Im Schiffbau der Zeit voraus

120 Meter lange Dschunken mit neuartiger Schottentechnik

Zheng He steht das gesamte wissenschaftliche und technische Know-how seiner Zeit zur Verfügung. Er muss die ersten 60 Dschunken aber innerhalb von nur zwei Jahren fertig stellen. Eine neuartige Technik soll die Schiffe nahezu unsinkbar machen.

Dschunken lassen sich schnell bauen: Sie haben kaum Kiel, dafür einen extrem flachen Rumpf. Man sagt, eine Dschunke fliege über das Wasser hinweg und schneide es nicht durch.

Statische Herausforderung

Die Quellen sprechen von riesigen, mehr als 120 Meter langen Dschunken. Eine statische Herausforderung. Denn die Schiffe müssen sowohl stabil sein, als auch manövrierfähig, wenn sie nicht untergehen sollen. Doch Holzdschunken sind nicht so robust wie moderne Stahlschiffe. Übertreiben die Quellen, wenn sie von 120 Metern Länge sprechen oder waren die Schiffe tatsächlich stabil genug, um meterhohen Wellen zu trotzen?



Ein Fund aus den 70er Jahren gibt Antwort. In der Provinz Fujian stießen Handwerker auf den Rumpf einer Dschunke aus dem 13. Jahrhundert. Schon 200 Jahre vor der Flotte zeigt sich, dass Chinas Wissen im Schiffsbau wegweisend war.

Prinzip der Unsinkbarkeit

Schotten unterteilen den Schiffsrumpf in abgeschlossene Kabinen. Gerade bei den flachen Rümpfen der Dschunken, sorgt dies für große Stabilität. Schotten bieten zudem Sicherheit: die Unterteilung des Rumpfes in wasserdichte Kabinen verhindert das Volllaufen der Dschunke. Die Inspiration zur Schottenbauweise kommt vom Bambus, dem stabilsten Naturmaterial der Welt. Dabei wird das System der inneren Wände des Bambus auf den Schiffsrumpf übertragen. Es ist das Prinzip der Unsinkbarkeit.


In Europa werden Schotten erst im 19. Jahrhundert entwickelt. Die Great Eastern ist 1866 das erste europäische Schiff mit wasserdichten Unterteilungen. "Die chinesischen Schiffe waren uns um 500 Jahre voraus", urteilte ein französischer Gelehrter Anfang des 20. Jahrhunderts. Heute ist die Verwendung von Schotten aus dem Schiffsbau nicht mehr wegzudenken. In China ist diese Bauweise bereits grundlegender Bestandteil der Schiffstechnik, als die Flotte entsteht.

Größte Holzschiffe aller Zeiten

Aus allen Teilen des Landes wird Holz herbeigeschafft. Für nur ein Schiff werden ganze Wälder gerodet. Doch wie groß waren die Schiffe nun wirklich? Die Quellen berichten, dass einige von ihnen, die Schatzschiffe, mehr als 120 Meter lang seien. Neun Maste sollen sie gehabt haben. Damit wären sie bis heute die größten Holzschiffe aller Zeiten.


In den Trockendocks von Longjiang suchen die Archäologen nach Überresten der Flotte, denn sie wollen Beweise für die Größe. Im Schlamm der Werft entdeckt das Ausgrabungsteam zwei gewaltige elf Meter lange Ruder. Mit diesem Fund ist es den Wissenschaftlern endlich möglich, die Größe zu rekonstruieren. Die so genannten Schatzschiffe haben tatsächlich eine Länge von über 120 Metern und eine Breite von 50 Metern. Um diesen Koloss anzutreiben, sind neun Masten notwendig. Versetzt angeordnet, können sie den Wind optimal nutzen.

Armada mit über 300 Dschunken

Um solche Schiffe zu bauen, scheut der Kaiser keine Ausgaben. Erst im späten 19. Jahrhundert werden in Europa Schiffe der gleichen Größe gebaut. Nicht aus Holz, sondern aus Stahl. Zheng Hes Aufgabe ist aber nicht nur die Konstruktion der großen Schatzschiffe. Für den Flottenverband werden verschiedene Dschunken mit unterschiedlicher Größe und Funktion entwickelt. Nach zwei Jahren Bau sind 60 Schiffe fertig gestellt, der Beginn einer geplanten Armada von über 300 Dschunken.



Nach der Fertigstellung müssen die Schiffe zu Wasser gebracht werden. Dafür haben die Trockendocks Schleusen, die sie mit dem Yangtse Fluss verbinden. Weil die Dschunken einen flachen Rumpf haben, können auch die großen Schatzschiffe den Fluss befahren, ohne auf Grund zu setzen. Von dort aus segeln sie Richtung Meer.

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