"Il papa terrible"

Julius II. als Feldherr und Kriegerpapst

Alexanders Plan, das Papsttum erblich zu machen, ging nicht auf. Und was vielleicht noch schlimmer war: Julius II., sein Todfeind wird der neue Papst, der ewige Rivale im Kampf um die päpstliche Macht. "Il papa terribile" haben sie ihn später genannt. Der schreckliche Papst.

Porträt von Julius II. Quelle: ZDF

Mit dem Nachfolger von Alexander übernimmt am 22. September 1503 ein Mann die Regie, der als "Retter des Papsttums" in die Geschichte eingehen will: Kardinal Giuliano della Rovere. Bereits im Konklave von 1492 war er der große Favorit, doch gegen die korrupten Machenschaften der Borgia blieb er chancenlos. Nach elf Jahren beharrlichen Wartens ist seine Stunde gekommen. Doch auch er erkauft sich seine Wahl durch üppige Geschenke an die Kardinäle. Sein Hass auf die Borgia ist grenzenlos, sein Ziel ist es, sie als Sündenböcke zu brandmarken. Unter ihm soll das Papsttum die unter den Borgia verloren gegangene Majestät zurückgewinnen.

Julius II. in Rüstung Quelle: ZDF

Der Cäsar auf dem Papstthron

Julius II., der Cäsar auf dem Papstthron, ist ein Mann, der den Schlachtenlärm liebt. Als Greis von fast 70 Jahren tauscht er die Tiara gegen Rüstung und Helm - und zieht in den Krieg. Als Neffe von Papst Sixtus IV. sieht er seine Mission darin, die weltliche Macht des Papsttums zu festigen. Er lässt Cesare Borgia verhaften und erobert alle Gebiete, die der Sohn von Alexander VI. in seine Hand gebracht hat, zurück. Es gelingt ihm mit Hilfe seiner Schweizer Elitetruppen, Italien von der französischen Fremdherrschaft zu befreien. "Il papa terrible" wird der mächtige und gewaltige Kriegerpapst von Zeitgenossen genannt, der selbst an der Spitze seiner Truppen ins Feld zieht.

Eigentlich darf ein Stellvertreter Christi keine Feldzüge führen, aber er tut es trotzdem. Julius II. hat sich gezielt über Verbote dieser Art hinweg gesetzt. Für Julius II. gehört die gewaltsame Verteidigung des Papsttums zu seinem göttlichen Auftrag. Doch Julius II. ist nicht als sündiger Mensch in die Geschichte eingegangen, sondern als "Retter des Papsttums". Er zeichnet sich durch Mut und gewaltige Willenskraft aus. Er ist ein Feldherr der Kirche und will sich mit einer Kathedrale ein triumphales Denkmal setzen. Die Vision seines Onkels Sixtus IV. vom neuen "Caput mundi", vom römischen Haupt der Welt, soll vollendet werden

Grundriss der "neuen" Peterskirche Quelle: ZDF

Säulen, die in den Himmel wachsen

Im Jahr 1506 stellt Julius II. sich an die Spitze eines architektonischen Mammutprojektes. Er engagiert den Architekten Bramante, in dem das Feuer des Besessenen brennt. Ein Gotteshaus mit Säulen, die in den Himmel wachsen, schwebt dem Baumeister vor, gekrönt von einer gewaltigen Kuppel. Sein Plan ist revolutionär: er will die alte Peterskirche abreißen und durch einen prachtvollen Kirchenpalast ersetzen. Ein bis dato nie gesehener Bau auf europäischem Boden, zumindest in der Nach-Antike.

Um die hochfliegenden Pläne des Papstes in die Tat umsetzen, wird ein Heer von 2.500 Arbeitern beschäftigt. Rom wird zur größten Baustelle ganz Europas. Julius gerät ins Kreuzfeuer der Kritik, weil er die alte Peterskirche, das größte Heiligtum der Christenheit, zerstören lässt. Doch nichts kann ihn davon abhalten. Sogar das Petrusgrab will der Architekt verlegen. Das aber geht auch dem Papst entschieden zu weit.

Baustelle Rom Quelle: ZDF

"Maestro Ruinante"

Die Herausforderung des Entwurfs ist die gewaltige Kuppel, von der Zeitgenossen glauben, dass sie niemals vollendet werden kann. Papst Julius verfolgt seine Idee mit äußerster Entschlossenheit - koste es, was es wolle. Die Ruine der alten Basilika und die Fragmente der neuen bilden anfangs einen dramatischen Gegensatz. Die Menschen sehen nur den unerhörten Vandalismus, mit dem Bramante die alten Denkmäler in Schutt und Asche legt. Sie nennen ihn "Maestro Ruinante".

Bramante plant den Grundriss als griechisches Kreuz, über dessen Mitte, gestützt von vier Pfeilern, die größte Kuppel der Welt ruht. Sie ist das Herz der neuen Kirche, die große Vision, die es zu verwirklichen gilt. "Du bist Petrus, auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und Dir werde ich den Schlüssel zum Himmelreich geben." Diese Worte zieren die Kuppel.

Feierliche Grundsteinlegung der neuen Kathedrale Quelle: ZDF

Feierliche Prozession

Am 18. April 1506 wird der Grundstein für die neue Kathedrale gelegt. Der Papst betritt die Baustelle in feierlicher Prozession, gefolgt von Kardinälen und Prälaten. Julius steigt selbst in die Grube des Fundaments und segnet den Grundstein aus weißem Marmor. "Papst Julius hat diese sehr verfallene Basilika im dritten Jahre seiner Regierung wiederherstellen lassen", lautet die Inschrift.

Zeichnungen der Baustelle in Rom Quelle: ZDF

Julius II. legt den Grundstein für ein neues Rom. Vollenden kann er den Prachtbau der Peterskirche nicht. Zurück bleibt eine gigantische Ruine - ein Erbe, das die Spaltung der Christenheit riskiert. Nur wenige Skizzen legen Zeugnis darüber ab, wie das Skelett der neuen Kathedrale aussah, als Julius starb. Ein niederländischer Zeichner hat sie angefertigt. Die kostbaren Originale befinden sich wohl gehütet im Berliner Kupferstichkabinett.

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