Indizien sprechen für Afrika

Lokalisation von Punt immer noch nicht geklärt

Marsa Gawasis war über einen langen Zeitraum ein pulsierender Hafen und Umladeplatz für die Luxusgüter aus der Ferne. Wohin genau die Weihrauchsucher ihre Schiffe lenkten, darüber grübeln kluge Köpfe nicht erst seit heute. Der erste Vorschlag stammt aus dem Jahr 1857 - der Ära der großen Forschungsreisenden aus Europa.

Route Marsa gawasis nach Süden Quelle: ZDF

Heinrich Brugsch studierte die Hinterlassenschaften im Land am Nil. In seinem umfangreichen Werk stellte er die These auf, dass Punt in Arabien liege. Seine Behauptung stützte er auf ein berühmtes Relief in Theben. Die Darstellung auf einer Wand im Tempel Medinet Habu zeigt, wie Gott Amun Ramses III. das paradiesische Punt zum Geschenk macht. Dazu spricht der Unsterbliche zum Pharao: "Ich wende mein Gesicht nach Osten."

Brugschs Ophir-Theorie

Die Bekundung wertete der Deutsche als geographischen Hinweis. "Ein Blick auf die Karte belehrt uns, dass ein im Osten von Ägypten gelegenes Land nur Arabien sein kann." Kurz darauf lieferte der Wissenschaftler ein weiteres Argument, das in der späteren Diskussion immer wieder auftauchen sollte. Brugsch setzte Punt mit dem biblischen Goldland Ophir gleich, dass Forscher damals in Arabien vermuteten. Das Gebiet, aus dem König Salomon dem Alten Testament zufolge seine sagenhaften Schätze bezog, wurde seither an vielen Orten der Welt gesucht. Die Ophir-Theorie sorgte für reichlich Verwirrung bei der Fahndung nach Punt.

Foto Heinrich Brugsch Quelle: ZDF

Auguste Mariette lieferte die zweite Theorie. 1858, nur ein Jahr später, legte der Franzose den imposanten Totentempel von Königin Hatschepsut in Deir el-Bahari frei. In der Galerie der südlichen Säulenhalle erwartete die Ausgräber eine Sensation. Die Wände bedeckte ein farbenprächtiges Bildprogramm, das erstaunlich gut erhalten war. Die Szenen erzählen von den Großtaten der stolzen Pharaonin - in erster Linie von ihrer legendären Expedition nach Punt. Mariette fiel sofort auf, dass die exotischen Tiere wie die wilden Leoparden und Paviane eher nach Afrika passten als nach Arabien. Vor allem die Giraffen wies er als typische Savannenbewohner dem Schwarzen Kontinent zu.

Relief Fürstin von Punt Quelle: ZDF

Bildreportage in Stein

Hatschepsuts Mission nach Punt ist nach wie vor die bekannteste Reise in das Wunderland. Vermutlich schickte die Herrscherin auch ihre Hofkünstler mit, damit sie den Erfolg später gebührend dokumentierten. Die naturgetreuen Reliefs, mit geradezu wissenschaftlichem Ehrgeiz gestaltet, gleichen einer Bildreportage in Stein. Zoologen versuchten sogar, die dargestellten Fische näher zu bestimmen. Mehr als 280 Arten verglichen sie seitdem mit den Bildnissen im Tempel. Einige der Meerestiere - so das Fazit - tummeln sich sowohl vor der afrikanischen als auch vor der arabischen Küste.

Die umstrittendste Figur ist die "Fürstin von Punt". Ihre massige Gestalt mit dem auffälligen Fettsteiß brachte die These auf: Die Frau litt an der Krankheit Elephantiasis oder war vom Stamm der Hottentotten. Die Palmen umsäumten Rundhütten auf Stelzen untermauern die Verortung von Punt in Afrika. Völkerkundler kennen derartige Behausungen aus dem Osten des Schwarzen Kontinents. Belege dafür fanden sie im Sudan und in Eritrea - wenn auch dort nicht als Hochbau.

Auguste Mariette Quelle: ZDF

In Sichtweite der Küste

Der eingemeißelte Augenzeugenbericht spricht offensichtlich nicht für Arabien - obwohl im Süden der Halbinsel Weihrauch im Überfluss gedieh. Zumindest Hatschepsuts Schiffe nahmen Kurs auf das Horn von Afrika, wo die Harzbäume ebenfalls wuchsen. Da die Alten Ägypter noch nicht gegen den Wind kreuzen konnten, fuhren sie wahrscheinlich in Sichtweite der Küste nach Süden.

Die Entdeckung des Franzosen legte den Grundkonflikt in der Diskussion um das Weihrauchland, die inzwischen schon 150 Jahre andauert. Ungeklärt ist immer noch die Frage, ob das Punt der Ägypter am westlichen oder östlichen Ufer des Roten Meeres lag. Befürworter der westlichen Seite kaprizieren sich auf den heutigen Südsudan, Eritrea, Äthiopien und Somalia. Die Vertreter der östlichen Lösung nennen die gesamte Arabische Halbinsel, vorwiegend jedoch den Jemen und Oman.

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