Holzplanken unter der Lupe

Rückschlüsse auf Alter und Schiffstyp gesucht

Im Januar 2003 erhalten zum ersten Mal deutsche Experten die Erlaubnis, das Wrack zu untersuchen. Anlässlich der 100-jährigen Unabhängigkeitsfeier des Landes hat sich die deutsche Botschaft in Panama bereit erklärt, die Forscher aus Freiburg zu unterstützen.

Leiter ist der badische Bergungsunternehmer Klaus Keppler. Für ihn ist der mögliche Ankerplatz des Schiffs von besonderer Bedeutung. Die Bucht von Playa Damas ist ideal und daraus ergeben sich für Klaus Keppler zwei Rückschlüsse:

Antwort auf dem Meeresgrund

Doch aus welchem Grund? Waren die maroden Kähne damals in Seenot geraten? Keppler ist sicher, die Antwort des Rätsels liegt auf dem Meeresgrund. Den Routinier interessiert vor allem die Lage des Rumpfes und der einzelnen Gegenstände vor Ort. Aus dem Erscheinungsbild, so hofft er, lässt sich der Ablauf des Untergangs rekonstruieren.

Spuren des Terredo Navalis

Klaus Keppler zählt zunächst die steinernen Kanonenkugeln und vermisst sie. Anzahl und Größe der Geschosse sind ein wesentlicher Bestandteil bei der Beurteilung des Wracks. Doch noch eine andere Auffälligkeit weckt Kepplers Neugier. Eine Ansammlung von mittelschweren Kanonen, exakt aufeinander gestapelt, als habe man sie gelagert - ein Hinweis darauf, dass das Schiff nicht plötzlich gesunken sein kann.


Klaus Keppler und der Archäologe Dr. Carlos Fitzgerald haben die Erlaubnis, eine Bestandsaufnahme des Wracks durchzuführen. Das Interesse der Männer gilt vor allem Holzstrukturen, die deutliche Spuren des Terredo Navalis, des Holzbohrwurms, aufweisen. Denn bis 1508 hatten europäische Segler keinen Bleirumpf. Für die gefräßigen Schädlinge leichtes Spiel, für die Schiffseigner jedoch eine Katastrophe.

Zwischen zwei Holzstücken finden sie das Randstück einer Tinaja. Eines der Gefäße, in denen die Spanier Kräuter, Öl und Wein aufbewahrten. Nur wenige Meter weiter löst Carlos Fitzgerald vorsichtig das Stück einer Planke. Vielleicht der entscheidende Beweis in der Frage, wer wann auf diesem Schiff bis an die Küste Panamas gelangte. Noch ist der Fall Kolumbus wie eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Nicht einmal der Schiffstyp kann bisher identifiziert werden.


Einzige Datierungsmethode

Anfang Februar 2003 wird eine Box mit den Fundstücken zum Deutschen Archäologischen Institut nach Berlin geschickt. Die Dendrochronologie gilt derzeit als die einzige Datierungsmethode, die präzise über Alter und Herkunft historischer Hölzer Auskunft gibt. Unter dem Mikroskop misst der Wissenschaftler die einzelnen Jahresringe. Dann vergleicht er sie mit bekannten Holzproben aus unterschiedlichen Jahrhunderten und ermittelt so das Fälldatum eines Baumes.

Doch die 30 gezählten Ringe sind zu wenig für eine präzise Altersbestimmung. Das Material wird zu einer Kohlenstoffanalyse nach Kiel geschickt. In Kiel hoffen die Forscher, endlich einen Schritt weiter zu kommen. Die Holzstücke vom Wrack werden nach der C14-Methode behandelt. Dafür bereiten die Forscher einige Späne in einem Reagenzglas chemisch auf und erhitzen sie anschließend. Der Teilchenbeschleuniger ermöglicht Messungen von Radioaktivität im Probenmaterial und gibt so Aufschluss über das ungefähre Fälldatum des Baumes. Der Institutsleiter Professor Grootes datiert das Holz vom Meeresgrund um das Jahr 1475.

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