Homo ergaster und Homo erectus

Ausdehnung nach Asien

Die nächste Episode unserer Geschichte spielt vor weniger als zwei Millionen Jahren. In Afrika, der "Wiege der Menschheit", herrscht starke Konkurrenz zwischen Habilis und anderen Hominidenarten.

Die Populationen wächst und die Nahrung wird knapp. Es gilt, immer neues Land zu erobern. Homo ergaster ist der bedeutendste Entdecker und wahrscheinlich ein Mitglied unserer Ahnenreihe. Generation für Generation breitet er sich über die Erde aus, nutzt die Wege, die die Eiszeit geschaffen hat und selbst als die Gletscher sich zurückziehen, ist sein Siegeszug noch nicht zu Ende.

Reiferes Gefühlsleben

Ergaster legt Strecken zurück und dringt in Gebiete vor, die seinen Vorfahren gänzlich unbekannt waren. Er ist ein fantastischer Läufer, hält sich völlig aufrecht, benötigt wenig Energie und kann große Distanzen überwinden, ohne zu essen oder zu trinken. Sein Gehirn ist noch größer als bei Habilis. Wissenschaftler trauen ihm neben mehr Intellekt vor allem auch ein reiferes Gefühlsleben zu. Ergaster hat ein Bewusstsein dafür, dass er Teil einer Gruppe ist. Einer hilft dem anderen und jeder weiß, dass sein Leben von der Unterstützung der anderen abhängt.

Dieser Zusammenhalt stärkt die gefühlsmäßigen Bindungen zu anderen. Allerdings kann auch die Gemeinschaft nicht immer helfen. Der Verlust einer nahe stehenden Person bedeutet heftigen Schmerz. Obwohl Ergaster an die Gefahren seiner Wanderungen gewöhnt ist, kann er sich nicht einfach mit den Tatsachen abfinden. Der Clan macht nach der schwierigen Überquerung eine Pause. Die Gruppenmitglieder versuchen, sich gegenseitig zu beruhigen - zum Beispiel durch Nahrungsaustausch. Ergaster sieht das Bild seiner Gefährtin deutlich vor sich, aber sie selbst wird nie mehr bei ihm sein. Mit den Versuchen der anderen ihn zu trösten, kann er nichts anfangen. Was er spürt, ist Schmerz und Trauer - und wahrscheinlich war es ein Ergaster, der die erste Träne weinte.

Gewaltiger Entwicklungsschritt

Wenn jede Generation nur 100 Kilometer zurücklegte, so hätte es 5000 Jahre gedauert, um von Kenia nach China zu gelangen. Tatsächlich erreicht der Nachfahre von Ergaster nach relativ kurzer Zeit Asien. Der neue Mensch ist noch erfolgreicher als Ergaster. Sein Name: Erectus, "der aufrecht gehende Mensch". Dieser neue Typus macht einen gewaltigen Entwicklungsschritt: Erectus ist ein echter Jäger. Mit seinen perfektionierten Waffen tötet er seine Beute selbst, um sich Nahrung zu verschaffen. Er ist nicht mehr auf Aas angewiesen. Seine wichtigste Waffe ist die gute Organisation. Dank der neuen Methode Nahrung zu beschaffen, isst Erectus mehr Fleisch als seine Vorfahren. Sein Gehirn hat sich enorm entwickelt und umfasst jetzt rund 1000 Kubikzentimeter - mehr als das Doppelte von Orrorin oder Toumai.

Im Clan von Erectus beginnt man, sich stärker zu spezialisieren. Einige zerlegen die Beute, die andere gejagt haben. Erwachsene erhalten zuerst ihre Ration, dann die Kinder. Offenbar lernen die Kinder einer Erectusfamilie bereits bestimmte Regeln, die nötig sind, um den Clan effektiv zu organisieren. Erfolgreich ist Erectus aber auch, weil er alle Ressourcen ausnutzt.

Nicht zu stoppen

Trotz aller neu gewonnenen Fähigkeiten und Spezialisierungen bleibt er ein Opportunist. Im prähistorischen China breitet er sich explosionsartig aus und bevölkert über eine Million Jahre die Wälder und Steppen. Auch an anderen Orten ist der Erfolgsmensch nicht zu stoppen. Er entdeckt das Feuer, optimiert seine Waffen und bringt fast überall auf der Welt ganz unterschiedliche und sehr gut angepasste Nachkommen hervor. Einer der berühmtesten ist der Neandertaler.

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