Indianer im Siegesrausch

Sitting Bulls Prophezeiung

Die Indianer kämpfen mit einer Todesverachtung, wie sie die Soldaten noch nicht erlebt haben. Ihr Führer Sitting Bull gibt ihnen das Gefühl, unbesiegbar zu sein.

Der Mann, der in Europa zum Inbegriff des edlen Indianers wurde, treibt seine Brüder an, lieber bis zum letzten Mann zu kämpfen als in einem Reservat zu verhungern. Wie sein Gegner, General Custer, hat auch er einen glanzvollen Sieg prophezeit. Sitting Bull hat eine Vision.

Sonnentanz am Medicine Rock

Der Deer Medicine Rock in der Nähe des Schlachtfeldes ist der heilige Platz der Indianer - und bis heute ein Wallfahrtsort für Sioux und Cheyennen. Hier tanzt Sitting Bull einen Sonnentanz - eine religiöse Zeremonie, aber zugleich auch Männlichkeitsritus und Mutprobe.

Sitting Bull bringt Opfer, ruft die Geister an, bittet um Visionen. Einhundert Stücke seines Fleisches lässt sich der Schamane herausschneiden. Der Schmerz fördert tranceartige Zustände. Tagelanger Tanz zu aufpeitschenden Trommeln treiben den Medizinmann bis zur Bewusstlosigkeit. Und dann hat Sitting Bull flimmernde Visionen, folgenschwere Erscheinungen: Er sieht Weiße ohne Ohren - Zeichen für die Ahnungslosigkeit seiner Feinde.

Wut und Verzweiflung






Die Vision versetzt die Indianer in einen Siegesrausch. Ihre ruhmreichen Taten haben einige Krieger später aufgezeichnet. Einmalige Augenzeugenberichte und Zeichnungen, eine der seltenen indianischen Quellen, zeigen den wahren Ablauf des Schlachtgetümmels. Nie hat man bis dahin Indianer erlebt, die ihre Gegner bis zum letzten Mann töten wollen, getrieben von Wut und Verzweiflung.

Am Ufer des Little Bighorn-Flusses hofft der Wissenschaftler Doug Scott, Hinweise zu finden, wie Custers Männer wirklich starben - und welches Schicksal einzelne Vermisste erlitten.

Vermisster Hornist




Ist der unbekannte Tote aus dem Flussbett ein Opfer des ungleichen Kampfes? Eine Untersuchung im Labor soll Aufschluss über die Todesursache bringen. Falls die Indianer wirklich mit der wilden Entschlossenheit gekämpft haben, wie der Augenzeuge Windolph berichtet, würde der Schädel wahrscheinlich schwerste Verletzungen aufweisen. Vielleicht kann Scott endlich ein Vermisstenschicksal klären, denn auch Windolphs Freund Edward Botzer kämpfte am Fluss, er war der Hornist in seinem Regiment.




Ein einzelner Oberarm-Knochen gibt einen weiteren wertvollen Hinweis. Mit Hilfe des Knochens kann man die Statur des getöteten Soldaten exakt hochrechnen. Der Mann war einen Meter 75 groß - ein Toter mit dem Gardemass der US-Kavallerie. Custers Regimentsliste führt sechs Soldaten auf, die an jenem Fluss als vermisst gelten. Ist der Tote wirklich Windolphs Freund, Edward Botzer? Am Computer vergleicht Scott den Schädel des Toten mit dem Portrait des Soldaten. Ist er einer von 126 deutschen Soldaten Custers?




Edward Botzer, Geburtsort Bremerhaven. Auch einer, der dem Krieg zwischen Preußen und Frankreich entkommt - und am Little Bighorn von Indianern erschlagen wird. Welch eine tragische Ironie des Schicksals.

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