Hippodrom in Trümmern

Auferstehung durch dreidimensionale Rekonstruktion

Kaiser Johannnes VIII. ist 44 Jahre alt, gezeichnet von Krankheit und dem Ringen um die Macht. Er ahnt, dass die über Jahrhunderte sicheren Verteidigungsanlagen der Stadt diesmal nicht ausreichen werden. Ein Zeichen des Niedergangs der Stadt ist auch das längst verfallene Hippodrom.

Immer wieder konnten in der Vergangenheit Plünderungen durch Schutzgeldzahlungen vermieden werden. Aber der klamme Staatshaushalt erlaubt keine großen diplomatischen Schachzüge mehr.

Zeichen des Niedergangs

In den Straßen sieht Kusanus überall die Zeichen des Niedergangs. Die Türken haben die Stadt vom Nachschub abgeschnitten, Hunger und Elend breiten sich aus. Von den unzähligen Statuen, die einst die Straßen schmückten, ist nichts mehr zu sehen, und das mächtige Hippodrom, im vierten Jahrhundert nach dem Vorbild des römischen Circus Maximus von Kaiser Konstantin fertiggestellt, liegt in Trümmern. Wo einst Tausende den waghalsigen Wagenlenkern zujubelten, bedient sich jeder der Baumaterial braucht an den antiken Monumenten.

Loge mit direktem Zugang

Sogar Glückspielautomaten gab es in der Antike. Sie waren zu Dutzenden rund um das Hippodrom zu finden. Vier Bahnen symbolisieren die Startaufstellung der Pferderennbahn, vier Kugeln entsprechen den Farben der berühmtesten Rennställe der Stadt. Die Byzantiner wetteten hier im Kleinen, wie auf der Rennbahn im Großen auf den Sieg ihrer Favoriten. Ein Relikt aus der Zeit, als das Hippodrom noch soziales Zentrum der Stadt war.


Der Unterbau der Südkurve ist bis heute der am besten erhaltene Teil des Hippodroms und lässt ahnen, welche Ausmaße die Arena einst hatte. 400 Meter lang, 80 Meter breit. Der Kaiser hatte dort seine Loge - mit direktem Zugang zu den Gemächern in seinem Palast. Erst nach langem Forschen ist den Archäologen eine dreidimensionale Rekonstruktion des Hippodroms gelungen.

Denn es gibt keinerlei Abbildungen davon. Selbst in mittelalterlichen Darstellungen sind nur noch Ruinen zu sehen. Die letzten historischen Quellen sind Berichte über mittelalterliche Ritterturniere in der antiken Pferderennbahn. Doch wie sah die kaiserliche Loge genau aus? Wo waren die Zugänge vom Palast, wie viele Zuschauer passten in das Stadion? Mit dem Modell lassen sich die wenigen historischen Quellen überprüfen.




Beutestück der Kreuzritter

Die berühmte Quadriga mit ihren bronzenen Pferden thronte über dem Eingangstor für die Wagenlenker: Heute schmückt sich die Markuskirche in Venedig mit dem Beutestück der Kreuzritter aus dem Herzen Konstantinopels. Nur die zwei Obelisken, die die Wagenlenker in der Arena umrunden mussten, standen noch, als Kusanus Konstantinopel erkundete. Eines der Monumente wurde vor mehr als 1500 Jahren aus dem fernen Ägypten in die byzantinische Metropole gebracht.




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