Im Zeichen des Friedens

Andere Motive als die "großen" Kreuzfahrer

Der Schlachtruf: "Auf nach Palästina" ist im Jahre 1212 in Europa in aller Munde. Es ist das Zeitalter der Kreuzzüge. Und überall rufen Glocken die Krieger der Christenheit zum Kampf.

Alles hatte schon im Herbst 1095 begonnen. Da setzt sich eine gewaltige Propagandamaschine in Gang. Ein Gedanke: Jerusalem muss von den Ungläubigen befreit werden. Der größte Heereszug des Mittelalters marschiert gen Osten.

Mörderischer Kampf

Im Juni 1099 erreicht das Heer der Kreuzfahrer Jerusalem. Ein mörderischer Kampf beginnt. Tonnenschwere Belagerungstürme werden herangerollt. Jerusalems Mauern gelten als uneinnehmbar, doch sie fallen im Hagel der Katapulte. Den schwer gepanzerten Elitetruppen aus Europa haben die Sarazenen nichts entgegenzusetzen. Jerusalem wird schnell die Beute der Kreuzritter. Am Ende sind es 30.000 Tote. In den Moscheen erinnert heute nichts mehr daran, dass die Kreuzritter hier einst ihre Kasernen errichteten. War ihr Sieg auch total, so war ihre Herrschaft doch nur von kurzer Dauer: keine 100 Jahre währte sie.



Im Spätsommer 1187 steht der mächtige Sultan Saladin mit seinem gefürchteten Heer vor den Toren der heiligen Stadt. Im Herbst fällt Jerusalem wieder in die Hände der Moslems. Der Glaube an einen religiösen Feldzug ist nach dieser militärischen Niederlage schwer erschüttert. Gibt es eine andere Lösung? Könnten vielleicht unschuldige Kinder Jerusalem zurückerobern?

Kein Säbelgerassel

Abertausende Kreuzritter ließen in göttlichem Auftrag ihr Leben, sie starben jämmerlich, nur wenigen gelang es, lebend nach Europa zurückzukehren. Den Kindern des Jahres 1212 ist das Säbelgerassel der "Krieger Gottes" zuwider. Sie wollen im Zeichen des Friedens ziehen.


Augenzeugenbericht Rupert: Im Juli 1212 zogen wir los. Es waren ein paar Tausend, die Nikolaus und unserem Kreuz folgten. Es waren Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene, Erzieherinnen mit ihren Zöglingen, Greise, selbst Edelleute und Mönche waren mit uns. Und alle beteten für uns, auch die, die Daheim blieben. Viele hatten ihre Familien verlassen, ihre Väter und Mütter, und nichts und niemand konnte sie aufhalten.

Direkt ins Elend

Die Handschriften in der Wolfenbütteler Bibliothek berichten von Enthusiasmus, ja Fanatismus der Kinder. Nicht einmal die eigenen Eltern, so wird erzählt, konnten sie zurückhalten. Nicht mit Drohungen, nicht mit Schlägen. Sie zogen einfach los, direkt ins Elend.
Der Umgang mit Kindern im 13. Jahrhundert ist hart und unnachsichtig. Hunger und Schläge durch Eltern und andere Erwachsene sind nichts Ungewöhnliches. Das macht diese Geschundenen empfänglich für die Verheißungen des jungen "Propheten" Nikolaus.


Was haben diese Kinder zu verlieren? Sie sind schlechter dran als die Erwachsenen, denn sie sind "kleine Erwachsene". Mit den Pflichten eines harten Arbeitsalltags, aber ohne jedes Recht. Wie mag die Hoffnung auf ein gelobtes Land, in dem Milch und Honig fließen, auf diese Geprügelten gewirkt haben? Die Chroniken sind Beweis ihrer großen Sehnsucht das Paradies auf Erden zu finden.

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