Hightech im Feuerberg

Suche nach dem Frühwarnsystem

Im Süden der Insel Kyushu ist der aktivste und wohl auch der gefährlichste Feuerberg Japans: der Vulkan Sakurajima nahe der Stadt Kagoshima. Fast immer stehen Rauchwolken über dem Hochrisikogipfel.

Fünf verheerende Ausbrüche allein in den letzten hundert Jahren bedeuten eine Herausforderung der besonderen Art für die Vulkanologen. Eine halbe Million Einwohner leben im tödlichen Bannkreis des bedrohlichen Feuerberges. Kilometerlange Betonröhren führen direkt hinein in den Vulkan. Ganz nah am Magmaschlund messen die japanischen Wissenschaftler den feurigen Pulsschlag aus dem Bauch des Berges. Das System ist einzigartig auf der Welt. Hochsensible Messgeräte registrieren unmerkliche Vibrationen und Neigungsänderungen im Innern des Berges, ausgelöst durch Magmabewegungen.

Feine Sensoren

Zwei 20 Meter voneinander entfernte Betonpfeiler sind mit einer Stange verbunden. Bewegt sich der Berg, ändert sich ihr Abstand. Ein feiner Sensordraht meldet jede Veränderung. Eine 20 Meter lange, horizontale Wassersäule reagiert auf kleinste Verschiebungen in der Höhenachse. Über 30 solcher Sensoren sind im Berg verteilt. Hier laufen alle Informationen zusammen, aufgezeichnet auf Trommelseismographen und mit digitaler Computertechnik.

Die Forscher sind sich einig, dass nur die Vernetzung des Wissens der Seismologen und der experimentellen Vulkanologen ein zuverlässiges Frühwarnsystem hervorbringen kann. Die Rechner aus der Computerzentrale der Seismograpen melden eine Eruption. Dunkle Aschewolken über dem Gipfel von Sakurajima sind ein beinahe täglicher Anblick. Deshalb sind sie auch keine Anhaltspunkte für einen bevorstehenden großen Ausbruch und die dann notwendige Evakuierung der nahen Metropole Kagoshima.

"Irgendwie kein gutes Gefühl"

Die Forscher setzen auf neue Strategien zur Risikominimierung und weltweite Vernetzung von Daten. "Es ist wie beim Wetterbericht," schildert Uli Küppers das Problem: "Nur hat eine Fehlprognose hier viel katastrophalere Folgen. Und um es noch schwieriger zu machen, hat jeder einzelne Vulkan ganz spezifische Eigenarten." Deshalb sieht er sich die Lavaströme des verheerenden Ausbruchs von 1914 sehr genau an. Je weniger Kieselsäure das Magma enthält, desto dünnflüssiger, ungefährlicher ist es. Als weiterer Mosaikstein kommt diese Information in die Risikokarten. Dampfwolken kündigen wieder eine Eruption an. "Irgendwie kein gutes Gefühl", meint Küppers, der sich an die Photos von 1914 erinnert, als die Aschesäule 7000 Meter über dem Gipfel stand.

Mit Millliardeninvestitionen haben die Japaner mächtige Kanäle errichtet, die die Lavamassen und die gefürchteten Lahars, die Schlamm- und Gerölllawinen, kanalisieren sollen. Aufnahmen von automatischen Kameras zeigen, dass selbst diese enormen Schutzbauten keine endgültige Sicherheit gewähren können. Wenn die Geröll-, Schlamm- und Wassermassen einmal überschwappen, werden ganze Orte von der Landkarte getilgt. 1914 regneten drei Milliarden Tonnen Asche und Lava auf Sakurajima nieder, töteten 70 Prozent der Insel-Bevölkerung und verschütteten auch den Schrein von Kurogami.

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