Hindernisse am "Kap der Stürme"

Kampf gegen See und Skorbut

Fast drei Monate segelten sie schon, ohne Land gesehen zu haben und ohne zu wissen, wann sie die afrikanische Küste endlich erreichen würden. Die Mannschaft war erschöpft, das Wasser knapp, frische Lebensmittel gab es nicht mehr. Die Expedition drohte zu scheitern.

Schiffsexpedition im 15. Jahrhundert Quelle: ZDF

Endlich am 4. November 1497 kam Land in Sicht. Afrikas Westküste war erreicht. Der Chronist notiert: "Einen Tag nachdem wir Anker geworfen hatten, gingen wir mit dem Kommandanten an Land und fingen einen der Eingeborenen. Am folgenden Tag ließ der Kommandant ihm schöne Kleider anziehen und ihn wieder an Land bringen. Vasco da Gama legte ihm verschiedene Waren vor, um zu erfahren, ob ihr Land irgendeine davon hervorbrächte, und zwar Zimt und Gewürznelken, Edelsteine und Gold und noch andere Dinge, aber er verstand nichts von den Waren, so wie Menschen, die so etwas noch nie gesehen haben."

Tagelanger Kampf gegen schwere See

Nach acht Tagen Aufenthalt stach die Flotte wieder in See und nahm Kurs auf die Südspitze Afrikas, das "Kap der Stürme", das der portugiesische König in "Kap der Guten Hoffnung" umbenannt hatte. Am 18. November 1497 kam es in Sicht. Eine harte Prüfung für die Seefahrer. Tagelang kämpfte die Mannschaft gegen schwere See. "Ja hier am Kap der guten Hoffnung ist wieder eine sehr kritische Situation. Hier waren ständig hohe Windgeschwindigkeiten: entweder Gegenwind, wie wir es hier von einem riesigen Hochdruckgebiet sehen, oder man hat starke Weststürme hier, die das Schiff gefährden würden. Hier musste Vasco da Gama eine sehr günstige Wetterlage abwarten, um dann mit einer günstigen Strömung das Kap der Guten Hoffnung zu umrunden."

Fast eine Woche benötigte die Flotte, das Kap zu umfahren. Zehn Jahre zuvor hatte der Portugiese Bartolomeu Diaz, ein Vorläufer und Konkurrent Vasco da Gamas, das Kap als erster umrundet. Bis dahin hatte man geglaubt, Afrika sei mit Asien über eine Landbrücke verbunden, und es könne deshalb keinen Seeweg nach Indien geben. Vasco da Gama hatte sogar den Steuermann von Bartolomeu Diaz angeheuert. Unter seiner Führung landeten sie wenig später in Mossel Bay. Immer wenn sie an Land gingen, richteten die Portugiesen ein Kreuz auf: Navigationshilfen für nachfolgende Seefahrer, aber auch Zeichen ihres Anspruchs auf Herrschaft. "So errichteten wir an einem Mittwoch ein Kreuz in dieser Bucht. Dieses Kreuz machten wir aus einem Fockmast, und es war sehr hoch. Am folgenden Tag, als wir im Begriff waren abzufahren, sahen wir ungefähr zehn oder zwölf Schwarze, die das Kreuz wieder niederrissen."

Auf unbekannten Gewässern

Sieben Monate waren seit der Abfahrt vergangen, sieben Monate Entbehrung und Schinderei. Eine Meuterei wurde immer wahrscheinlicher. Am Aufstand der Matrosen war auch die Reise des Bartolomeu Diaz gescheitert. Hätte er den Seeweg nach Indien entdeckt, Kolumbus wäre nie aufgebrochen, und die Weltgeschichte wäre anders verlaufen. Von jetzt an segelten sie auf einem Ozean, den noch nie ein europäisches Schiff befahren hatte. Noch sichteten sie keine arabischen Schiffe, denn für die arabischen Seefahrer war der Weg nach Westen Tabu. Die Meerenge von Madagaskar galt ihnen als das Ende der Welt.

Die Geißel der Seeleute war Skorbut. "Hände und Füße schwollen ihnen an, und das Zahnfleisch wucherte ihnen so über die Zähne, daß sie nicht mehr essen konnten." Mit dem eigenen Urin wurden die Wunden desinfiziert.

Die erkrankten Seefahrer starben einen jämmerlichen Tod, die See wurde ihr Grab. Von den 150 Seeleuten, die mit Vasco losgefahren waren, kam nur ein Drittel zurück.

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