Himmel auf Erden

Türme für Astronomen und ein blaues Tor

Von den babylonischen Tempeltürmen, den "Zikkurats" sind nur noch Ziegeltrümmer geblieben. Heute vermuten Wissenschaftler, dass diese Türme nicht nur Tempelanlagen waren, wie Herodot berichtet, sondern dass von hier aus die babylonischen Astronomen den Lauf der Sterne studierten.

Was Nebukadnezar und seine Astronomen in den Sternen suchten waren aber nicht naturwissenschaftliche Fakten. Für sie waren die Himmelskörper Götter - und im Ablauf des Großen, des kosmischen Ganzen, sollte sich alle Wirklichkeit auf Erden wieder spiegeln. Der Blick in die Sterne, auf Sonne, Mond und auf die fünf bekannten Planeten war ein Blick in die Zukunft des irdischen Lebens. Im Planetarium des Deutschen Museums in München kann man dem Sternenwissen der Babylonier näher kommen. Der programmierbare Projektionsrotor kann ein Bild vom Nachthimmel machen, der vor 2500 Jahrtausenden über Babylon stand, so, wie sie einst Nebukadnezar sah. Über Jahrhunderte haben die Babylonier allabendlich diesen Himmel nach Zeichen durchsucht: nach Auffälligkeiten und Zusammenhängen.

Große mathematische Kenntnisse

Besondere Sterne wuchsen zu "Familien" zusammen - wie die "Zwillinge", die Torhüter des Himmels. Der Wassermann bestimmte vom Himmel aus den Lauf aller irdischen Quellen. Ein Mischwesen aus Pferd und Mensch, der Schütze, war ein mächtiger Helfer in Not und Krieg. Als gefürchtete Kraft galt der mythische Stier, der ganze Städte zermalmen konnte. Die Babylonier sind die Erfinder der Sternzeichen, wie wir sie noch heute kennen. Sie unterteilten das Himmelsfirmament in zwölf Tierkreiszeichen und dokumentierten den Lauf der Sterne. Vielleicht beherrschten sie sogar die Technik optischer Vergrößerung, den Bau von Fernrohren, wie ein Fundstück, eine geschliffene Quarzlinse, nahe legt. Sicher ist, dass die Babylonier große mathematische Kenntnisse entwickelten. Geometrietafeln beweisen, dass schon in der Welt Nebukadnezars der "Satz des Pythagoras" bekannt war.

Das blaue Stadttor von Babylon, das der Göttin Ischtar geweiht war ist eine grandiose Bauleistung, die Koldewey wieder entdeckte. In seinen Telegrammen nach Berlin schwärmt Koldewey von der "eigenartigen Schönheit der Ziegel". Im fernen Deutschland ist man von soviel orientalischer Exotik begeistert. Kistenweise werden die blauen Ziegelbrocken nach Berlin transportiert, gewaschen und sortiert. In Berlin wird das Ischtar-Tor auf der Museumsinsel wieder aufgebaut. Nach zweieinhalb Jahrtausenden hat das große Stadttor Nebukadnezars eine Reise von 5000 Kilometern gemacht. Mit ihm die Tierdarstellungen, die typisch für den besonderen Stil babylonischer Kunst sind. Tiere, die Babylonier als Begleiter der Götter verehrten, deren Bilder an den Wänden der Prozessionsstraße einst jeden Besucher in das Zentrum der Stadt geleiteten.

Außergewöhnliche Technik

Blaue Ziegelglasur - wie war es vor 2500 Jahren möglich, eine so außergewöhnliche Technik zu entwickeln? Ein Chemiker hat Ziegelbröckchen aus Babylon spektralanalytisch untersucht. Gemeinsam mit einem Keramik-Spezialisten kann er das komplizierte technische Verfahren demonstrieren. Wichtig ist vor allem eine peinlich genaue Rezeptur, wenn in einem ersten Schritt Sand und Soda aus Pflanzenasche zu so genannter "Fritte", dem Glasurgrundstoff, verschmolzen werden. Wie die Babylonier allerdings exakt 950 Grad kontrollieren konnten, bleibt ihr Geheimnis.

"Fritte" muss im weiteren Verfahren zu staubfeinem Pulver zermahlen werden. Eine äußerst geringe Menge Kobalt und Kupferoxid wird beigegeben. Die Mischung dieser Chemikalien erzeugt das leuchtende Blau. Ein ungelöstes Rätsel bleibt, wie die alten Babylonier die Metalloxide so gleichmäßig dosieren konnten. Destilliertes Wasser macht aus der Pulvermischung zuletzt einen cremigen Brei - die fertige Glasur. Mit 20.000 solcher glasierten Ziegel war das Ischtar-Tor verkleidet. Mit einem Gewand aus leuchtendem Blau: dem Abbild des Himmels. Denn die Straße vor und hinter dem Ischtar-Tor war der Weg der Götter, die Prozessionsstraße, auf der das große Neujahrsfest gefeiert wurde. "Für Gott Marduk und Nabu befestigte ich das Innere der Straße und darüber legte ich eine mächtige Anfüllung aus glänzendem Staub. Möget ihr Götter fröhlich wandeln auf diesem Weg", so ließ Nebukadnezar auf seine Ziegel tausendfach drucken.

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