Im Auge des Sturms

Starke Winde bringen Spaß, aber auch Gefahren

Neuseeland ist isoliert, von viel Wasser umgeben und liegt auf dem vierzigsten Breitengrad der Südhalbkugel. In jener Region sind die berüchtigten "brüllenden Vierziger", starke Westwinde, unterwegs. Noch dazu sorgen fast 3000 Meter hohe Berge dafür, dass sich die Sturmwinde bündeln und ein Sog entsteht. Diese Lage Neuseelands im Fadenkreuz der Naturgewalten bleibt nicht ohne Folgen.

US-Segeljacht beim Louis Vuitton Cup 2002
US-Segeljacht beim Louis Vuitton Cup 2002 Quelle: ap

Wind und Sturm sind fest mit Neuseeland und seinen Einwohnern verbunden. Die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, verwenden zahlreiche Wörter für unterschiedliche Windarten und unterscheiden dabei die Richtung und die Region, in der der Wind bläst. Mit Ritualen und Besschwörungsformeln versuchten Maori-Priester einst den Wind zu beeinflussen. Ziel war es, ihn anschwellen zu lassen im Kampf gegen Feinde oder aber ihn zu besänftigen, um aufs Meer hinaus zum Fischen fahren zu können. Als 1769 James Cook als einer der ersten Europäer Neuseeland betrat und sich bei den Ureinwohnern nach der Bezeichnung der Region erkundigte, waren diese überzeugt, er frage nach dem dort wehenden Nordwind, und nannten ihm dessen Namen. Noch heute wird die Bucht nach dem Maoriwort "Tolaga" genannt.

Die Meerenge zwischen Süd- und Nordinsel bündelt den Wind (Animation)
Trick Windkanal Quelle: ZDF

Windiges Wellington

Doch warum ist es in Neuseeland so windig? Zum einen liegt das aus zwei großen Hauptinseln bestehende Land isoliert im Südpazifik. Sturmwinde, die meist aus Westen den vierzigsten Breitengrad entlangkommen, nehmen so über Tausende Kilometer hinweg ungehindert Anlauf, bevor sie letztlich Neuseeland erreichen. Hier prallen sie zunächst auf der Westseite Neuseelands auf hohe Bergketten. Dann schneien und regnen sie sich aus, bevor die Luftströmungen als schnelle Fallwinde nach Osten weiterziehen. Vor allem die Gegend um die Hauptstadt Wellington wird oft von starken Sogwinden heimgesucht. Hier bilden die nördliche und die südliche Insel Neuseelands einen Trichter, in dem sich die Winde bündeln und verstärken. Da der Flughafen Wellingtons genau in diesem Windstrom liegt, wird das Landen auf ihm nicht selten zu einer heiklen Wackelpartie, die bislang jedoch immer gut ausging.

Die meiste Zeit, insgesamt knapp zwei Drittel des Jahres, wehen in Wellington Westwinde. Sie sind typisch für die Region zwischen dem vierzigsten und fünfzigsten Breitengrad. Hier wüten die sogenannten "roaring forties", Westwinde, die auf dieser Höhe um den gesamten Globus wehen und unter anderem von Seglern verwendet werden, um die Welt zu umrunden. Mit mehr als 60 Kilometern pro Stunde treffen sie auf Neuseelands Hauptstadt. Die übrigen Winde Wellingtons sind Südwinde aus Richtung der Antarktis. Sie bringen kalte Luft und gelegentlich Schnee mit sich. Nur an etwa zehn Prozent der Tage im Jahr ist es in Wellington windstill. Die Neuseeländer nehmen das Wetter ihrer Hauptstadt gelassen und bezeichnen sie scherzhaft als "Windy Wellington".

Gefahr auf dem Meer

Die starken Westwinde entfachen starke, kaum vorhersehbare Kräfte vor den Küsten Neuseelands. Für manche Menschen ist es jedoch gerade dieser "Kick", gepaart mit einem Verlangen nach Abenteuer, der sie hierher treibt. So finden hier, auf dem Meer vor Neuseeland, wo die Naturgewalten mit voller Energie präsent sind, spektakuläre Segelregatten statt.


Doch die Fahrten sind riskant. Im Sommer wird es auf den Landmassen Australien und Neuseeland sehr heiß. Trifft diese feuchtheiße Luft auf die kalten Winde, die aus der Antarktis herüberkommen, bildet sich eine labile Luftmasse. Da in Bodennähe schwache Winde wehen, in der Höhe jedoch gleichzeitig starke aus einer anderen Richtung, entsteht eine horizontal rotierende Luftwalze. Trifft die Walze nun auf ein Gebiet, in dem starker Auftrieb herrscht, kann der wirbelnde Schlauch in die Senkrechte umschwenken. So entsteht die typische schlauchförmige Windhose eines Tornados.

Tropische Zyklone

Doch nicht nur lokale Stürme wie die Tornados gibt es in Neuseeland. Gelegentlich erreichen auch große Wirbelstürme, die Tausende Kilometer überwinden können, sogenannte Zyklone, das Festland. Sie entstehen meist in den Tropen, in der Gegend um Papua-Neuguinea und Französisch-Polynesien. Hier ziehen diese tropischen Zyklone enorme Energiemengen aus dem warmen, verdampfenden Wasser, bevor sie weiter Richtung Süden, in gemäßigtere Breiten ziehen. Etwa neun solcher Hurrikans entstehen pro Jahr im Südwestpazifik. Auf Satellitenaufnahmen werden sie als großflächige, dichte Tiefdruckgebiete sichtbar.

Bewegt sich der Hurrikan aus den tropischen Regionen heraus und zieht über kälteres Wasser hinweg, geht ihm seine Energiequelle verloren und er schwächt sich ab. Normalerweise zersteut er sich dann und stellt keine Gefahr mehr dar. Manchmal jedoch, wenn sie auf eine Kaltfront treffen, erhalten solche extratropischen Zyklone eine neue Energiequelle. Dann gewinnen sie durch den Druck und Temperaturunterschied wieder an Stärke und ziehen mit verheerender Kraft auf das Festland zu. In zehn Jahren erreichten etwa acht solcher Stürme Neuseeland. 1968 sorgte der extratropische Zyklon Giselle für das bekannteste Unglück der neuseeländischen Geschichte. Sturmwinde zogen mit 75 Metern pro Sekunde in den Hafen von Wellington ein und brachten die Fähre Wahine zum Sinken. 51 Menschen verloren bei dem Unglück ihr Leben.

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