Hilfreiche Grabbeigaben

Waffen und Kleidung noch perfekt erhalten

Die Grabbeigaben aus den eisigen Höhen von Olon Kurin Gol sind wichtige Indizien. Mit Zustimmung des mongolischen Staatspräsidenten dürfen auch sie das Land verlassen. Ziel ist das russische Novosibirsk, das im alten Kernland der Skythen liegt - heute ein Zentrum der Wissenschaft und Heimat der russischen Partner von Parzingers Mumien-Expedition.

Grabbeigaben und Waffen der Eismumie Quelle: ZDF

Bei der Bergung der Eismumie aus dem Altai entdeckten die Archäologen Goldfolie. Sie lag direkt neben einem hölzernen Halsreif. Die Rekonstruktion ergab: Der Reif war vergoldet. Der Krieger konnte sich die Ausführung in massivem Gold anscheinend nicht leisten. "Mehr Schein als Sein", so Parzingers Fazit, "gab es schon vor 2500 Jahren". Aber immerhin wurde ihm ein gebratener Lammrücken als Wegzehrung ins Jenseits mitgegeben.

Computergrafik vergoldeter Halsreif Quelle: ZDF

Moderne Technik schon vor 2500 Jahren

Die Restaurierungsexperten untersuchen unverzüglich die Waffen des blonden Kriegers. Um sie nicht für ewig in Kühlkammern zu lagern, beginnen sie sofort mit der fachgerechten Konservierung. Besonders interessant ist der Bogen. Er besteht aus verschiedenen Holzschichten. Nicht nur für die Wissenschaftler hochspannend, ist doch ein solcher Kompositaufbau heute noch ein Merkmal moderner Bogenbautechnik.

Pfeile aus dem Grab Quelle: ZDF

Pfeil und Bogen galten als Wunderwaffe der Reiterkrieger. Der untere Teil ist kürzer, damit der Bogen nicht am Pferderücken hängenbleibt. Die Pfeile aus dem Grab haben keine Bronzespitzen. Für den russischen Chefausgräber Vjaceslav Molodin wirken sie fast wie Spielzeuge.





Kompositbogen im Spannbrett Quelle: ZDF

Exakter Nachbau

Die Durchschlagskraft des Skythenbogens überzeugt auch Michael Bittl. Er hat den Fund von Olon Kurin Gol nachgebaut. Persische Schilde durchdringt die leichte Waffe der Reiterkrieger fast spielerisch. Das Erfolgsrezept ist der Schichtaufbau. Der Kompositbogen ist leichter, leistungsfähiger, von höherer Lebensdauer als ein gewöhnlicher Vollholzbogen. Dank des durch Eis konservierten Fundes kann die legendäre Waffe exakt nachgebaut werden. Unter Dampf, in Spannbrettern, bekommt sie ihre todbringende Spannung. Schon die Skythen verwendeten wahrscheinlich diese Technik.

Hose des Skythen Quelle: ZDF

Die Kleidung ist ein weiterer Schatz aus dem Eisgrab. Was normalerweise völlig verwest ist, liegt perfekt erhalten vor den begeisterten Forschern. Sie muss nur gereinigt werden. Die "Shorts" des Skythen, Größe XXL, sind aus gewebtem Wollstoff. Der Pelzmantel ist ein echtes Prachtstück. Er besteht aus unterschiedlichen Fellen. Auffällig ist eine Verlängerung am Hinteren Teil des Mantels, die zudem bunt eingefärbt ist. Sie erinnert an Radloffs schwarzen Frack. Wozu diente dieser Rockschoß dem Skythenhäuptling?

Bedeutende Kleinstproben

Die kleinste Proben aus dem Grab des Eiskriegers, einzelne Tierhaare, werden ins Rathgen-Institut nach Berlin geschickt. Es geht ihm um die Identifizierung der Pelzfasern und ihrer Färbung. Welche Felle haben die Skythen im Altai verwendet und welche Farbstoffe? Die Härchen geben Auskunft. Im Rasterelektronenmikroskop wird der Schuppenaufbau der Haare analysiert. Er verrät die Tierart. Das Ergebnis: Schaf, Rind, Eichhörnchen, Murmeltier und Zobel gaben ihr Fell für den Mantel des Häuptlings. Indigo und Kermes sorgten für farbenprächtiges Blau und Rot. Die Mütze des Kriegers war mit dem Kermes-Rot der Schildlaus gefärbt und mit vergoldeten Holztieren verziert.

Mantel des Skythen Quelle: ZDF

Die Tiere der Berge waren die Rohstofflieferanten. Wie heute noch. Doch die Farben hatten einen weiten Weg hinter sich. Indigo kam aus Indien, Kermes aus dem Mittelmeeraum oder dem Orient. Ein Beleg für die weitreichenden Handelskontakte der Skythen selbst im hintersten Winkel des Altai. Für Hermann Parzinger steht außer Frage, dass die skythische Kultur Verbindungen in alle Richtungen knüpfte. Nach Hinterindien, zu Griechen wie zu Persern und Chinesen - und Richtung Osteuropa. Für Parzinger waren die Skythen Global Player - vor 2500 Jahren. Die Eismumie liefert den Beweis.

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