Im Tal der goldenen Mumien

Ein Esel macht Geschichte und wird zum Goldesel

Am 1. März 1996 zeigt der Esel des Tempelwächters Abdul Maugud in der Oase Baharija ein sonderbares Verhalten. Er trabt mit seinem Besitzer auf dem Rücken etwa zwei Kilometer in die Wüste hinaus. Vor einem Bodenloch bleibt das Tier stehen. Abdul Maugud inspiziert die kleine Erdöffnung - und verharrt wie vom Donner gerührt.

Etwa 420 Kilometer südwestlich von Kairo breitet sich mitten in der Libyschen Wüste eine 2000 Quadratkilometer große fruchtbare Senke aus - die Oase Baharija. Schon vor Jahrtausenden bewohnten Menschen die grüne Insel im Sandmeer und betrieben sehr erfolgreich Landwirtschaft. Sie gelangten zu einigem Wohlstand. Von ihrem Geld leisteten sie sich prächtige Grabstätten.

Sensationsfund

Abdul Maugud schaut in das Loch vor seinen Füßen und traut seinen Augen nicht. Aus dem Dunkel funkelt es ihm golden entgegen. Sofort wird Zahi Hawass, der Leiter der ägyptischen Antikenbehörde informiert. Untersuchungen bringen das erste Grab zum Vorschein. Es enthält Mumien in großer Zahl, die meisten vergoldet und in außerordentlich gutem Zustand.

Immer mehr "goldene Mumien" tauchen aus dem Wüstensand auf. Fast drei Jahre lang kann Hawass den Sensationsfund geheim halten. Es gelingt ihm, die Stätte zu sichern und Geld für ein wissenschaftliches Grabungsprojekt aufzutreiben. Erst danach lässt er die Meldung von den epochalen Entdeckungen in der Oase Baharija um die Welt gehen. Doch längst nicht alle Gräber und Mumien sind unversehrt. Grabräuber haben an vielen Stellen ganze Arbeit geleistet - bedauerliche Verluste für die Wissenschaft.

Goldgrube

Baharija war und ist in verschiedener Hinsicht eine wahre Goldgrube. Für Grabräuber aller Couleur ist die Oase seit jeher ein ergiebiger Ort. Braucht ein Hausbesitzer Geld, beginnt er einfach, in seinem Keller zu graben. Auf dem Schwarzmarkt besteht bis heute ständig Bedarf an Kostbarkeiten aus den Tagen der Pharaonen. Auch Landwirtschaft hat in der Oase traditionell goldenen Boden. Und für Archäologen stellen die riesigen Grabanlagen ein Dorado dar.

Zahi Hawass greift zu drastischen Maßnahmen, um das Plündern der antiken Schätze zu verhindern. Der Staatssekretär und Wächter über Ägyptens Altertümer lässt auch schon mal Häuser abreißen, um eine wertvolle Stätte zu schützen. Seit 1999 wacht er ganz besonders über einen bestimmten Fundort. Er ist einem Ehepaar auf der Spur, das es in Baharija bereits zu Zeiten der Pharaonen zu etwas gebracht hat.

Gouverneurs-Gruft


Inschriften geben eine auffällig großzügig angelegte Gruft als das Grab von Zed-Khons-uef-ankh aus, einem pharaonischen Provinzstatthalter. Bei der Suche nach dessen Ehefrau stößt das Team auf eine unterirdische Kammer, die offenbar bereits von Grabräubern heimgesucht worden ist.


Dennoch gibt Hawass nicht auf. Diebe greifen immer zuerst nach Schmuck und Gold. Für den Archäologen sind jedoch Mumien, Särge und Inschriften mindestens ebenso wertvoll - und seine Hoffnungen werden nicht enttäuscht. Die Mitarbeiter legen einen Sarkophag frei, der nicht nur die gut erhaltene Mumie der Gouverneursgattin birgt, sondern auch reichlich Beigaben, vor allem Goldschmuck.

Inzwischen konnten weitere gut erhaltene Mumien geborgen werden - und es dürften noch viele folgen. Nach Einschätzung von Experten hat der Sand der Libyschen Wüste noch längst nicht alle antiken Schätze freigegeben.

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