Höhere Affen

Dscheladas leben nur noch in den Bergen Äthiopiens

Dokumentation | Terra X - Höhere Affen

Beim Moderationsdreh im äthiopischen Hochland erfährt Dirk Steffens, dass es gar nicht so leicht ist, sich zum Affen zu machen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.02.2018, 14:42

Das äthiopische Hochland ist die Heimat einer einzigartigen Spezies: Dscheladas – Affen, die sich ausschließlich von Gras ernähren. Für viele Bauern, die hier Landwirtschaft betreiben, sind sie Plagegeister und Schmarotzer, die das Getreide vom Feld stehlen. Für die Wissenschaftler sind es die Letzten ihrer Gattung: Primaten, die eine besondere biologische Nische erobert und ein komplexes Sozialverhalten entwickelt haben.

Dscheladas leben auf den Bergwiesen Nord- und Mitteläthiopiens, in etwa 2000 bis 4000 Meter Höhe. Tagsüber wandern sie in Gruppen umher und sammeln Nahrung, nachts dienen den geschickten Kletterern schmale Simse an steilen Felswänden als Schlafplatz. Hier suchen sie auch Schutz, wenn Ihnen in der Höhe Gefahr durch Fressfeinde droht, beispielsweise Raubvögel.

Kalorienarme Nahrung

Zwei Dscheladas auf einem Felsvorsprung
Droht Gefahr, flüchten sich Dscheladas oft auf kleinste Felsvorsprünge. Quelle: BBC

Obwohl sie den Pavianen ähnlich und eng mit ihnen verwandt sind, bilden die Dscheladas eine eigene Gattung mit dem wissenschaftlichen Namen Theropithecus gelada. Sie sind weltweit die einzigen Gras fressenden Primaten, die bis heute überlebt haben. Im äthiopischen Hochland haben sie ihre Nische gefunden. Hier müssen sie nicht mit den großen Grasfressern der Savanne konkurrieren. Anders als andere Affen können sie Grasnahrung gut verwerten, ihr Verdauungsapparat ist darauf spezialisiert. Allerdings liefern die dünnen Halme nur wenige Kalorien. Das zwingt die Dscheladas dazu, sich bis zu 10 Stunden täglich der Nahrungsbeschaffung zu widmen: 15 Prozent ihres Körpergewichts müssen sie jeden Tag sammeln.

Da die Dscheladas die meiste Zeit im Sitzen fressen, haben sie sich in ihrer Evolution besonders entwickelt. Während bei anderen Primatenarten ein rotes Hinterteil des Weibchens Paarungsbereitschaft signalisiert, präsentiert ein Dschelada seine erotischen Signale an anderer Stelle: Das Fruchtbarkeitsmerkmal sitzt bei ihnen auf der Brust, es ist ein haarloser, sanduhrförmiger rosaroter Fleck, der bei brünstigen Weibchen und dominanten Männchen, die die Rolle des Familienvaters einnehmen, leuchtend rot gefärbt ist. Wegen dieses Flecks nennt man die Dscheladas auch Blutbrustpaviane.

Ein anstrengender Job

Dschelada-Männchen im Hochland von Äthiopien
Männchen sind größer als Weibchen und haben eine eindrucksvolle Mähne. Quelle: dpa

Die Stellung des Männchens hängt mit der Größe seines Harems zusammen. Nur das stärkste Männchen darf sich fortpflanzen. Doch das ist eine fordernde Aufgabe, denn es gilt sowohl die Weibchen zu befriedigen als auch die Rivalen in Schach zu halten. Junggesellen lauern ständig auf ihre Chance, die Weibchen für sich zu gewinnen und den Harem zu übernehmen. Oft kommt es zu Konfrontationen. Mit Drohgebärden, wie dem Entblößen des Gebisses durch Hochziehen der Oberlippe, und, wenn das nichts hilft, Verfolgungsjagden und Zweikämpfen sollen die störenden Konkurrenten eingeschüchtert werden. Unabhängig vom Ausgang dieser Kämpfe bestimmen letztendlich die Weibchen, mit wem sie sich paaren. Sie sind es, die generell im Familienverband das Sagen haben.

Dscheladas sind nicht akut vom Aussterben bedroht, nach der IUCN-Liste gelten sie als gering gefährdet. Die Population wird grob auf 200.000 Tiere geschätzt. Doch die Ausbreitung der Landwirtschaft und die damit verbundene Zerstückelung ihres Lebensraumes bringt sie in Bedrängnis. Felder und Weideland reichen oft bis in ihre Domäne hinauf. Da mit der Bevölkerung im zentralen Hochland Äthiopiens auch der Bedarf an landwirtschaftlich nutzbaren Flächen weiter wächst und die Menschen auf die Erträge der Landwirtschaft angewiesen sind, wird sich diese Entwicklung in Zukunft noch verstärken.

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