Hinweise auf Handelszentrum

Über 500 Grabhügel aus der Wikingerzeit im Wäldchen Kaup

Seit fast 150 Jahren ist das Wäldchen von Kaup bei Wiskiauten Zentrum der Frühmittelalterforschung in Ostpreußen. In den Kisten der Prussia-Schätze entdeckt Prußenforscher Tomas Ibsen Unterlagen des Archäologen Max Ebert aus den 20er Jahren. Bis zum Kriegsausbruch wurde im Wäldchen gegraben. Und jeder Fund exakt dokumentiert. Die Grabung war damals eine Sensation und beliebtes Ausflugsziel.

Grabhügel Quelle: ZDF

In dem Waldstück liegen über 500 Grabhügel aus der Wikingerzeit. Ein Großteil der Gräber ist noch nicht erforscht. Die heidnischen Prußen verbrannten zwar auch ihre Toten, noch lange nach ihrer Zwangs-Christanisierung durch den Deutschen Orden im 13. Jahrhundert. Doch Brandbestattungen unter Hügeln waren typisch für die Wikinger, die gefürchteten Nordmänner. Warum sind so viele von ihnen bei Wiskiauten im Land der Prußen begraben? War hier eine Handelskolonie der Skandinavier?

Frisches Grabungsloch Quelle: ZDF

Grabräuber Hot-Spot Kaup

Bei der Begehung im Wäldchen Kaup fallen frische Raubgräberlöcher auf. Im russischen Internet gibt es eine Liste für "schwarze Arbeiten" mit den wichtigsten Punkten für die ganze Russische Föderation. Das Wäldchen steht in dieser Liste auf Nummer eins. Der Leiter der russischen Expedition, Professor Vladimir Kulakow, kämpft verzweifelt gegen die Grabräubermafia. Vladimir Kulakow prüft, was die Raubgräber zerstört oder bisher nicht beachtet haben.

Brustfibel einer Wikinger-Frau Quelle: ZDF

Bei der Nachuntersuchung fällt ihm im Profil eines Grabhügels eine schwarze Stelle auf, ein Brandfleck. Es ist der Überrest einer Feuerbestattung. Wikinger und Prußen huldigten dem Feuerkult. Doch der Hügel spricht für eine Bestattung von Skandinaviern. Ohne Fundstücke lassen sich die Aschegräber nicht genauer bestimmen. Die Suche geht weiter. Großflächig durchkämmen Kulakows Männer das Hügelgrab - und haben Erfolg: Brustfibeln einer Wikingerfrau, die ihr mit ins Grab gegeben wurden. Kulakow fühlt sich bestätigt: Hier im Wald lag anscheinend der heilige Ort der Nordmänner. Nekropole und Kultplatz. In der Prussia-Sammlung befand sich ähnlicher Schmuck. Was machten so viele Wikinger im Prußenland? Waren sie Händler oder Krieger? Kulakow meint: Frauen zogen nicht in den Krieg, sie gingen schon damals lieber einkaufen.

Gold des Prußenlandes

Bernsteinschmuck Quelle: ZDF

Doch die Prußen waren zuerst da, die Wikinger kamen in großer Zahl hinzu - Wiskiauten war ein multi-ethnisches Handelszentrum. Eine Gegend, die auch jahrhunderte lang Heimat von Deutschen war. Ostpreußen ist jedoch nur noch eine Erinnerung.
Auf der Suche nach einer Handelskolonie der Skandinavier führt die Spur nach Schleswig-Holstein. An der Schlei bei Schleswig lag die Wikingersiedlung Haithabu. Um das Jahr 1000 der bedeutendste Umschlagplatz Nordeuropas, die Verbindung zwischen Nord- und Ostsee. Hier wurde der von Island bis zum Schwarzen Meer beliebte Bernstein gehandelt: das Gold des Prußenlandes, von der samländischen Bernsteinküste, dem weltweit reichsten Vorkommen.

In den Archiven des Landesmuseums im Schloss Gottorf sucht Timo Ibsen den Nachlass des Wiskiauten-Ausgräbers Max Ebert, der auch zu Haithabu forschte. Sah Ebert schon damals einen Zusammenhang? Auch hier findet Ibsen einige Abbildungen von der Prussia-Sammlung. Besonders wertvoll für den Prußenforscher ist die Skizze Eberts vom Wäldchen Kaup mit dem Hügelgräberfeld. Am Rand der Skizze steht: "Etwa hier die Siedlung" Wenn er die finden würde, bekäme das versunkene Volk wieder ein Gesicht. Doch Eberts Angabe ist vage, die Fläche rund um das Wäldchen riesig.

Max Ebert Quelle: ZDF

Wie eine Perlenkette lagen die mittelalterlichen Handelszentren am Südrand der Ostsee. Von Haithabu bis nach Russland. Gehörte Wiskiauten dazu? Ein Kreuz erinnert an den ersten christlichen Missionar. Er wurde von den Prußen erschlagen. "Bei gutem Wind", erklärt der Chef des Landesmuseums, Professor Claus von Carnap-Bornheim, "waren die Wikinger aus Haithabu in sieben Tagen an der Samlandküste". Um den Bernstein direkt bei den Prußen abzuholen. Aber noch ist alles Spekulation. Das Samland ist ein geschichtsträchtiger Boden mit seinen immer noch mächtigen Prußen-Burgen.

Tonscherben aus dem Wäldchen Kaup Quelle: ZDF

Timo Ibsens Aufgabe ist es, die Siedlung zu lokalisieren. Das Gebiet rund um Wiskiauten wurde von den Armeen des Zweiten Weltkriegs regelrecht umgepflügt. Trotzdem findet Ibsen zwischen den Zeugnissen der verheerenden Kämpfe Scherben aus dem frühen Mittelalter: Keramik der Prußen.

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