Höhepunkt des Dramas

Der Wettlauf nach Athen

Der Höhepunkt des Dramas zwischen den beiden Streitmächten und dem Meldeläufer ist der Wettlauf nach Athen. Perser, Athener und der griechische Meldeläufer Pheidippides machen sich auf den langen und zerklüfteten Weg in die griechische Polis.

Hätten die Perser noch siegen können, wenn sie vor den Athenern in der Stadt gewesen wären? Die Historiker sind sich da nicht einig.

Wer ist am schnellsten?

Der Seeweg der Perser ist viel länger als der Landweg der Athener, aber bei günstigen Winden schneller. Und die segelnden Perser können sich ausruhen. Am Kap Sunion an der Südspitze Attikas kündet der Apollotempel den Seefahrern, dass Athen nicht weit ist. Normalerweise freuen sich athenische Kaufleute bei seinem Anblick auf zu Hause.



Welchen Weg nimmt der Meldeläufer? Die Küstenstraße, auf der auch heute noch der olympische Marathon gelaufen wird? Die Straße durchs Vrana-Tal ist deutlich kürzer - aber bergiger.

Pferde keine Alternative

Das Heer nimmt nach Expertenansicht die längere, aber besser ausgebaute Küstenstraße. Ein einzelner Läufer kann ruhig über Stock und Stein. Aber wieso hat man denn überhaupt immer Läufer geschickt und keine Pferde? Pferde sind Fluchttiere. Über kurze Strecken sehr schnell, aber über lange Distanzen ist ein trainierter Mensch überlegen. Und Pferdestaffeln waren im zersplitterten und zerklüfteten Griechenland wohl nicht zu organisieren.

Im Bund mit den Persern

Um die Perser auch dauerhaft zu vertreiben, muss Athen eine große Kriegsflotte bauen. Themistokles, der führende Politiker der Zeit, wird jedenfalls nicht müde, das von seinen zögerlichen Athenern zu fordern. Er redet auch von der Führungsrolle Athens und von den Städten in Kleinasien, die die selbsternannte Mutter aller griechischen Kolonien, nämlich Athen, beschützen muss. Und zum Schluss zeigt er immer Richtung Meer: Bei klarem Wetter kann man die gut 20 Kilometer entfernte Insel Ägina sehen - der große Konkurrent im Seehandel.


Ägina ist eine wohlhabende kleine Insel, die sich eine größere Flotte leistet als Athen, einen der schönsten Tempel Griechenlands hat und obendrein noch mit den Persern verbündet ist. Das ist eindeutig zuviel. Gegen Ägina, na gut, bauen wir die Flotte, werden sich die Athener sagen. Der Lokalpatriotismus der griechischen Stadtstaaten scheint zuweilen ausgeprägter gewesen zu sein, als das Gefühl nationaler Zusammengehörigkeit gegen einen Feind von außen.



Die jungen Krieger sind stolz auf ihren Sieg, den ihnen wenige zugetraut hatten. Laut Herodot waren sie die ersten, die den Persern standgehalten haben, vorher hatte allein der Name des Gegners für Angst und Schrecken gesorgt. Auch Kimon ist euphorisiert. Miltiades, der alte Hase, weiß, dass noch nicht alles vorbei ist. Sie müssen vor den Persern am Hafen sein. Vielleicht sogar noch einmal kämpfen. Auch Pheidippides muss rennen - als Herold der Freiheit. Deutlich schneller als das Heer. Sein Lauf wäre sonst sinnlos.

Kampf gegen die Erschöpfung

Pheidippides ist schon lange am Ende aller Reserven. Beim kleinen Tempel des Wein- und Ekstase-Gottes Dionysos hat er die Hügel hinter sich. Über 20 Kilometer liegen noch vor ihm. Leicht abfallendes Gelände. Der Wille muss enorm sein, sich noch einmal aufzuraffen. Dem Ende der Kräfte zu trotzen. Der Schwere der Beine. Aber von seiner Botschaft hängt so viel ab. Langsam wächst die Erkenntnis, dass die Perser auch in Zukunft jederzeit wiederkommen könnten, selbst wenn das athenische Heer jetzt vor ihnen in der Stadt ankommt. Wenn aber Heer und Läufer es jetzt nicht rechtzeitig schaffen, dann kann die Zukunft hier schon ein Ende finden.

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