Herrscher im Exil?

Religiöse Gründe als Fluchtmotiv wahrscheinlich

Über die Gründe für Nabonids Aufenthalt in der Wüste wird weiter spekuliert. Die Tage seines Reiches waren zu jener Zeit bereits gezählt - ahnte er den drohenden Untergang?

Nabonid, Herrscher im Exil Quelle: ZDF,Resa Asarschahab

Das British Museum in London besitzt einige der wenigen Funde, die sich auf den letzten babylonischen Herrscher beziehen. Neben einer Stele, die Forscher vor 100 Jahren im Schutt der ehemaligen Weltmetropole Babylon fanden, entdeckten sie ein weiteres kostbares Dokument. Eine Keilschrift-Chronik. Die Tafel belegt nicht ganz ohne Vorwurf, dass der regierende König Nabonid viele Jahre bei bedeutsamen Festen und Zeremonien fehlte.

Flammenschrift an der Wand Quelle: ZDF

Berühmtes "Menetekel"

Nabonids Sohn Belsazar war während dieser Zeit sein Stellvertreter. Nach biblischer Darstellung wird ihm die Katastrophe prophezeit - mit einer Flammenschrift an der Wand, dem berühmten "Menetekel". Darin heißt es: Gott hat dein Königtum beendet, du wurdest gewogen und für zu leicht befunden. Tatsächlich nimmt Perserkönig Kyros wenige Jahre später Babylon ein - das Ende des glanzvollen Weltreiches. Belsazar wird getötet, das Schicksal Nabonids hingegen nie zweifelsfrei geklärt. Für seinen Aufenthalt in Tayma hingegen gibt es noch eine weitere mögliche Erklärung.

Keilschriftzylinder aus Ton Quelle: ZDF

Im Vorderasiatischen Museum in Berlin untersucht der Orientalist und Keilschrift-Experte Joachim Marzahn die Chroniken jener Zeit. Tönerne Zylinder - faszinierende Datenträger mit Aufzeichnungen über das Leben in Babylon. Einer von ihnen protokolliert die Herrschaft Nabonids. Er belegt eine ungewöhnliche religiöse Orientierung: Der König bekennt sich zwar zum babylonischen Stadtgott Marduk, huldigt jedoch zugleich dem Mondgott Sin. Ein Kult aus Harran im Nordwesten Mesopotamiens - dem Geburtsort seiner Mutter. Fiel er durch seinen Glauben in Ungnade? Einige Quellen deuten an, es sei gar zum Bruch mit der Priesterschaft Babylons gekommen: Mächtige Funktionäre, deren Einfluss weit über die Belange der Götterverehrung hinausreichte. Musste Nabonid fliehen? Ging er ins Exil?

Suche nach Nabonids Palast

Im Deutschen Archäologischen Institut in Berlin bereiten Ricardo Eichmann und Arnulf Hausleiter ihre nächste Reise nach Saudi-Arabien vor. Ziel der kommenden Grabungskampagne ist auch zu klären, wo und wie Nabonid während seiner Zeit in Tayma residiert hat. Sein Herrschersitz muss sich finden lassen. Die Forscher haben einen Verdacht. Auf der Grabungskarte ist ein sehr großer zusammenhängender Baukomplex, der verdächtig erscheint. Er weist auch die Größe für den Palast eines mesopotamischen Herrschers auf. Doch theoretisch könnte so ein Bauwerk auch noch außerhalb dieses Zentrums liegen.

Eichmann und Hausleiter über Ausgrabunsplan Quelle: ZDF

Vielleicht wird die Suche nach dem Palast des Nabonid noch Jahre dauern. Wie es lange gedauert hat und noch andauert, diesen Mann zu verstehen: Den König aus Babylon, der in die Wüste zog, um zehn Jahre lang in einer Oase zu leben. Für die Archäologen birgt das antike Tayma in den nächsten Jahren noch eine Fülle von Geheimnissen.

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