Hunger und Seuchen

Dauer der Belagerung als großes Problem

Die Lage der Wiener war mehr als hoffnungslos: Die eingeschlossenen Bürger hungerten, die Brunnen waren verseucht, die Rote Ruhr wütete. Andere fielen den Kanonen- und Gewehrkugeln der Türken zum Opfer. Vor allem traf es die Verteidiger auf den Mauern der Stadt.

Tief unter dem Stephansdom zeugt davon eine Gruft. Sie wurde während der Türkenbelagerung zum Friedhof, denn die Begräbnisstätten lagen jetzt unerreichbar außerhalb der Stadt. In den Knochenkammern befinden sich noch heute die Gebeine Tausender Toter aus der Zeit der Türkenbelagerung.

Unbehelligt durchs Lager


Michaelowitz-Bericht (02:00 Uhr): "Wien war nicht länger zu halten. Des Nachts machte ich mich auf den gefährlichen Ritt durch das feindliche Lager. Es war die einzige Möglichkeit, das Hilfegesuch Starhembergs an den Oberkommandanten des Entsatzheeres zu überbringen. Die Streiter des Islam hielten Wache. Niemand von ihnen ahnte, dass ich auf der Seite der Ungläubigen stand, wie sie uns nannten, und geheime Nachrichten übermittelte. Es war ein riskantes Unternehmen, denn vor mir hatten sie schon zwei Kundschafter entdeckt und geköpft. Ich war für die Türken kein Unbekannter und als Orientwarenhändler mit ihrer Sprache und ihren Sitten bestens vertraut. Ich brachte ihnen öfters Tabak, denn auch ihr Nachschub war ins Stocken gekommen. So konnte ich unbehelligt durch ihr Lager reiten, zum Entsatzheer der Verbündeten auf dem Kahlen Berg."

Fast 200.000 Mann lagern unter dem Halbmond vor Wien. Befehligt wird das osmanische Heer vom Groswesir Kara Mustafa. Er gilt als machtgierig und skrupellos, und ist zu allem entschlossen. Die Wiener stellt er vor die Wahl: "Übergebt ihr mir Wien, werden alle, vom Kleinsten bis zum Größten, geschützt werden. Weigert Ihr Euch aber, so werden wir Euch erstürmen und alle, vom Kleinsten bis zum Größten, über die Klinge springen lassen." Die Wiener aber wollen sich lieber "unter Ruinen begraben lassen, als kapitulieren".

Warten auf die polnischen Truppen




Wien war kaum noch zu halten. Aber Kara Mustafa hatte einen entscheidenden Fehler gemacht: Er verkannte die strategische Bedeutung der Wiener Höhen. Das gab der alliierten Armee die Möglichkeit, den Osmanen in den Rücken zu fallen. Mit 75.000 Mann in drei Heeresgruppen wollten sie angreifen. Doch in der Nacht zum 12. September sind die polnischen Truppen immer noch im Anmarsch durch den Wiener Wald. Ihre Verspätung gefährdet den strategischen Plan der Allianz.





Michaelowitz-Bericht (03:00 Uhr): "Als ich im Hauptquartier der Alliierten auf dem Kahlen Berg ankam, sah ich zu meiner Erleichterung: Alle bereiteten sich auf die kommende Schlacht vor. Nun galt es, keine Zeit zu verlieren. Ich wurde an den polnischen König Jan Sobieski verwiesen. Denn er hatte den Oberbefehl der Allianz."

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