Hoffnung auf Rettung

Der Brief des mysteriösen Johannes ermutigt den Papst

Alexander fühlt sich durch den Brief ermutigt, einen weiteren Kreuzzug zu organisieren. Doch Kaiser Friedrich Barbarossa besitzt als Einziger die Macht diesen anzuführen. Der Regent muss jedoch zuerst seine Position im eigenen Reich festigen. Zudem steht er auf Seiten des Gegenpapstes - er ist also ein Intimfeind von Alexander. Verdächtig ist, dass die Suche nach Johannes ausgerechnet in sein Umfeld führt.

Mysteriöser Brief des Johannes Quelle: ZDF

Die bedeutende Handschriftensammlung der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel birgt das früheste Dokument des Abendlandes, das den Priesterkönig Johannes erwähnt. Es handelt sich um die Chronik des Bischofs Otto von Freising. Der enge Berater Barbarossas schrieb damit das Geschichtskompendium des Mittelalters. Für das Jahr 1145 ließ Otto notieren, ein König und Priester namens Johannes habe die Perser und Meder geschlagen und einen Zug gegen Jerusalem unternehmen wollen. Otto galt als eine seriöse Quelle. Für Papst Alexander jedenfalls war es die Bestätigung, dass der Presbyter Johannes existierte.

Chronik des Bischofs von Freising Quelle: ZDF

"Herrschaft der Milde"

Das Kirchenoberhaupt wollte den mysteriösen Fremden als Bundesgenossen präsentieren, um doch noch einen neuen Kreuzzug auf den Weg zu bringen. Als der Brief des Priesterkönigs eintraf, sah der Heilige Vater die Chance, seinen Plan zu verwirklichen. "Ich bin ein frommer Christ", hieß es ermutigend im rätselhaften Brief, "und wo immer Christen von unserer Herrschaft der Milde regiert werden, schützen wir sie und unterstützen sie." - "Wir haben das Gelübde getan, das Grab des Herrn mit einem sehr großen Heer zu besuchen, die Feinde des Kreuzes Christi zu demütigen und zu bekämpfen sowie seinen heiligen Namen zu verherrlichen."

Falls Alexander III. jemals Zweifel an der Echtheit des Schreibens gehegt haben sollte, ließ er sich das nie anmerken. Doch in jenen Tagen schlug das Versprechen des Priesterkönigs ein wie eine Bombe. Seine Worte gaben den Christen Hoffnung - so, als ob die Heerscharen des Allerhöchsten selbst mitmarschieren wollten, um Jerusalem zu retten.

Nicht von dieser Welt

Mit der Streitmacht des Priesterkönigs - einer Armee, die nicht von dieser Welt zu sein schien - hätte gelingen könnte, hoffte man, was die Kirche über ein halbes Jahrhundert erfolglos versucht hatte: die völlige Vernichtung des Islam. Der politisch geschwächte Papst sah sich plötzlich in der Gunst eines mächtigen Herrschers - dank eines einzigen Briefes. Wenn die Soldaten des Johannes mit Belagerungsstürmen auf Jerusalem vorrücken sollten, dann müsse die arabische Armee vor der Übermacht kapitulieren, träumte Alexander.

Soldaten aus dem Heer des Johannes Quelle: ZDF

"Wir lassen uns dreizehn große und emporragende Kreuze, hergestellt aus Gold und Edelstein, an den einzelnen Wagen an Stelle von Bannern vor unserem Angesicht her tragen." - "Und jedem von ihnen folgen zehn Tausend Ritter und hundert Tausend bewaffnete Fußsoldaten - abgesehen von denjenigen, die für Lastentransport und die Versorgung des Heeres mit Lebensmitteln zuständig sind." So verhießen es die Zeilen des Presbyters. Das Kirchenoberhaupt verstand das Angebot als Rettungsring. Mit Abschriften eilten Boten an die Höfe der europäischen Fürsten. Von ihnen erwartete der Papst, dass sie ins Heilige Land aufbrechen - nun, da er mit einem starken Verbündeten aufwarten konnte.

Ebstorfer Weltkarte Quelle: ZDF

Elemente aus dem Brief

Das Kloster Ebstorf in der Lüneburger Heide war im frühen 13. Jahrhundert ein Hort der Wissenschaft. In jener Zeit amtierte dort Probst Gervasius von Tilbury. Der angesehene Berater von Königen und Bischöfen ließ in den ehrwürdigen Hallen die so genannte Ebstorfer Weltkarte herstellen. Das Kunstwerk zeigt Elemente aus dem Brief des Johannes: so die Menschen fressenden Völker Gog und Magog, über die er gebietete, und die Stämme am Ende der Welt. "Über drei Indien herrscht unsere Hoheit", hieß es im Brief.

Auf der Ebstorfer Karte liegt Indien im äußersten Osten - unmittelbar neben den Gärten des Paradieses. Im Mittelpunkt des Plans liegt Jerusalem - das Zentrum der damaligen Weltvorstellung. Mit knapp 13 Quadratmetern Fläche ist die Ebstorfer Weltkarte der größte Atlas des Mittelalters. Dennoch liefert die reich illustrierte Komposition nur wenige historische Fakten.

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