In den Höhen des Wrangel St. Elias'

Erste Station auf Suche nach den Riesenbären

Für ZDF Expedition berichte ich über meine abenteuerliche Suche nach den Grizzly-Giganten in Alaska. Bei einem Teil meiner Reise begleitet mich mein indianischer Freund Greg, vom Stamm der Athabasken-Indianer - Wildnis erfahren und wetterfest.

Kieling mit Kameramann im Wrangel St. Elias Gebirge Quelle: ZDF

Um in die äußersten Regionen vordringen zu können, gibt es zwei Möglichkeiten: das Boot oder ein Wasserflugzeug, mit dem es manchmal schneller ginge. Ich habe das Boot gewählt. Denn der Nordpazifik ist eine ständige Schlechtwetterküche. Fliegen wäre nur an wenigen Tagen möglich.

Heftige Stürme, viel Niederschlag

Greg und ich haben die Küstengewässer im Golf von Alaska erreicht: bekannt für starke Meeresströmungen und unzählige Riffe, die nicht in den Seekarten verzeichnet sind. Nördlich von uns liegt die kalte Beringsee, im Süden der wärmere Nordpazifik. Ständig prallen daraus entstehende Wetterfronten aufeinander und lösen heftige Stürme mit viel Niederschlag aus. In den Bergen fällt er als Schnee und verdichtet sich zu gewaltigen Gletschern. Die Eismassen schieben sich durch ihr eigenes Gewicht in Richtung Meer. Auf einen Schlag brechen oft mehrere tausend Tonnen Eis vom Gletscher ab. Wir dürfen nicht zu nahe kommen. Durch die Klimaerwärmung kalben die Eisgiganten immer schneller.

Eis bricht vom Gletscher ab Quelle: ZDF

Nach sieben Tagen auf See, als Spielball der Elemente, erreichen wir unsere erste Station: das Wrangel St. Elias Gebirge. Direkt an der Küste ragen die Berge bis zu 4000 Metern empor. Ein völlig durchnässter Fuchs ist zur Begrüßung gekommen. Kaum ist der Anker gefallen, sehen wir die ersten Bären, allerdings noch keine Giganten.

Dramatische Jagd

Am nächsten Morgen wollen wir die Bären wieder finden, die wir vom Boot aus gesehen haben. Auf einem erhöhten Punkt halten wir nach ihnen Ausschau. Völlig unerwartet werden wir dort Zeugen einer dramatischen Jagd, die sich unten am Fluss abspielt. Wölfen ist es gelungen, einen einzelnen Karibou-Bullen zu umzingeln. Doch der schätzungsweise fünf Zentner schwere Hirsch ist ein Ernst zu nehmender Gegner, der sich zu wehren weiß.

In den vielen Jahren, die ich im Norden verbracht habe, ist dies das erste Mal, dass ich so etwas beobachten und auch noch filmen kann. Da Wölfe keinen Tötungsbiss haben, versuchen sie größere Beutetiere so schwer zu verletzen, dass sie manchmal erst nach Tagen daran erliegen. Vor Aufregung gelingt es mir nicht immer, mit dem Teleobjektiv schnell genug scharf zu stellen.

Verletzter Wolf Quelle: ZDF

Den Spieß umgedreht

Ein einziger Stich mit dem endenreichen Geweih kann schwere Folgen haben. Könnte sich der Wolf nicht rasch erholen, würde ihn sein Rudel gnadenlos ausstoßen, und alleine hätte ein verletzter Wolf keine Chance mehr, Beute zu machen. Der Karibou-Bulle hat den Spieß endgültig umgedreht und rettet damit seine Haut. Sogar Greg hat in seinem ganzen Leben noch nie so etwas gesehen.

Ich mache mich auf in die Berge. Oben ist schon Neuschnee gefallen. Hier gehen die Grizzlys bald in die Winterruhe. Körperlich wären sie zwar in der Lage, den Winter draußen zu verbringen, aber es gibt dann nicht mehr genug zu fressen. Deshalb graben sie Höhlen und lassen sich einschneien. Sie ruhen bis zu sechs Monate und zehren nur von ihren Körperreserven. Als ich ankomme, verschwinden gerade die letzten Grizzlys in ihren Winterquartieren. Ich werde keine mehr zu Gesicht bekommen. Dafür stoße ich auf viel versprechende andere Spuren.

Elch Quelle: ZDF/Andreas Kieling

Gefährlicher als Grizzlys

Schon vorher habe ich das Röhren gehört - von Elchen, die jetzt mitten in der Brunft sind. Ein Schauspiel, das ich mir nicht entgehen lassen will und das ich unbedingt auf Film festhalten möchte. Die sonst eher friedlichen Tiere sind in der Paarungszeit sehr leicht reizbar. Urplötzlich gerate ich in Lebensgefahr. Der Elch hat mich bemerkt und kommt direkt auf mich zu. Man glaubt nicht, dass Elche viel aggressivere und gefährliche Tiere sein können als zum Beispiel Grizzlybären. Jedes Jahr kommen in Alaska durch Elchangriffe mehr Menschen zu Schaden oder zu Tode als durch Grizzlybärattacken. Die bis zu einer Tonne schweren Bullen liefern sich mit ihren Konkurrenten erbitterte Kämpfe. Ihre fast 40 Kilogramm schweren Geweihe sind Waffen, die auch einen kräftigen gegnerischen Elch töten können.

Die grandiose Naturkulisse in dieser menschenleeren Wildnis schlägt mich immer wieder aufs Neue in ihren Bann. Alaska hat nicht nur kontinentale Ausmaße, sondern auch drei unterschiedliche Klimazonen. Im Norden das ewige Eis, in der Mitte Tundra und Taiga, und im Süden subarktische Regenwälder. Selten, dass es hier nicht regnet. Übers Jahr fallen bis zu 5000 Millimeter Niederschlag pro Quadratzentimeter . Das ist mehr als in tropischen Regenwäldern. Grizzlys leben hier sehr versteckt und zurückgezogen.

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