Im Einklang mit Gott, Natur und Mensch

Religiös geprägte Kindheit mit wohlhabendem Elternhaus

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. So beginnt die wunderbare Schöpfungsgeschichte in der Bibel und endet mit dem Mensch als Krone der Schöpfung. Aber könnte es nicht ganz anders gewesen sein? Die Neugier des kleinen Charles Darwin steht am Beginn der Antwort auf diese Frage.

Darwin als Junge beim Insektenfangen Quelle: ZDF

Charles Darwin wird in eine sehr wohlhabende Familie hineingeboren, sein Großvater Erasmus, den er nicht mehr kennenlernte, war ein berühmter Arzt und Wissenschaftler. In seinem Werk "Zoonomia oder die Gesetze des organischen Lebens" nahm er sogar den Evolutionsgedanken vorweg. Darwins Vater Robert Waring ist ein vermögender Landarzt, seine Mutter Susannah stammt aus einer Dynastie, deren Keramikarbeiten weltberühmt wurden.

In Gottes freier Natur

Als Kind verbringt Charles Darwin fast jeden Tag in Gottes freier Natur. Schon früh interessiert er sich für ihre Geheimnisse. Jeden Sonntag verlässt er, mit Mutter und Geschwistern, das Elternhaus, das der Vater am Rande des mittelalterlichen Städtchens Shrewsbury erbaut hatte. Ihr Ziel ist die unitarische Kirche. Dort trifft sich eine reformierte Gemeinde, die an die Einheit von Gott, Natur und Mensch glaubt. Religiöse Dogmen lehnen sie ab.

Die Unitarier sind überzeugt von der sinnstiftenden Kraft der menschlichen Vernunft. Ein Leitmotiv für sein späteres Leben ist das Kirchenlied zum Lobpreis der Schöpfung Gottes: "Alle Dinge - leuchtend und schön - Gott hat sie alle erschaffen." Doch schon früh wird sein tröstender Glaube erschüttert. Mit acht Jahren verliert Charles, das zweitjüngste von insgesamt sechs Kindern, die Mutter. Darwin schreibt in seiner Autobiographie: "Ich kann mich kaum an meine Mutter erinnern, außer an ihr Totenbett und ihr schwarzes Samtkleid." Susannah Darwins Tod wird verdrängt, ihr Name wird kaum noch erwähnt.

Darwin liest ein Buch Quelle: ZDF

Lieblingslektüre "Wunder der Welt"

Die Schulzeit beginnt für Charles 1817 in Shrewsbury - im renommierten Internat des Dr. Butler. Die ersten Jahre verbringt er an der Seite seines fünf Jahre älteren Bruders Erasmus. Darwin erinnert sich: "Stundenlang saß ich in einer Nische der Schule und las die Historiendramen von Shakespeare. Am liebsten stöberte ich in dem Buch der 'Wunder der Welt' - dieses Buch hat sicher mein Interesse an Reisen in ferne Länder geweckt." Die Brüder sind sich darüber einig, dass ihnen die klassische Ausbildung, das Auswendiglernen alter Texte, wenig bringen kann.

Charles Darwin mit seinem Bruder bei chemischen Experimenten Quelle: ZDF,Manfred Pelz

Ein außerschulischer Zeitvertreib, dem die Darwinbrüder mit zunehmender Leidenschaft nachgehen, ist das Experimentieren mit verschiedenen chemischen Substanzen. Es ist ein teures Hobby: Für etwa fünfzig Pfund - mehr als der Jahreslohn eines Dienstboten - bekommt man die Grundausstattung für ein chemisches Labor. Der Schauplatz für die geheimen Experimente ist das Gewächshaus neben dem Familiensitz - Schwestern haben keinen Zutritt. "Wir arbeiteten oft bis spät in die Nacht - dies hier war eigentlich die beste Ausbildung während meiner gesamten Schulzeit - denn so lernte ich die Bedeutung von experimenteller Wissenschaft kennen."

Mäßige Schulleistungen

Eine noch größere Leidenschaft wird das Jagen, das Charles von seinem Bruder lernt. Sein Vater sagte: "Du hast kein anderes Interesse als Schießen, Hunde und Ratten fangen, und du wirst dir selbst und der ganzen Familie zur Schande". Die Familie setzt große Hoffnungen in den jungen Darwin, doch seine schulischen Leistungen sind eher mäßig. So beschließt sein Vater, ihn von der Schule zu nehmen und ihn sehr früh auf die Universität zu schicken.

Zunächst beginnt er in Edinburgh Medizin zu studieren. Dort, so schreibt Darwin nach Hause, "bringt mir ein Mohr bei, wie man Vögel ausstopft." Durch ihn lernt Darwin das Sezieren, eine der Grundlagen seiner späteren Karriere als Naturwissenschaftler. Der "Mohr" war ein freigelassener Sklave, den ein englischer Weltreisender aus Guayana mitgebracht und zum Präparator ausgebildet hatte. Darwin ist fasziniert von seinen Geschichten über die Tropen - und er erfährt von ihm aus erster Hand etwas über die unerträglichen Lebensbedingungen der Sklaven.

Karriere als Landpfarrer?

Cambridge Quelle: ZDF

Obwohl er Jäger war, konnte Charles kein Blut sehen. Das Medizinstudium gibt er auf. Die wichtigsten Studienjahre verbringt Charles von 1827 an in Cambridge, um dort, auf Wunsch des Vaters, Theologie zu studieren. Hier widmet er sich aber hauptsächlich naturwissenschaftlichen Fragen, die ihn schon seit der Kindheit beschäftigen. Käfersammeln ist seine große Leidenschaft. Und er wetteifert mit den Kommilitonen um die Bestimmung neuer Arten. Dennoch besteht er im Jahr 1831 das Theologie-Examen. Alles spricht für eine bequeme Karriere als Landpfarrer. Doch überraschend erhält Darwin im selben Jahr eine Einladung zu einer Weltreise auf einem Forschungsschiff, die sein Leben für immer verändern wird.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet