Im eisfreien Raum

Arved Fuchs sucht nach Spuren der Expedition von 1912

Im Sommer 2007 sticht die "Dagmar Aaen" mit Kurs auf Spitzbergen in See. Ein später Suchtrupp auf den Spuren der Expedition von 1912. Arved Fuchs hat sich vorgenommen, der Route seines Vorgängers zu folgen und die waghalsige Aktion zu rekonstruieren. Der Klimawandel macht es möglich. Inzwischen präsentiert sich die See über viele Monate im Jahr eisfrei - im Unterschied zu damals.

Dagmar Aaen auf offenem Meer ohne Eis Quelle: ZDF

Weltberühmter Abenteurer

Arved Fuchs Quelle: ZDF

Der Alltag auf der "Dagmar Aaen" ist ein streng geregelter Ablauf mit klarer Aufgabenverteilung. Die acht Crewmitglieder leben und arbeiten auf engstem Raum. Und das über viele Wochen. Mit wenig Komfort, weitab der Zivilisation. Ohne Disziplin und Teamgeist wären die Extremtouren von Arved Fuchs zum Scheitern verurteilt.



Seit 1977 unternimmt der weltberühmte Abenteurer Forschungsreisen in arktische Gebiete. Mit dem Hundeschlitten zog er siebzig Tage lang durch Grönland. Als erster Mensch erreichte er zu Fuß den Nord- und Südpol innerhalb eines Jahres. Eine herausragende Leistung. Als er seine Unternehmungen hauptsächlich aufs Wasser verlegte, kaufte der Wikinger der Neuzeit den Haikutter "Dagmar Aaen" und baute ihn um. Das Projekt Schröder-Stranz verbindet Arved Fuchs mit der Untersuchung der fortschreitenden Eisschmelze.

Fotoabgleich Quelle: ZDF

Die Magdalenen-Bay ist auf der Route von Schröder-Stranz die erste Station für Arved Fuchs und sein Team. Der Expeditionsleiter sucht die Stelle, an der die "Herzog Ernst" damals ankerte. Inmitten der gleichförmigen Landschaft gar nicht so einfach. Bei der Ortung hilft ein Foto aus dem Nachlass von Christopher Rave. Die beiden Männer sind verblüfft, denn der Gletscher ist in der Zeit rasant geschmolzen. In nur hundert Jahren -für die Erdgeschichte nicht mal ein Wimpernschlag - ein völlig verändertes Bild. Das Angenehme an der Klimaerwärmung: strahlende Sonne und milde Temperaturen in der Polarregion. In der gleichen Jahreszeit kämpfte Schröder-Stranz schon gegen den Wintereinbruch.

Trapperhütte von Rave und Rüdiger heute Quelle: ZDF

Wie vor knapp 100 Jahren

Arved Fuchs kennt die Standorte der Schutzhäuschen in der betreffenden Region. Auch das von Rüdiger und Rave hat er aufgrund ihrer Tagebuchnotizen lokalisiert. Dank des milden Klimas kein Problem, dorthin zu kommen. Mit seinem Teamkollegen Falk Mahnke nimmt er den Holzschuppen zum ersten Mal persönlich in Augenschein. Der verlassene Verschlag war der Schauplatz einer dramatischen Geschichte um Leben und Tod. Die Abgeschiedenheit des Platzes vermittelt sich noch heute. Und außer dem Schnee blieb fast alles so wie vor knapp hundert Jahren. Sogar die Reste des Mobiliars sind noch vorhanden. Die bescheidene Einrichtung stammt von Robbenfängern, die in der Baracke regelmäßig hausten. Für die den Kameramann und den Geographen der Schröder-Stranz-Expedition von 1912 Glück im Unglück.

Die "Dagmar Aaen" läuft in den Duve-Fjord an der Nordküste von Nordostland ein. Bis dorthin gelangten Herbert Schröder-Stranz und seine drei Kameraden, bevor sie für immer verschwanden. Teile der Ausrüstung, die der kleine Stoßtrupp mitführte, entdeckten Robbenfänger bereits 1937. Arved Fuchs und Falk Mahnke nehmen den Platz erneut unter die Lupe. Womöglich hat der aufgeweichte Permafrostboden seit damals weitere Gegenstände preisgegeben. Sie könnten verraten, ob der Leutnant und seine Kameraden bereits im Duve-Fjord ums Leben kamen.

Bruchstück Schlitten Quelle: ZDF

Kein endgültiger Beweis

Zunächst finden sie Bruchstücke eines Schlittens, dann einen Schuh. Sehr viel weiter als 35 Kilometer kann Schröder-Stranz nicht gekommen sein. Zumindest dann nicht, wenn der Schuh tatsächlich ihm oder einem seiner Leute gehörte. Auch wenn der Schuh nahelegt, dass die Gruppe irgendwo in dem Gebiet umkam, als endgültiger Beweis zählt das Fundstück nicht. Erst die Entdeckung der Leichen könnte den Fall abschließen.

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