Herrscher über Karthago

Gefährliche Konkurreten für Rom

Die Herrschaft der Vandalen ist kein dunkler Fleck in der Geschichte Tunesiens. Im Gegenteil: Unter den Vandalen wurde die antike Metropole in der Bucht von Tunis zu einem gefährlichen Konkurrenten Roms und unabhängig.

Das Bardo-Museum in Tunis ist reich an Zeugnissen der antiken Kultur. Nirgends haben sich so viele und kunstvolle Mosaikböden erhalten wie in Tunesien. Die Archäologin Aïcha Ben Abed ist fasziniert von der Vorstellung, dass über viele der Mosaiken Vandalen gingen, sich mit Römern auf Lateinisch unterhielten, griechische Musik hörten und bacchanalische Feste feierten.

Hunderte Mosaikböden aus der Vandalenzeit erzählen vom Leben der "Barbaren" unter der Sonne Afrikas: Tänzer und Musik, alles was Auge und Ohr erfreut, war bei ihnen zu Hause. Den Freuden der Trinkgelage waren sie nicht minder ergeben, als denen des Liebesgenusses. Die blauäugigen Blonden aus dem Norden waren einst als Sklaven begehrt. Jetzt wurden sie die Herren im Land. Sie enteigneten nicht nur, sondern kauften auch Villen und Land von den Eigentümern. Dass sie das römische Recht respektierten, weiß man aus erhaltenen Urkunden.

Leben wie die Römer

Im Atelier des Bardo-Museums in Tunis arbeiten zwanzig Kunsthandwerker unter der Anleitung von Aïcha Ben Abed. Sie restaurieren die Mosaiken für das Museum. Jahr für Jahr werden neue ausgegraben, mit der Arbeit kommt man kaum nach. Archäologen haben das Villenviertel von Karthago ausgegraben. Hier wohnten die Reichsten der Reichen, zu ihnen gesellten sich die Vandalen. Aïcha Ben Abed und ihre Kollegen haben bis heute in ganz Tunesien nirgends Spuren von Zerstörungen der Vandalen gefunden. Nachdem sie einmal sesshaft waren, sagt sie, hatten sie nur ein Interesse: sich zu assimilieren und zu leben, wie die zivilisierten Römer.

Ein wichtiges Zeugnis der Vandalenherrschaft fanden Archäologen tief im Süden Tunesiens, in El Gousset, arabisch "Die Arkaden". Unter Bruchsteinen verborgen liegt ein Taufbecken aus der Zeit der Vandalen. Sie galten als Unterdrücker der römischen Katholiken im Land. Der Archäologe Fathi Béjaoui hat die Basilika des Vandalenkönigs Thrasamund ausgegraben. Thrasamund sei in Religionsfragen toleranter gewesen als es seine Gegner behaupten.

Germanische Geschichte in Tunesien

Die Vandalen waren arianische, die Einheimischen aber römisch-katholische Christen. Später jedoch gaben sie die Verfolgung der einheimischen Katholiken auf, um sie für sich zu gewinnen. Davon zeugt die Basilika in El Gousset. Hier gingen Arianer und Katholiken zum Gottesdienst, schlossen den Bund fürs Leben und ließen ihre Kinder taufen.

Die Basilika wurde im Jahr 521 nach Christus, "im 26. Jahr der Herrschaft des Vandalenkönigs Thrasamund", erbaut: ANNO BICESIMO DOMINI REGIS TRASAMUNDI. Es ist die einzige bekannte Inschrift der Vandalen überhaupt. Als die Vandalen gegen Absprachen verstießen, schickte Rom 533 seinen Feldherren Belisar mit Truppen. Er schlug die Vandalen vernichtend. Nach 104 Jahren ging ihr Reich in Afrika für immer unter. So hat auch Tunesien eine germanische Geschichte.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet