Im Einklang mit der Natur

Die letzten Buschleute Tansanias leben noch wie ihre Vorfahren

Die Hadzabe sind das letzte Jäger- und Sammlervolk Tansanias. Diese ethnische Minderheit von etwa 2000 Menschen lebt in einem schwer zugänglichen und relativ unfruchtbaren Gebiet rund um den Lake Eyasi. Ihr Wissen über die Natur und ihre ausgeklügelten Überlebensstrategien geben die Hadzabe von Generation zu Generation weiter.

Zwei Buschleute in Grassteppe
Zwei Buschleute in Grassteppe Quelle: ZDF

Bis heute verweigert sich das Buschmannvolk der Zivilisation. Die Hadzabe leben ausschließlich von dem, was sie in der Natur vorfinden. Alle Dinge des täglichen Bedarfs - Kleidung, Baumaterial, Jagdutensilien - und natürlich das Essen, alles stammt direkt aus der Natur. Ihre Mahlzeiten bestehen aus wilden Früchten, Beeren, Knollen und Wurzeln sowie dem Fleisch erlegter Tiere.

Wilder Honig

Bei der kargen Kost der Savanne ist der Appetit auf Süßes groß. Doch die einzige Form, in der der energiereiche Zucker für die Hadzabe verfügbar ist, versteckt sich einige Meter hoch über ihren Köpfen in Höhlen und Astgabeln von Bäumen: Honig von Wildbienen. Um an diesen Leckerbissen gelangen können, haben die Buschmänner eine raffinierte Technik entwickelt.


Der Rauch brennender Fackeln vertreibt die Bienen aus ihrem Stock. Äste im Baumstamm dienen den Hadzabe als provisorische Stufen, um zum Bienenstock zu gelangen. Dort holen sie die kostbaren Waben mit bloßen Händen aus dem Versteck im Baum. Die Buschmänner verzehren aber nicht nur den Honig, sondern die gesamten Waben. Darin befinden sich auch die Larven der Bienen. Für die Buschmänner ist das eine wichtige Proteinquelle.

Jagd mit Giftpfeilen

Mit Pfeil und Bogen machen die Hadzabe Jagd auf Gazellen, Antilopen, Perlhühner, Dikdiks und Büffel. Dank einer besonderen Strategie gelingt es ihnen, selbst große Tiere zu erlegen: Die Männer stellen nach einem uralten Rezept Pfeilgift her. Sie kochen einen Sud aus dem Stamm der Wüstenrose. Der Saft ist giftig, er schützt die Pflanze vor Fressfeinden. Eingedampft und konzentriert ist das Gift auch für den Menschen tödlich, wenn es in die Blutbahn gelangt. Ein Gegengift gibt es nicht.

Hadzabe beim Kochen des Giftsuds
Hadzabe kochen Giftsud Quelle: ZDF

Bei den Hadzabe gehen ausschließlich die Männer auf die Jagd. Sie sind geübt im Umgang mit dem Pfeilgift. Die zähe Masse streichen sie direkt hinter die Pfeilspitze. Erst mit der Dämmerung ziehen die Jäger los. Nicht immer sind sie erfolgreich, manchmal streifen sie mehrere Tage und Nächte durch das Grasland. Wenn ein Tier getroffen wird, wirkt das Gift nicht sofort. Erst mit der Zeit setzen Lähmungserscheinungen ein. Die Tiere können sich nach einem Pfeilschuss noch einige Hundert Meter bis etwa zwei Kilometer weit durch den Busch schleppen.

Übergang in die Sesshaftigkeit

Noch an Ort und Stelle schneiden die Jäger den Bereich um den tödlichen Giftpfeil heraus. So besteht keine Gefahr mehr, wenn das Fleisch später zubereitet wird, denn das Gift wirkt nur in Verbindung mit offenen Wunden. Noch etwa 2000 Buschleute leben heute so wie ihre Vorfahren. Viele Stämme wollen sich aber nicht mehr allein auf das verlassen, was sie in der Natur finden. Sie sind zu Ackerbauern geworden.

Doch es gibt Konkurrenz um die Früchte ihrer Arbeit. Durch die großen Schutzgebiete wie die Serengeti haben sich die Wildtiere in den vergangenen Jahrzehnten stetig vermehrt. So bahnt sich allmählich ein Interessenkonflikt zwischen dem Schutz der wilden Tiere einerseits und der Erhaltung von Kultur und Traditionen der letzten Naturvölker andererseits an.

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