostindien-Kompanie. Ihre letzten Machtbefugnisse werden an die britische Krone übertragen.

Passiver Widerstand mit Erfolg

Mahatma Gandhi Quelle: dpa

Unter der Führung Mahatma Gandhis kommt es zum passiven Widerstand gegen die britische Herrschaft. Ironie der Geschichte: Gandhi wurde an einer britischen Hochschule erzogen, hatte in London Jura studiert und war ein erfolgreiches Produkt der englischen Kultur. So erfolgreich, dass er alles, was er in England über Menschenrechte gelernt hatte, auch für sein Heimatland in Anspruch nahm. Mit gewaltlosen Mitteln kämpft er für die Freiheit seines Volkes. Aber erst 1947 wird Indien unabhängig.

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