Historische, ursprüngliche Landschaften finden

Die Macher über die Entstehung des Films

Alles begann mit dem amerikanischen Bestseller 1491 von Charles Mann über die wahre Geschichte Amerikas vor Kolumbus, über die blühenden Kulturen an Amazonas und Mississippi, die mit der Ankunft der Europäer verschwanden. Doch wie konnten wir die Relevanz dieses Stoffes dem deutschen Publikum verdeutlichen?

Drehteam im Chaco Canyon
Drehteam im Chaco Canyon Quelle: ZDF/Axel Schmidt

Gemeinsam mit National Geographic Channel entschieden wir uns, Europa in die Geschichte zu integrieren: die "Alte" Welt im Wechselspiel mit der "Neuen" Welt. So wurde "Der geheime Kontinent" zu einem sehr guten Beispiel einer wirklichen deutsch-amerikanischen Koproduktion. Und bald stießen wir bei diesem umfassenden Stoff an die grundsätzlichen Fragen: Warum hat Europa Amerika entdeckt und nicht umgekehrt? Worin und warum unterscheiden sich die beiden Kontinente? Eine überraschende Antwort der interdisziplinären Forschung war: Der entscheidende Unterschied liegt in der Flora und Fauna.

Interdisziplinärer Ansatz

Unberührte Wildnis in Amerika
Unberührte Wildnis in Amerika

Bereits in den 70er Jahren schrieb Professor Alfred Crosby Bücher über "Environmental History and Ecological Exchange", doch in dieser Zeit des Kalten Krieges interessierte man sich eher für die Entdeckungsgeschichte des Westens als für die globale Sicht der Umweltwissenschaften. Nicht nur im Fernsehen war man es gewohnt, die Disziplinen Naturwissenschaft und Geschichte streng voneinander zu trennen. Man machte Geschichts-, Natur- oder Wissenschaftsfilme. So linear und herkömmlich wollten wir aber die letzten 1000 Jahre Amerikas und Europas nicht erklären. Und wir versuchten, einen Film zu machen, der die Geschichte der westlichen Zivilisation anhand der Geschichte der Umwelt erzählt - und umgekehrt. Das bedeutete für uns, den Paradigmenwechsel der Forschung fernsehtauglich zu machen.

Amerikanische Rinder
Amerikanische Rinder

Historische, ursprüngliche Landschaften zu beschreiben ist vielleicht einfach - sie zu finden war jedoch äußerst schwierig. Wir haben viel Zeit damit verbracht, die richtigen Locations zu entdecken. Für historische Filmszenen kann man TV-Studios bauen. Aber für Landschaften? Dass man keine Straßen oder Häuser auf den Filmaufnahmen sehen darf, versteht sich von selbst, aber was macht man, wenn wunderschöne Bäume am Horizont stehen und keiner weiß, ob diese wirklich heimisch sind? In Südamerika gibt es kaum eine Lamaherde, in der sich nicht ein Schaf versteckt. In den USA findet man kaum einen Landstreifen ohne Getreidefelder, die es ja vor Kolumbus noch nicht gab. Und keine Gegenden ohne Kühe, die erst mit den Europäern kamen.

In ganz neuem Licht

Und Europa? Es ist übersät mit Kartoffel- und Maisfeldern. Überraschend war ebenfalls, dass nur sehr wenige Menschen hier wussten, was denn nun ursprünglich war. Die Amerikaner sind felsenfest davon überzeugt, dass Vieh und Getreide uramerikanisch sind. In Europa wissen schon mehr Menschen, dass die Kartoffel und die Tomate aus Amerika stammen, aber bei Kürbissen und Bohnen hört das Wissen auch schon wieder auf. Aus historischer Perspektive die Natur zu betrachten war ungewohnt. Gleichzeitig aber sehr spannend, weil uns klar wurde: Der neue Blick lässt unser Europa und Amerika, eben die "Westliche Welt", in ganz neuem Licht erscheinen.

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