Im Machtzentrum des Großkhans

Offizielle Gesandte der Kirche erkunden Asien

Die Chronik des Otto von Freising erwähnt den Priesterkönig zum ersten Mal. Der Bischof bringt den Presbyter mit einer Schlacht gegen Muslime in Verbindung, die er "Perser und Meder" nennt. In dem Gemetzel erringt Johannes einen spektakulären Sieg. Der Kampf ist historisch belegt. Den Triumph aber verbuchte ein anderer Feldherr, stellten Forscher inzwischen fest.

Mongolen Quelle: ZDF

In den Steppen Zentralasiens formierten sich im 12. Jahrhundert innerhalb weniger Jahrzehnte Stämme zu einem gewaltigen Verbund. Als Volk der Mongolen traten die Nomaden an, Land zu erobern, zu besiedeln und ein großes Reich zu schaffen. Wie ein Wirbelsturm überfielen die Reiterscharen den gesamten Kontinent. Eine Attacke folgte der anderen. Mehr als 100.000 Krieger zogen mordend und brandschatzend durchs Land - eine Invasion des Schreckens.

Mongolen Quelle: ZDF

Kunde vom Vernichtungsschlag

Am 9. September 1141 unterlagen islamische Truppen im alten Persien tatsächlich ihrem Feind. Doch es war ein Fürst der Mongolen, der seine wilden Truppen unweit von Samarkand zum Sieg führte. Die Kunde von dem Vernichtungsschlag drang weit über die Grenzen. Das war Grund genug für die europäischen Fürsten, in dem mächtigen Khan den lang gesuchten Priesterkönig Johannes zu vermuten. Gleichzeitig aber fürchteten sie den Anführer aus dem Osten.

Man war sich der Gefahr bewusst, die dem Christentum, dem christlichen Abendland drohte. Und jetzt wollte man mehr wissen über das Volk, möglicherweise auch Möglichkeiten erkunden, wie dieses Volk zu bezwingen war. Man sandte Kundschafter aus. Die berühmtesten von ihnen waren der italienische Franziskaner Carpini, der erste offizieller Gesandte der Kirche, und sieben Jahre später der flämische Franziskaner Wilhelm von Rubruk. Beiden verdanken wir heute sehr ausführliche Berichte über die Mongolen.

Zwei Aufträge für den Kundschafter

Wilhelm von Rubruk Quelle: ZDF

Tausende von Kilometern legte Wilhelm von Rubruk zurück - über Meer und Land, durch Felsschluchten und über Gebirgspässe bis nach Zentralasien. Fast ein Jahr war er unterwegs, als er kurz vor Weihnachten 1253 endlich sein Ziel erreichte. Der Franziskanermönch diente zwei Herren zugleich: Für den französischen König sollte er mit den Mongolen ein Bündnis gegen den Islam schmieden und für Papst Innozenz IV. den Presbyter Johannes aufspüren.



Schließlich gelangte er nach Karakorum, in das Machtzentrum des Großkhans. Das war eine gigantische Stadtanlage. Am Hof lebten Christen und Muslime in Eintracht. Anders als in Europa herrschte kein strenges Patriarchat. Die Frauen des Clans übten großen Einfluss aus. Die Schwägerin des verstorbenen Dschingis Khan glaubte an die Lehre Jesu. Täglich praktizierte sie die heilige Messe. Für eine Allianz gegen den Islam aber konnte Wilhelm sie nicht gewinnen. Der Franziskaner zog weiter durch Zentralasien, um wenigstens seinen zweiten Auftrag zu erfüllen: den Priesterkönig zu finden.

Rekonstruktion Karakorum Quelle: ZDF

Lang erhoffter Fund

Wie das damalige Karakorum ausgesehen haben mag, daran arbeitet seit 1999 das Deutsche Archäologische Institut. Ein buddhistisches Kloster aus dem 15. Jahrhundert erschwert aber das Projekt, denn es steht heute auf den Ruinen der einstigen Kapitale. Schicht um Schicht legen die Teams sorgfältig frei, um in den Grabungsschnitt aus dem 13. Jahrhundert vorzustoßen. Unter den Fundamenten eines Tempels machten die Forscher bereits einen lang erhofften Fund. Die Ausgräber hievten einen Stein mit einer Doppelinschrift aus dem Boden. Sie berichtet vom Bau einer buddhistischen Anlage, die im Jahr 1220 begonnen wurde. Sie ist der Beweis für die multikulturelle Gesellschaft in Karakorum: Das Gründungsdatum auf dem Brocken erscheint sowohl in chinesischen als auch mongolischen Zeichen.

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