Im Kreuzfeuer der Kritik

Intrigen eines Konkurrenten bringen Nobel in Bedrängnis

In Stockholm taucht ein amerikanischer Geschäftsmann auf, ein Anwalt, der sich Oberst William M. Shaffner nennt. Nobel kennt ihn flüchtig seit ein paar Jahren und folgt einer Einladung. Er hofft, in Shaffner einen Finanzier gefunden zu haben.

Doch der Anwalt interessiert sich nicht für Sicherheitskonzepte und zieht einen ganz anderen Vertrag aus der Tasche. Was er will, sind die Patentrechte für den amerikanischen Markt. Shaffner bietet einen Betrag, der für Nobel absolut unannehmlich ist. Nobel lehnt ab, doch Shaffner wird nicht so einfach aufgeben. Er wittert ein riesiges Geschäft.

Weltweite Vermarktung



Nobel hofft auf neue Chancen in Hamburg. Die Stadt wäre das ideale Drehkreuz für eine lukrative weltweite Vermarktung seines Sprengstoffs. Tatsächlich gelingt es ihm, vermögende Kaufleute von seiner Idee zu überzeugen. Vor den Toren der Hansestadt entsteht die erste internationale Nitroglyzerinfabrik. Hohe Wälle schirmen die verschiedenen Fertigungsgebäude voneinander ab. Die Arbeiter fühlen sich wie in einem Labyrinth. Schachbrettartig ist das ganze Areal in viele Sicherheitszonen aufgeteilt.

Das Geschäft boomt. Erst jetzt lässt Nobel dem eigentlichen Erfinder des Nitroglyzerins Ascanio Sobrero ein lebenslanges Gehalt auszahlen. Er selbst verdient ein Vielfaches und macht horrende Gewinne. Da kommt es 1866 in Hamburg zu einem spektakulären Patentstreit. Oberst Shaffner meldet sich mit einer Klageschrift zurück und behauptet, er habe den sicheren Herstellungsprozess des Sprengöls schon lange vor Nobel erfunden. Der habe ihm die Idee gestohlen. Alfred Nobel wird als Zeuge vernommen. Er ist aufgebracht und fest entschlossen, für sein Recht zu kämpfen. Doch Shaffner versucht mit allen Mitteln, an Nobels Gewinne zu gelangen. Dreist legt er Aufzeichnungen vor, die beweisen sollen, dass Nitroglyzerin in Wahrheit seine Erfindung sei.

Fehlgeschlagene Täuschung

Das Gericht kommt zu dem Urteil, dass Alfred Nobel der alleinige Erfinder des sicheren Herstellungsprozesses von Nitroglyzerin ist. Der Klage wird nicht stattgegeben. Shaffners Täuschungsmanöver ist fehlgeschlagen. Aber so einfach wird er nicht locker lassen. Er sinnt auf andere Mittel und Wege, um die gigantischen Gewinne Nobels doch noch in seine eigenen Taschen lenken zu können. Gelassen kehrt Nobel in sein Werk zurück. Er fühlt sich sicher und endgültig als Erfinder bestätigt. Die Produktion macht weiter Fortschritte, die Geschäfte laufen gut. Sein Erfolg scheint ungebrochen.

Doch plötzlich werden von überall aus der Welt tragische Unfälle mit Nitroglyzerin gemeldet. Sein Sprengstoff durchzieht die Länder mit einer Spur des Todes und der Verwüstung. Die sichere Produktion von Nitroglyzerin ist inzwischen zwar kein großes Problem mehr. Doch der Transport bleibt höchst riskant. Nach wie vor kann schon ein heftiger Stoß die Explosion auslösen.

Nobel am Pranger



Die Presse prangert Alfred Nobel als Schuldigen an den zahllosen tödlichen Unfällen durch seinen Sprengstoff an. Mitte des 19. Jahrhunderts steht er im Kreuzfeuer der Kritik. Nobel fühlt sich zu Unrecht beschuldigt, als Opfer einer öffentlichen Hetzkampagne. Er sei doch nur der Erfinder des Sprengstoffs, und der sei bei richtiger Anwendung absolut sicher.

Im Frühjahr 1866 reist Nobel nach New York. Er will vorführen, dass sein Sprengöl bei korrekter Handhabung völlig ungefährlich ist. Aber dort erwartet ihn eine heimtückische Falle. Erst bei seiner Ankunft erfährt er von einer Gesetzes-Initiative: bei Explosionsunglücken soll dem Hersteller des Sprengstoffs die Todesstrafe drohen. Und kein anderer als Oberst Shaffner ist die treibende Kraft hinter dieser Gesetzes-Initiative. So will er Nobel endlich in die Knie zwingen.

In die Enge getrieben

Von langer Hand hat Shaffner diesen Plan nach seiner Niederlage in Hamburg vorbereitet, alle seine politischen Kontakte hat er eingesetzt. Und jetzt lässt er Nobel wissen: Mit seinen hervorragenden Beziehungen könne er das Gesetz auch wieder stoppen, natürlich nur, wenn Nobel ihn an seinem Nitroglyzerinmonopol beteiligen würde. Nobel ist in die Enge getrieben. Er bietet Shaffner das Recht an, Nitroglyzerin für sämtliche militärischen Zwecke zu nutzen. Shaffner sieht sich am Ziel und nimmt hohe Kredite für den Bau einer eigenen Fabrik auf - nicht ahnend, dass ein Zwischenfall bald das Ende des Nitroglyzerins Booms bedeutet.



In Nobels Fabrik bei Hamburg läuft zu dieser Zeit die Produktion auf Hochtouren. Die Arbeiter fühlen sich sicher, sie glauben, dass Unfälle nur unvorsichtigen Kutschern zustoßen. Alles scheint inzwischen Routine. Doch im Mai 1866 gibt es plötzlich eine gewaltige Explosion. Zeitungen berichten von Dutzenden Toten. Trotz höchster Sicherheitsvorkehrungen ist Nobel offenbar doch nicht in der Lage, seinen Sprengstoff zu kontrollieren. Ein weltweiter Proteststurm bricht los, der dazu führt, dass in vielen Ländern der Transport und sogar der Gebrauch verboten wird. Findet Nobel keine Lösung, steht seine Firma vor dem Aus.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet